- 17.03.2015, 18:30:02
- /
- OTS0203 OTW0203
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Lieber mit China kooperieren" - von Andre Kühnlenz
Wien (OTS) - Den Amerikanern hat das Vorpreschen überhaupt nicht
gefallen. Die größten Länder Europas beteiligen sich an Chinas neuer
Entwicklungsbank AIIB, die nach den Plänen Pekings Eisenbahnen,
Straßen und Energieprojekte vor allem in Asien finanzieren soll (s.
Seite 9). Mit dabei sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien und
Italien.
In Staaten wie den USA oder Japan kommt das Streben der Chinesen nach
mehr wirtschaftlicher und finanzieller Macht in der
asiatisch-pazifischen Region gar nicht gut an. Fürchten sie doch,
damit selbst an Einfluss zu verlieren. Beide Länder beherrschen
jedoch die traditionellen Institutionen wie die Weltbank oder die
Asiatische Entwicklungsbank ADB.
Die Chinesen aber, die lang vergeblich darauf gehofft haben, in den
internationalen Institutionen mehr mitreden zu können, beschreiten
jetzt ihren eigenen Weg: Besonders seit der Finanzkrise bauen sie
Parallelstrukturen auf. Dazu gehört auch die Initiative, die
historische Seidenstraße über Zentralasien, Südosteuropa bis in den
Norden des europäischen Kontinents wiederzubeleben. Oder das
Sicherheitsbündnis Shanghai Cooperation Organization (SCO), das
Peking mit Russland und Zentralasien eingegangen ist.
In Europa und den Nachbarländern Chinas haben die Regierungen schon
lang erkannt, dass sie die globalen Pläne Pekings ohnehin nicht
aufhalten können, egal, was Washington denken mag. Denn dazu passt
das ökonomische Gewicht des Riesenreichs schon lang, niemand kann es
mehr ignorieren.
Und es kann nicht schaden, sich bereits heute mit der aufkommenden
Superweltmacht gut zu stellen, die einmal sogar die USA übertrumpfen
könnte. Dann schon lieber mitmachen und so auch Einfluss auf die
neuen Institutionen nehmen, sagen sie sich in Berlin, Paris, London,
Rom, aber auch in Singapur, bald wahrscheinlich auch in Sydney oder
Seoul.
Österreich aber, vor dessen Toren gerade ein strategisch wichtiger
Teil der Seidenstraße entsteht, die über die Handelswege nach
Nordeuropa führt, scheint den wachsenden Expansionsdrang Chinas zu
verschlafen. Dabei bieten sich gerade in Ost- und Mitteleuropa
genügend Gelegenheiten, mit den Chinesen bei Infrastrukturprojekten
zu kooperieren.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






