- 24.03.2015, 18:30:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "ATX-Unternehmen handeln" - von Andreas Wolf
Wien (OTS) - Der Faserkonzern Lenzing wird zum ersten Mal in seiner
langen Geschichte einen Vorstandsvorsitzenden bekommen, der nicht aus
dem Unternehmensnachwuchs hervorgeht. An sich ist das keine
bemerkenswerte Nachricht, aber wenn man sich anschaut, was sich
gerade bei den ATX-Unternehmen so tut, dann bekommt man den Eindruck,
dass sich der Handlungszwang auch auf internationaler Ebene erhöht
hat.
Auch bei der OMV steht ein Führungswechsel bevor, nachdem der
Mineralölkonzern durch den sinkenden Ölpreis zusätzlich unter Druck
gekommen ist. An der Börse sieht man so etwas gern, entfacht doch ein
Führungswechsel an der Konzernspitze auch gleichzeitig neue
Kursfantasie. Kommt das Führungspersonal, wie bei Lenzing, zudem noch
von außen, könnte das wesentlich mehr Bewegung in verkrustete
Strukturen bringen als bei einer internen Lösung.
Eine Garantie für einen erfolgreichen Turnaround oder höhere Gewinne
ist diese Vorgehensweise zwar nicht, andere Köpfe verleihen den
betroffenen Unternehmen aber schon neue Impulse. Insbesondere in
Österreich, wo die schwierige Wettbewerbssituation noch durch eine
wenig innovative Steuer- und Abgabenpolitik zusätzlich verschärft
wird, müssen internationale Konzerne Alternativkonzepte entwickeln.
Externe Führungskräfte tun sich der Erfahrung nach damit leichter als
jene, die den Fokus noch immer zu stark auf den Heimatmarkt legen.
Trotz großer Widerstände werden nämlich liberale Handelsabkommen wie
zum Beispiel TTIP zwischen der EU und den USA den internationalen
Wettbewerb immer stärker beeinflussen. Damit nimmt aber auch der
Internationalisierungsgrad der Unternehmen zu.
Neben den ATX-Firmen werden auch zunehmend mittelständische
Unternehmen ihre Strategien danach ausrichten, unabhängig davon, ob
die heimischen Politiker die Dimension dieser Veränderung auch für
die Rahmenbedingung der Steuerpolitik begriffen haben oder nicht. Die
erhöhte Aktivität in den Führungsetagen österreichischer Unternehmen
ist daher unbedingt zu begrüßen, denn sie zeigt, dass man dort die
Zeichen der Zeit erkannt hat.
Ein Blick auf den Nachbarn Deutschland schadet dabei nicht, denn die
dortigen Unternehmen sind gerade deshalb so gut durch die letzte
Wirtschaftskrise gekommen, weil sie sich international breiter
aufgestellt haben.
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