• 09.03.2015, 20:51:38
  • /
  • OTS0170 OTW0170

Verflixtes siebtes Jahr, Kommentar zur Aktienhausse von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Das aktuelle Börsenjahr wird als
eines der spektakulärsten in die Finanzmarktgeschichte eingehen. So
viel steht nach nur etwas mehr als zwei Monaten fest. Strategen
werden es wahrscheinlich auch als verflixtes siebtes Jahr des im März
2009 gestarteten Bullenmarktes in Erinnerung behalten. Denn die
spektakuläre, in ihrem Ausmaß völlig unerwartete Hausse des Dax hat
sämtliche Erwartungen, d.h. auch die kühnsten Prognosen für das
Jahresende, schon jetzt übertroffen. Notgedrungen werden die
Indexziele der veränderten Welt, in der sich der Aktienmarkt nun
befindet, angepasst.

Was unterschätzt wurde, war das Ausmaß, in dem die Anleihekäufe der
Europäischen Zentralbank sowie die dadurch weiter gedrückten
Anleiherenditen zu Umschichtungen in Aktien führen würden. Den
Investoren verbleiben immer weniger Auswege aus dem Dilemma, vor das
sie die extrem niedrigen Renditen der für sie lebenswichtigen
Top-Staatsanleihen stellen.

Auch in der Euro-Peripherie - in Portugal erreichte die Verzinsung
zehnjähriger Staatstitel am Freitag ein Rekordtief von weniger als
1,7% - sind kaum noch zufriedenstellende Kuponrenditen zu erzielen.
Von einer angemessenen Risikokompensation kann da schon längst nicht
mehr die Rede sein. Die Außerkraftsetzung der Marktmechanismen durch
die Geldpolitik hat dazu geführt, dass bereits erste
Investment-Grade-Unternehmensanleihen negativ rentieren und im
High-Yield-Bereich Zinsen geboten werden, die gerade noch
Sparbuchniveau entsprechen.

Den Aktieninvestoren kann das nur recht sein. Liquidität und niedrige
Zinsen werden die Notierungen trotz der bereits sehr starken Avancen
möglicherweise weiter in die Höhe treiben. Dennoch sollten sie sich
nicht zu sehr in Sicherheit wiegen und den Ausgang nicht ganz aus den
Augen lassen. Schließlich sind die derzeitigen Treiber der
Aktienmärkte Krisensymptome und eben nicht Zeichen einer rauschenden
ökonomischen Entwicklung. Die Weltwirtschaft befindet sich in einem
Umfeld, in dem das Wachstum niedriger ausfällt als in vergangenen
Zyklen. Gleichzeitig ist die globale Gesamtverschuldung in den
vergangenen Jahren weiter gestiegen. Die Gewinne als entscheidende
Basis für das Potenzial der Aktienmärkte bleiben seit geraumer Zeit
hinter der Kursentwicklung zurück, mit der Folge, dass die
Bewertungen deutlich gestiegen sind. Dadurch ist die Anfälligkeit
gewachsen. Auf dem aktuellen Niveau ein paar Gewinne mitzunehmen,
kann angesichts der Risiken nicht schaden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel