- 24.03.2015, 19:56:41
- /
- OTS0250 OTW0250
Das Yuan-Fieber sinkt, Kommentar zur Bedeutung der chinesischen Währung von Norbert Hellmann
Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Eine jährliche Befragung von
Großunternehmen über die weltweite Verwendung des chinesischen Yuan
bringt eine Überraschung: Die Erhebung der Großbank HSBC zeigt statt
des erwarteten Bedeutungsgewinns einen Momentumverlust bei der
Verwendung als globale Handelswährung. Denn außerhalb des
asiatisch-pazifischen Raums sind Transaktionsabschlüsse in Yuan eher
auf dem Rückmarsch, lautet die Botschaft - für Peking keine
sonderlich gute. Den chinesischen Yuan als eine führende globale
Handels- und Reservewährung zu etablieren ist schließlich eines der
erklärten Ziele der chinesischen Reformpolitik.
Das Thema hat an den Märkten breite Resonanz gefunden und in Europa
gar eine Art Finanzplatzfieber entfacht. Die Etablierung von
Yuan-Offshoreplätzen mit designierten Clearingbanken wurde noch im
vergangenen Jahr als Ritterschlag und Bestätigung empfunden, im
Finanzplatzwettbewerb der Zukunft oben auf zu sein. Mittlerweile
macht sich etwas Ernüchterung breit. Die anhaltende Abkühlung der
chinesischen Wirtschaft hinterlässt Spuren. Der Yuan ist außerdem
volatiler geworden und von seinem stabilen Aufwertungstrend zum
Dollar abgerückt.
Der erwartete Boom bei der Nutzung der neuen Clearingplattformen und
die erwartete Anregung von Yuan-denominierten Handels- und
Investmentströmen will sich jedenfalls nicht so recht einstellen.
Dies liegt zum einen daran, dass sich - bei all dem von
Finanzplatzpromotoren entfachten Hype - die tatsächliche
Popularisierung von neuen Abwicklungsmechanismen für China-Geschäfte
eine schwierige Angelegenheit ist. Zum anderen stellen die
Unternehmen laut der HSBC-Erhebung fest, dass sich die von China
avisierten Fortschritte bei der Liberalisierung des Kapitalverkehrs
und Konvertibilität des Yuan nur schleppend einstellen und die
Hindernisse immer noch recht groß sind.
Das ist wohl der eigentliche Knackpunkt, an dem sich auch festmachen
wird, ob es China in diesem Jahr gelingen kann, den Yuan beim
Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Dollar, Euro, Pfund und Yen
als fünfte offizielle Reservewährung zu verankern. Die im
Fünfjahresrhythmus erfolgende Überprüfung des IWF-Korbes mit dem die
sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) gebildet werden, steht für
Oktober an. Im Jahr 2010 hatte der IWF befunden, dass die chinesische
Währung noch nicht frei genug verwendbar ist, um in den Korb zu
gelangen. Und auch diesmal sieht es nach einer Zitterpartie aus.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN






