WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Lieber mit China kooperieren" - von Andre Kühnlenz

Wien (OTS) - Den Amerikanern hat das Vorpreschen überhaupt nicht gefallen. Die größten Länder Europas beteiligen sich an Chinas neuer Entwicklungsbank AIIB, die nach den Plänen Pekings Eisenbahnen, Straßen und Energieprojekte vor allem in Asien finanzieren soll (s. Seite 9). Mit dabei sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

In Staaten wie den USA oder Japan kommt das Streben der Chinesen nach mehr wirtschaftlicher und finanzieller Macht in der asiatisch-pazifischen Region gar nicht gut an. Fürchten sie doch, damit selbst an Einfluss zu verlieren. Beide Länder beherrschen jedoch die traditionellen Institutionen wie die Weltbank oder die Asiatische Entwicklungsbank ADB.

Die Chinesen aber, die lang vergeblich darauf gehofft haben, in den internationalen Institutionen mehr mitreden zu können, beschreiten jetzt ihren eigenen Weg: Besonders seit der Finanzkrise bauen sie Parallelstrukturen auf. Dazu gehört auch die Initiative, die historische Seidenstraße über Zentralasien, Südosteuropa bis in den Norden des europäischen Kontinents wiederzubeleben. Oder das Sicherheitsbündnis Shanghai Cooperation Organization (SCO), das Peking mit Russland und Zentralasien eingegangen ist.

In Europa und den Nachbarländern Chinas haben die Regierungen schon lang erkannt, dass sie die globalen Pläne Pekings ohnehin nicht aufhalten können, egal, was Washington denken mag. Denn dazu passt das ökonomische Gewicht des Riesenreichs schon lang, niemand kann es mehr ignorieren.

Und es kann nicht schaden, sich bereits heute mit der aufkommenden Superweltmacht gut zu stellen, die einmal sogar die USA übertrumpfen könnte. Dann schon lieber mitmachen und so auch Einfluss auf die neuen Institutionen nehmen, sagen sie sich in Berlin, Paris, London, Rom, aber auch in Singapur, bald wahrscheinlich auch in Sydney oder Seoul.

Österreich aber, vor dessen Toren gerade ein strategisch wichtiger Teil der Seidenstraße entsteht, die über die Handelswege nach Nordeuropa führt, scheint den wachsenden Expansionsdrang Chinas zu verschlafen. Dabei bieten sich gerade in Ost- und Mitteleuropa genügend Gelegenheiten, mit den Chinesen bei Infrastrukturprojekten zu kooperieren.

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