WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Der große Knall kommt noch" - von Günter Fritz

Wien (OTS) - Bei der vor rund eineinhalb Wochen überfallsartig angekündigten Abwicklung der Hypo-Alpe-Adria-Nachfolgegesellschaft Heta Asset Resolution sind noch viele Fragen offen: von der Höhe des geplanten Schuldenschnitts für die Gläubiger über das tatsächliche Ausmaß der Finanzierungslücke von bis zu 7,6 Milliarden Euro und die Auswirkungen auf die heimischen Banken - insbesondere die Landes-Hypos - bis zu den laufenden sowie zu erwartenden Klagen.

Fraglich ist auch, wo das öffentliche Interesse an der derzeit gewählten Lösung endet. Denn das war laut geltendem Gesetz neben drohender Zahlungsunfähigkeit und fehlenden Alternativen ein wesentlicher Punkt dafür, dass man sich für die Abwicklung der Heta entschied - und nicht für die Insolvenz.

Nach Aussage der Finanzmarktaufsicht definiert sich das öffentliche Interesse vor allem in dem Umstand, dass eine Insolvenz der Heta den Verkauf des Hypo-Südosteuropa-Netzwerkes an das Konsortium Advent/EBRD gefährdet hätte. Denn dieser ist zwar beschlossen, das Closing soll aber erst bis Jahresmitte erfolgen. Vom Verkauf des Südosteuropa-Netzwerkes hängt nicht nur ein Erlös von bis zu 200 Millionen Euro ab, sondern es geht auch um Refinanzierungslinien in Höhe von rund 2,2 Milliarden, die an die Republik Österreich längerfristig zurückgeführt werden sollen. Daher auch das öffentliche Interesse im Sinne der Steuerzahler, dass der Verkauf an Advent/EBRD auch zustande kommt.

Ist nun der Verkauf in trockenen Tüchern, fällt auch dieses vordringliche Interesse an der Abwicklung weg; eine Insolvenz, die schon mehrfach angedacht, aber nicht realisiert wurde, wäre dann eine denkbare Möglichkeit. Die Kärntner Landeshaftungen sind ja schon jetzt offenbar weitgehend wertlos, und wenn die Gläubiger dann noch etwas mehr zur Kasse gebeten würden, wäre das aus Sicht des Bundes angesichts des bereits entstandenen Imageschadens wohl auszuhalten.

Mit dem Zahlungsstopp bis 31. Mai 2016 und dem neuerlichen beauftragten Asset-Screening bei der Heta haben sich die Finanzmarktaufsicht und der Bund jedenfalls Luft verschafft, um die Eventualitäten entsprechend auszuloten und die nötigen Schritte vorzubereiten. Somit drängt sich die Vermutung auf, dass die Entscheidungsträger im Finanzministerium einen solchen Stufenplan schon von langer Hand vorbereitet haben - der unweigerlich in einem großen Knall, nämlich der Insolvenz der Heta, endet.

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