- 23.03.2015, 18:30:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Wer im Glashaus sitzt" - von G. Fritz
Wien (OTS) - Was hat Österreich mit Argentinien gemeinsam? Gutes
Rindfleisch, ebensolche Musik (Tango bzw. Walzer) oder sehr
trinkbaren Wein? Mitnichten - laut dem Chef des deutschen
Bankenverbandes Michael Kemmer ist es vielmehr das Verhalten am
Finanzmarkt, das den südamerikanischen Pleitestaat und die
alpenländische Hypo-Abwicklungsrepublik auf eine Stufe stellt.
Kemmer sieht Österreich "in Argentiniens Fußstapfen", weil bei der
Hypo-Nachfolgegesellschaft Heta ein Schuldenschnitt geplant ist - der
vor allem auch deutsche Institute massiv trifft: Argentinien habe
"auch gedacht, wir zahlen einfach nicht mehr" auch sei zehn Jahre
späte noch immer in Klagen mit Hedgefonds verwickelt; damit müsse
auch Österreich rechnen, so Kemmer, der im Heta-Schuldenmoratorium
Ansteckungsgefahren für ganz Europa ortet.
Der gute Mann mag ja Recht haben, doch aus seinem Mund mutet die
Warnung dennoch einigermaßen pikant an: Führte Kemmer doch während
der umstrittenen Hypo-Notverstaatlichung Ende 2009 die Verhandlungen
für die BayernLB als deren Vorstandsvorsitzender und war zudem zwei
Jahre lang Hypo-Aufseher, davon die meiste Zeit als
Aufsichtsratsvorsitzender. Er hat damit wesentlich zur Situation
beigetragen, in der sich BayernLB, Republik Österreich und
Steuerzahler derzeit befinden - inklusive Weiterführung des
wahnwitzigen Hypo-Expansionskurses.
Nach der Hypo-Verstaatlichung trat Kemmer als BayernLB-Chef zurück.
Im folgenden Strafprozess wegen des Hypo-Fehlkaufs kam er mit einer
Geldauflage von 20.000 Euro davon. Bei aller berechtigter Kritik gilt
dennoch: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
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