• 10.03.2015, 11:39:58
  • /
  • OTS0111 OTW0111

Superintendent Dantine: Evangelische Schulen in Tirol bringen neue Impulse in die Schullandschaft

Bischof Bünker fordert Neustrukturierung des Schulsystems

Utl.: Bischof Bünker fordert Neustrukturierung des Schulsystems =

Innsbruck (OTS/epdÖ) - "Der konfessionelle Religionsunterricht, in
dem aus der eigenen religiösen Tradition heraus interreligiöse
Kompetenzen erworben werden, macht Schülerinnen und Schüler
dialogfähig. Auf diese Weise ist religiöse Bildung ein wichtiger
Baustein gegen Fundamentalismus und Intoleranz und nicht zuletzt
gegen die Ängste vor fremden Kulturen und Religionen", sagte
Superintendent Olivier Dantine bei einer Pressekonferenz anlässlich
des Jahres der Bildung der Evangelischen Kirchen in Österreich am 10.
März in Innsbruck. Die Stärkung der eigenen religiösen Identität und
das wertschätzende Kennenlernen anderer Religionen sei in Blick auf
eine zunehmend pluralere Gesellschaft wichtig und notwendig, so
Dantine. Dies sollte auch jenen bewusst sein, die den konfessionellen
Religionsunterricht in Tirol zuletzt öfters in Frage gestellt haben.
Dantine: "Es ist wichtig, dass Menschen in der Begegnung mit dem
Fremden keine Angst vor Identitätsverlust haben."

Bildung und Religion gehören zusammen, unterstrich der
Superintendent. Dies zeige sich aber nicht nur in der Schule, sondern
auch in den zahlreichen außerschulischen kirchlichen Aktivitäten. So
setze sich etwa die Evangelische Jugend von Salzburg und Tirol mit
ihrem Projekt "Bild dir nix ein" für Bildung unter Jugendlichen ein.
Auch das evangelische Engagement im Schulbereich würde in Tirol an
Bedeutung gewinnen. "Seit einigen Jahren entwickelt sich ein kleines
aber feines evangelisches Schulwesen in Tirol", erklärte Dantine.
"Als evangelische Schulen in einem sehr katholisch geprägtem Umfeld
bringen sie neue Impulse in die Schullandschaft."

Eine dieser Schulen ist die Johann-Sebastian-Bach-Musikschule in
Innsbruck. "Heute erhalten 200 Schülerinnen und Schüler von 14
Lehrerinnen und Lehrern fundierten Musikunterricht in der
Johann-Sebastian-Bach Musikschule Innsbruck - hauptsächlich in den
Räumen der evangelischen Christuskirche und der evangelischen
Superintendentur", berichtet Direktorin Bärbel Weber. Mit ihrem
integrativen Konzept will die Schule auch Menschen mit Behinderung
den Zugang zur Musik eröffnen. In diakonischer Tradition richte sich
die Schule mit ihrem Angebot an alle, unabhängig von Konfession,
Religion, Kultur, Alter und Herkunft. Seit 2013 fördert die Stadt
Innsbruck die Schule, die vom Diakoniewerk erhalten wird, zusätzlich
helfen Spendengelder und Kollekten bei der Finanzierung der
Musikschule. Der nicht unerhebliche Faktor der Personalkosten werde
derzeit zur Gänze vom Diakoniewerk in Gallneukirchen übernommen.
Leider, so Weber, konnte bisher von Seiten des Landes Tirol keine
finanzielle Unterstützung gewährt werden, was für die Existenz der
Musikschule äußerst schwierig sei. Denn keine öffentliche Musikschule
könnte ohne Subvention der Personalkosten bestehen. Die ungebrochen
starke Nachfrage zeige den Bedarf an qualitativ hohen
Musikunterricht, aber auch, dass das öffentliche Angebot keineswegs
ausreiche.

Weil die Reformation den Glauben so eng mit Bildung verbunden hat,
haben die Evangelischen Kirchen in Österreich beschlossen, auf dem
Weg zum Reformationsjubiläum 2017 ein ganzes Jahr besonders der
Bildung zu widmen, sagte Bischof Michael Bünker bei der
Pressekonferenz in Innsbruck. Reformation habe sich aber nicht nur
auf Bildung im religiösen Bereich beschränkt, sondern sei vielmehr
gesamtgesellschaftliche Bildungsbewegung gewesen. Aus diesem Grund
engagiere sich die evangelische Kirche auch heute in der aktuellen
Bildungsdebatte. Die "Anregungen" seitens der evangelischen Kirchen
an Politiker und Verantwortliche im Bildungsbereich sind
dementsprechend konkret. "Leistungen von Bildungseinrichtungen sollen
daran gemessen werden, ob sie in der Lage sind, Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen entsprechend ihren jeweiligen Gaben
gleichermaßen und differenziert gerecht zu werden", fordert Bünker.
So kritisiert der Bischof etwa die Tatsache, dass nach wie vor
soziale Herkunft, Armut und Bildungsferne über den Bildungserfolg
entscheiden würden. Von daher sei es ebenfalls wichtig, die Familien
als "Ort primärer Bildung" frühzeitig und bedarfsgerecht zu fördern.
Zusätzlich forderte Bünker eine schrittweise Neustrukturierung des
österreichischen Schulsystems in ein inklusives Schulsystem. Wie
Superintendent Dantine spricht sich auch Bünker für den
konfessionellen Religionsunterricht aus. Es sei wichtig, die
religiöse Dimension des Menschen als Bildungsaufgabe zu verstehen,
gerade auch angesichts der zunehmenden Konflikte mit religiösen
Aspekten. Dass dies alles auch viel Geld koste, ist Bünker bewusst:
"Aber eines ist sicher: Das Einzige, das mehr kostet als Bildung,
ist, wenn es keine oder schlechte Bildungschancen gibt."

"Wir verstehen uns als Leuchtturm in der Bildungslandschaft", sagte
der Leiter der Montessori-Schule Innsbruck, Gernot Candolini. Vieles,
was derzeit diskutiert werde, wie etwa die tägliche Turnstunde,
Team-Teaching oder altersübergreifendes Lernen sei in der Montessori
Schule, die seit 1996 in Innsbruck tätig ist, bereits Alltag.
Candolini ist sich bewusst, dass der Montessori-Ansatz, der "darauf
schaut, was Kinder können und ihnen auch viel zutraut" einen höheren
personellen und finanziellen Aufwand benötige. "Es sollte jedoch
Konsens sein, in Bildung zu investieren", sagte der Schulleiter.
Montessori-Schulen befänden sich oft in evangelischer Trägerschaft.
In der Selbstbefähigung des Menschen sieht Candolini auch ein
"urlutherischers Anliegen". Derzeit plane man an einem
Montessori-Oberstufenrealgymnasium, das in den nächsten Jahren in
Innsbruck seinen Betrieb aufnehmen soll.

Nach dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet
war, und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation
gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische
Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich
das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr Bildung erkoren. Mehr zum Jahr der
Bildung unter www.bildungundreformation.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EPD

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel