• 12.03.2015, 11:05:49
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Vier Jahre Syrien-Konflikt: Flüchtlingen droht düstere Zukunft

Nur 54 Prozent der Hilfe für syrische Flüchtlinge ausfinanziert

Utl.: Nur 54 Prozent der Hilfe für syrische Flüchtlinge
ausfinanziert =

Genf/Wien (OTS) - Genf/Wien - Vier Jahre nach Ausbruch des
Syrien-Konfliktes haben sich die Bedingungen für Millionen von
Flüchtlingen in den Nachbarländern und Binnenvertriebenen in Syrien
auf alarmierende Weise verschlechtert. Ohne verstärkte internationale
Unterstützung droht ihnen eine noch düstere Zukunft, warnte heute das
UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR.

Eine politische Lösung des Konfliktes ist nicht in Sicht. Die meisten
der rund 3,9 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei, dem
Libanon, Jordanien, dem Irak und Ägypten sehen für die nahe Zukunft
keine Aussicht auf eine Rückkehr in ihre Heimat, aber auch kaum
Möglichkeiten für einen Neustart im Exil. Über die Hälfte der
syrischen Flüchtlinge im Libanon leben in unzureichenden
Notunterkünften - im letzten Jahr waren es noch ein Drittel. Es
bleibt eine ständige Herausforderung, für eine warme und sichere
Unterkunft zu sorgen. Eine Untersuchung bei 40.000 syrischen Familien
in den urbanen Zentren Jordaniens ergab, dass zwei Drittel von ihnen
unterhalb der Armutsgrenze leben.

UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres bekräftigte, weitaus
mehr müsse getan werden, um syrische Flüchtlinge aus ihrem
albtraumhaften Leid zu befreien. Nach Jahren im Exil sind ihre
Ersparnisse erschöpft. Eine wachsende Zahl von ihnen sieht zum
Überleben nur einen Ausweg durch Betteln, Prostitution und
Kinderarbeit. Mittelklassefamilien mit Kindern versuchen verzweifelt,
auf der Straße zu überleben; Ein Vater sagte, ein Leben als
Flüchtling sei, wie in Treibsand zu geraten - jede Bewegung bedeutet
noch tiefer zu sinken.

"Die schlimmste humanitäre Krise unserer Zeit sollte einen globalen
Aufschrei zur Unterstützung hervorrufen, stattdessen schwindet die
Hilfe. Finanzierungsaufrufe für humanitäre Hilfsprogramme bleiben
systematisch unterfinanziert. Es gibt weder genügend humanitäre
Hilfe, um den enormen Bedarf zu decken noch genügend
Entwicklungshilfe für die Aufnahmestaaten, die unter der Belastung so
vieler Flüchtlinge ächzen", fügte Guterres hinzu. Er betonte, durch
den massiven Zustrom der syrischen Flüchtlinge innerhalb der letzten
vier Jahre sei die Türkei nun das größte Aufnahmeland für Flüchtlinge
weltweit geworden und habe dabei über sechs Milliarden US-Dollar für
direkte Hilfsmaßnahmen ausgegeben.

Wachsende Sicherheitsbedenken und ungenügende internationale
Unterstützung haben jedoch dazu geführt, dass Syriens Nachbarstaaten
in den letzten Monaten Regelungen getroffen haben, um dem Zuzug von
Flüchtlingen entgegenzuwirken. Neue Vorschriften für den
Grenzübertritt gehören ebenso dazu wie aufwendige und komplexe
Anforderungen, um den Aufenthalt im Exil verlängern zu können.

Immer mehr Syrer verlieren ihre Hoffnung. Tausende haben versucht,
unter Lebensgefahr über den Land- oder Seeweg Europa zu erreichen.
Sie müssen dabei ihre ganzen Ersparnisse in die Hände von Schleppern
geben. Viele von ihnen erreichen ihr Ziel nicht. Wer es jedoch
schafft, muss zunehmend mit einer feindseligen Haltung rechnen.
Flüchtlinge werden in einem Klima zunehmender Panik mit
Sicherheitsproblemen in Zusammenhang gebracht.

"Flüchtlinge werden zu Sündenböcken für jedes beliebige Problem
gemacht - vom Terrorismus bis zu ökonomischen Schwierigkeiten und der
vermeintlichen Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung in den
Aufnahmestaaten: Doch wir müssen uns in Erinnerung rufen: Flüchtlinge
sind keine Bedrohung, sie sind bedroht", so Guterres.
In Syrien selbst verschlechtert sich die Situation täglich. Über
zwölf Millionen Menschen sind auf Hilfen zum Überleben angewiesen.
Fast acht Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Sie leben
mit mehreren Familien in überfüllten Räumen oder campieren notdürftig
in verlassenen Gebäuden und Ruinen. Geschätzte 4,8 Millionen Menschen
in Syrien sind für Hilfsorganisationen nur schwer zu erreichen, unter
ihnen 212.000 Menschen in belagerten Städten oder Stadtteilen.

Millionen von Kindern leiden unter Krankheiten und traumatischen
Erfahrungen. Ein Viertel aller syrischen Schulen ist beschädigt,
zerstört oder wird als Notunterkunft genutzt. Über die Hälfte aller
Krankenhäuser in Syrien sind zerstört.
Über zwei Millionen Kinder gehen in Syrien nicht zur Schule. Im Exil
gilt dies für fast die Hälfte aller syrischen Flüchtlingskinder. Im
Libanon gibt es mehr Flüchtlinge als einheimische Kinder im
Schulalter. Lediglich 20 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder
gehen jedoch in die Schule. Ähnliche Angaben gibt es auch für
syrische Flüchtlingskinder außerhalb der Camps in Jordanien und der
Türkei.

"Wir haben nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten hier einzugreifen -
zu einem Zeitpunkt, an dem eine potenziell verlorene Generation mit
ihrer Zukunft konfrontiert ist. Flüchtlinge der Hoffnungslosigkeit zu
überlassen setzt sie jedoch noch größerem Leid, Ausbeutung und
gefährlichem Missbrauch aus", warnte Guterres.
Die Syrer sind mittlerweile weltweit die größte
Flüchtlingsbevölkerung, um die sich UNHCR kümmert. Ende letzten
Jahres waren jedoch nur 54 Prozent der eigentlich benötigten
finanziellen Mittel bereitgestellt worden, um Flüchtlinge außerhalb
Syriens unterstützen zu können. In Syrien fielen die Hilfsgelder
prozentual noch geringer aus.

Im Dezember 2014 veröffentlichte die UN in Berlin den größten
humanitären Hilfsappell in ihrer Geschichte. Bei völliger
Finanzierung könnten mit dieser Summe die Grundversorgung der
Flüchtlinge sichergestellt werden, aber auch die aufnehmenden
Gemeinden und Städte in ihrer Infrastruktur sowie bei
Dienstleistungen gestärkt werden. UNHCR hofft, dass erhebliche
Beiträge bei der Geberkonferenz in Kuwait am 31. März 2015
versprochen werden.
"Die Aufnahmestaaten bei der Bewältigung der Aufgaben alleine zu
lassen, könnte in eine ernste regionale Destabilisierung münden und
die Wahrscheinlichkeit von Sicherheitsproblemen anderswo auf der Welt
erhöhen", sagte Guterres.

Pressebegleitmaterial finden Sie unter:
http://www.unhcr.org/syriayear5

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