- 05.03.2015, 18:00:32
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BELVEDERE: AKTUELL RESTAURIERT. Das Fastentuch-Fragment des Thomas von Villach
Wien (OTS) - Eine kostbare Textilie aus Privatbesitz bereichert seit
2009 die Mittelaltersammlung des Belvedere. Die sehr qualitätsvolle
und bislang unbekannte Tüchleinmalerei auf Leinwand lässt sich
eindeutig einem spätgotischen Fastentuch zuordnen. Unter dem Titel
"AKTUELL RESTAURIERT. Das Fastentuch-Fragment des Thomas von Villach"
ist das neu entdeckte Werk vom 6. März bis zum 25. Mai 2015 im
Schaudepot des Schatzhauses Mittelalter im Prunkstall des Unteren
Belvedere für Besucher zugänglich. Dargestellt sind Szenen aus dem
Alten Testament: die Mannalese, das Quellwunder Mose, die Eherne
Schlange, der Tanz um das Goldene Kalb, die Gesetzesübergabe an Moses
sowie die Bestrafung der Israeliten durch Moses. Der Gebrauch von
Fastentüchern ist seit über tausend Jahren dokumentiert. Sie
verhüllten während der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern
vielerorts Chorräume, Altäre, Kreuze oder auch Kultbilder. Bemalte
Exemplare sind allerdings erst ab dem frühen 15. Jahrhundert in
Mitteleuropa und hier vor allem im Alpenraum erhalten. Das um 1470/80
datierbare Fragment reiht sich in diese Tradition ein.
"Es ist mir eine große Freude, das Fastentuch-Fragment des Thomas von
Villach nun in der Ausstellungsreihe AKTUELL RESTAURIERT im
Schaudepot der Mittelaltersammlung im Prunkstall präsentieren zu
können, in deren Betrachtungszentrum somit erstmals ein Werk der
Textilkunst steht", so Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco.
"Außerdem werden die beiden aus Privatbesitz stammenden Tafelbilder
aus St. Peter bei Salzburg, die bislang noch nie in Wien zu sehen
waren, nach der Ausstellung dauerhaft im Belvedere bleiben. Bisher
wurden aus unserer Mittelaltersammlung keine Arbeiten des Thomas von
Villach gezeigt, umso erfreulicher ist es daher, dass dieser wichtige
Meister nun mit drei Werken in der Sammlung vertreten ist", so Agnes
Husslein-Arco weiter.
"Ein besonderes Anliegen dieser Ausstellung ist, den Besucherinnen
und Besuchern auch die Funktion und Bedeutung von mittelalterlichen
Fastentüchern zu veranschaulichen, die sich vor allem im
österreichischen und Schweizer Alpenraum - von der Steiermark über
Kärnten und Tirol bis Graubünden - in ungewöhnlicher Dichte erhalten
haben", erläutert Kuratorin Veronika Pirker-Aurenhammer.
Der Gebrauch von Fastentüchern ist seit über tausend Jahren
vielerorts und in verschiedenen Ausformungen belegt. Ursprünglich
wurden schlichte weiße oder graue Leinenstoffe als Fastentücher
verwendet. Erst mit der weiteren Verbreitung des Brauchs nutzte man
auch farblich gefasste Textilien und in weiterer Folge Tücher mit
bildlicher Ausgestaltung.
Die Restaurierung der wertvollen Tüchleinmalerei
Das sehr schadhafte und verblasste Tuch war zum Zeitpunkt des Ankaufs
von Sporen des Hausschwamms verseucht, sodass sofort gehandelt werden
musste: Die Abegg-Stiftung in Riggisberg bei Bern, eine weltweit
führende Institution für die Erforschung und Bewahrung historischer
Textilien, übernahm das akut gefährdete Objekt zur Untersuchung und
Restaurierung.
Das glücklicherweise vor dem Verfall gerettete Werk wird passend zur
Fastenzeit in der Ausstellungsreihe AKTUELL RESTAURIERT der
Mittelaltersammlung präsentiert. Dazu erscheint eine
wissenschaftliche Begleitpublikation in Kooperation mit der
Abegg-Stiftung.
Die Ausstellung "AKTUELL RESTAURIERT. Das Fastentuch-Fragment des
Thomas von Villach" ist vom 6. März bis 25. Mai 2015 im Schaudepot
Schatzhaus Mittelalter im Prunkstall des Unteren Belvedere zu sehen.
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