• 12.03.2015, 20:56:38
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An die Substanz, Kommentar zur Bilanz der deutschen Sparkassen von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Auch für die Sparkassen gilt der
Karl Valentin et al. zugeschriebene Satz, dass Prognosen schwierig
sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Aber manches ist ja
berechenbar. Wenn ein Asset, das heute aus guten alten Zeiten
stammende 4% abwirft, in drei Jahren fällig wird und neu angelegt
werden muss, weiß man, was es künftig bei Null- und Negativzinsen
bringt - oder eben nicht mehr bringt. Nehmen wir also an, dass
Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon mit seiner Prognose, der
Zinsüberschuss werde in höchstens fünf Jahren um 15% sinken, richtig
liegt. Dann hätten die Sparkassen 2019 einen - bis dahin sukzessive
steigenden - Ertragsausfall von 3,5 Mrd. Euro. Das sind 70% des
Vorsteuerergebnisses des vorigen Jahres.

Dabei geht 2014 auch deshalb als außergewöhnliches Jahr in die
Geschichte ein, weil die Kreditrisikovorsorge eine Quantité
négligeable war: 0,3 Mrd. Euro. Zum Vergleich: 2004, nicht mal ein
Annus horribilis, stand in dieser Position eine Belastung von 4,3
Mrd. Euro. Da kann es mithin, je nach Entwicklung von Konjunktur oder
Immobilienmärkten, auch mal wieder in die andere Richtung gehen.

Damit ist zweierlei klar. Erstens: Die EZB lässt mit ihrer
Geldpolitik die Ertragsbasis und letztlich die Geschäftsmodelle jener
Institute erodieren, die sie als Bankenaufsicht zumindest indirekt
überwacht; aber es gibt ja keinen Interessenkonflikt, wie uns
versichert wurde. Zweitens: Die Sparkassen müssen, wie die
allermeisten Banken, reagieren. Sie können sich nicht darauf
verlassen, dass es irgendwann eine Zinswende in Euroland geben wird.
Der Provisionsüberschuss, der bisher keine 30% des Zinsergebnisses
ausmacht, mag an Bedeutung gewinnen, kann aber die Ausfälle auf der
Zinsseite nicht annähernd ausgleichen.

Was bleibt dann? Verzehr mühsam aufgebauter Substanz und Hoffen auf
bessere Zeiten - das wäre wohl schon mit Blick auf die verschärften
regulatorischen Anforderungen keine gute Idee - oder Drehen an der
Kostenschraube. Doch auch Letzteres wird über kurz oder lang an die
Substanz gehen: die Substanz der Volkswirtschaft, zu deren Stärken
hierzulande die flächendeckende Versorgung von Unternehmen,
Selbständigen und Privaten mit Krediten und Finanzdienstleistungen
auf einem hochkompetitiven Markt gehört. Fahrenschon hat Recht: Man
sollte nicht aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen. Tatsache
bleibt aber, dass die EZB mit ihrer pathologischen Politik dabei ist,
die gesunden und bewährten deutschen Strukturen zu zerstören. Dagegen
sollte mal jemand protestieren, wenn die Notenbank am 18. März ihren
Neubau feierlich einweiht.

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