• 11.03.2015, 20:51:41
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Von Freude und Fracht, Kommentar zur Deutschen Post von Walther Becker

Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Das erfreut uns sehr", sagt Frank
Appel, "wir freuen uns" und "ich bin hoch erfreut" über eine
"erfreuliche Entwicklung": Der Vorstandschef hat sich bei der
Präsentation der Ergebnisse der Deutschen Post DHL, die künftig noch
"Group" an den Namen hängt, überaus happy gegeben - bis hin zu seiner
Freude über "den Beitrag für unseren Planeten, den wir leisten".
Investoren sind hingegen weniger beglückt und begeistert. Sie haben
die Aktie - als einzige im Dax gestern - auf Talfahrt geschickt.

Und das hat kaum etwas mit den lautstark auch vom Management
ausgefochtenen Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft zu tun,
wollen Appel und seine Kollegen doch niedrigere Löhne für Zusteller
in ausgegliederten Tochtergesellschaften durchpauken. Nein, es sind
die gedämpften Aussichten, die Appel ausmacht. Es ist ein deutlich
schwächer als erwartet gelaufenes viertes Quartal und es sind die
anhaltenden Probleme in der Frachtsparte. Dort ist das
Führungspersonal mehr mit sich und internen Problemen beschäftigt als
mit Kunden. Kein Quell der Freude. Die Dividendenerhöhung von 5 auf
85 Cent je Aktie reicht da als Trostpflaster nicht. Und Verdi wird
diese Erhöhung angesichts der Kosteneinschnitte und eines leicht
gesunkenen Gewinns wurmen.

Sicher, das boomende Paketgeschäft und eine sprudelnde Expresssparte
gerade in Schwellenländern halten den Logistikkonzern auf Kurs. Doch
der Rivale von UPS und Fedex muss sich für die versprochene
Ergebnissteigerung von jährlich 8% bis 2020 gewaltig anstrengen.
Vorstandschef Appel peilt für 2015 ein Plus von 3 bis 8% an. Dabei
hat er das alte Ziel fürs operative Ergebnis im laufenden Jahr schon
von 3,35 Mrd. bis 3,55 Mrd. Euro auf 3,05 Mrd. bis 3,2 Mrd. Euro
gesenkt. Und weil ein Ertragswachstum im Zielband möglicherweise auch
2015 verfehlt wird, muss es in den Folgejahren deutlich stärker
aufwärts gehen. Doch woher nehmen und nicht stehlen?

Die Deutsche Post dürfte der Dax-Konzern mit den detailliertesten
Prognosen sein, wird doch die Ergebniserwartung auch für 2016 - nach
Brief und DHL - quantifiziert. Doch heißt es dann auch liefern. Und
mit den Vorgaben setzt Appel die Belegschaft von annähernd einer
halben Million Beschäftigten womöglich unnötig unter Druck, zumal
wenn der Kapitalmarkt den Glauben verliert.

Appel meint: Ich verkündige Euch große Freude. Doch vielleicht ist
erst Geduld der Schlüssel zur Freude, wie ein arabisches Sprichwort
besagt.

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