Restitution des Beethovenfries abgelehnt

Wien (OTS) - Die heutige Empfehlung des Beirats muss alle überraschen, die sich mit den Dokumenten und Fakten zum Beethoven-Fries über viele Jahre auseinandergesetzt haben. Das Ministerratsprotokoll vom Mai 1972 weist eindeutig aus, dass die seit 1950 über den Beethoven-Fries verhängte Ausfuhrsperre in ursächlichem und engem Zusammenhang mit dem Ankauf stand.

Das Aktenmaterial des Bundesdenkmalamtes und der Finanzprokuratur beweist mit einer bis heute erschütternden Deutlichkeit, dass über 20 Jahre versucht wurde, Erich Lederer den Fries abzupressen. Zuletzt wurde sein Ausfuhrantrag (der dem Verkauf unmittelbar vorausging) über ministerielle Weisung auch noch liegen gelassen, damit sich die Republik Österreich eine günstige Verhandlungsposition wahrt.

Offenkundig hat sich der Kunstrückgabe-Beirat von den in der Öffentlichkeit mehrfach laut gewordenen Stimmen beeinflussen lassen. Der Beirat ist somit bei dieser Empfehlung seinen eigenen Kriterien (die er in vielen Empfehlungen der vergangenen Jahre aufgestellt und auch befolgt hat) nicht gerecht geworden.

Da aber das Verfahren des Beirats ein Geheimverfahren ist, kann man von außen nicht beurteilen, welche Grundlagen überhaupt zur Entscheidungsfindung herbeigezogen wurden. Der Fall beweist aufs Neue, dass die dem Beirat zur Verfügung stehenden Dossiers der Kommission für Provenienzforschung öffentlich zugänglich gemacht werden müssen.

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