Leiharbeiter im Krankenstand einfach abgemeldet und dann noch „Vertragsstrafe“ kassiert: AK erreichte 9000 Euro Nachzahlung

Linz (OTS) - Übel mitgespielt hat eine Linzer Leiharbeitsfirma einem ihrer Beschäftigten: Vorgeschriebene Zuschläge wurden nicht bezahlt. Als der Mann krank war, wurde er ohne sein Wissen einfach bei der Gebietskrankenkasse abgemeldet. Als Begründung gab die Firma einen "vorzeitigen unberechtigten Austritt" an. Damit nicht genug: Für diesen angeblichen "unberechtigten Austritt" zog ihm der Arbeitgeber auch noch 300 Euro "Vertragsstrafe" vom Lohn ab. Zu Unrecht, wie vor Gericht festgestellt wurde. Mit Hilfe der Arbeiterkammer bekam der Mann schließlich mehr als 9000 Euro Nachzahlung.

Sieben Monate lang war der Mann als Betriebselektriker bei dem Arbeitskräfteüberlasser beschäftigt. In dieser Zeit wurde er an zwei Firmen verliehen, einmal fünf Monate lang und einmal zwei Monate lang. Beide Firmen sind Mitglieder der im Kollektivvertrag für Arbeitskräfteüberlasser angeführten sogenannten Referenzverbände. Der Verleiher ist in so einem Fall verpflichtet, dem Arbeitnehmer ab dem zweiten Monat des Arbeitsverhältnisses einen Referenzzuschlag zu zahlen. Dieser Zuschlag wurde nicht bezahlt.

Wenige Tage, nachdem sich der Elektriker ordnungsgemäß krank gemeldet hatte, meldete ihn die Leiharbeitsfirma ohne sein Wissen bei der Gebietskrankenkasse ab. Begründung: "vorzeitiger unberechtigter Austritt". Nach knapp zwei Wochen wurde er wieder angemeldet. Damit ersparte sich der Arbeitgeber einen Teil des Entgelts für den Krankenstand - auf Kosten der Sozialversicherung. Der Arbeitnehmer wunderte sich nicht wenig, als beim nächsten Lohn auch noch 300 Euro "Verwaltungsstrafe" abgezogen wurden. Er kündigte schließlich und wandte sich an die Arbeiterkammer, die für ihn vor Gericht ging. Weil die Firma trotz einer gerichtlichen Aufforderung nicht zahlte, musste der erstrittene Betrag per Pfändung eingetrieben werden. Insgesamt bekam der Arbeitnehmer mehr als 9000 Euro brutto nachgezahlt.

Der Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich hat zuletzt wieder gezeigt, das Leiharbeitskräfte unzufriedener sind als alle anderen Arbeitnehmer/-innen. "Kein Wunder angesichts solcher Fälle", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Zwar haben Arbeiterkammer und Gewerkschaften viele Verbesserungen erreicht, aber: "Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, die den mühsam erkämpften Kollektivvertrag nicht einhalten."

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