• 18.03.2015, 18:25:12
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Tunnelbau nach Prinzip Hoffnung" - von Michael Riedler

Wien (OTS) - Viel Kritik gab es immer schon zum
Zehn-Milliarden-Euro-Güterverkehrsprojekt des Brennerbasistunnels
(BBT) zwischen Innsbruck und Franzensfeste (Südtirol), vor allem
natürlich wegen der hohen Kosten. Zyniker ätzten gar, es wäre
gescheiter, den Tunnel als Straßentunnel auszuführen statt als
Bahntunnel, nachdem im internationalen Bahnverkehr noch oft der
Bürokratieschimmel wieherte.
In den vergangenen Tagen spitzte sich die Kritik noch zu, als Stefano
Perotti, der Bauleiter zweier BBT-Baulose auf italienischer Seite,
unter Korruptionsverdacht festgenommen wurde.

Der Vorfall bekräftigte nicht nur die Vermutung österreichischer
Firmen, dass bei Vergaben auf italienischer Seite oft nicht wirklich
Chancengleichheit herrsche. Er veranlasste auch Beppe Grillos
Fünf-Sterne-Bewegung zur Ankündigung eines Misstrauensantrags gegen
Italiens Infrastrukturminister, Maurizio Lupi.

Aber: Der Tanker BBT ist nicht mehr zu stoppen. Zu viel wurde schon
in die Erkundungs- und Rettungsstollen investiert. Demnächst wird
wieder ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro ausgeschrieben. Für die
Zeit bis 2020 wurde heuer im Februar schon ein Paket über 3,8
Milliarden Euro in Brüssel zur Kofinanzierung eingereicht. Und es
sieht so aus, als würde die EU rund 1,6 Milliarden Euro springen
lassen.

Schließlich legt sie derzeit großen Wert auf wirtschaftsbelebende
Infrastrukturmaßnahmen, und die Brennerachse gilt in Brüssel als
prioritärer Verkehrsweg. Dabei wird beim Großprojekt noch stark nach
dem Prinzip Hoffnung geplant: Ohne den Ausbau von Zulaufstrecken in
Deutschland und Italien hat der Tunnel wenig Sinn.

Nun hat Italien zwar die Finanzierung der Zulaufstrecken prinzipiell
zugesagt. Aber die Budgetnöte des Landes wecken dennoch Skepsis, auch
wenn eine gewisse Querfinanzierung aus Autobahngeldern möglich sein
sollte.

In Deutschland wiederum stößt der Ausbau der Zulaufstrecken auf den
Widerstand von Anrainern. Nächste Woche startet hier ein
"Planungsdialog".

Und schließlich ist völlig unklar, wie bei Inbetriebnahme des Tunnels
im Jahr 2026 die Rahmenbedingungen aussehen werden, etwa die Mauten
auf der konkurrierenden Straße - also Dinge, die mitentscheiden, wie
schwarz bzw. wahrscheinlich rot die betriebswirtschaftlichen Zahlen
des Tunnels dann ausfallen werden.

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