- 05.03.2015, 17:53:51
- /
- OTS0241 OTW0241
Was Frauenherzen schwach werden lässt…
Herz-Kreislauferkrankungen – das Neueste zum großen Unterschied zwischen Frauen und Männern vom 17. Kardiologie-Kongress Innsbruck

Utl.: Herz-Kreislauferkrankungen – das Neueste zum großen
Unterschied zwischen Frauen und Männern vom 17.
Kardiologie-Kongress Innsbruck =
Innsbruck (OTS) - Wie können Lebensqualität und Überleben von
Menschen, die an Herz-Kreislauferkrankungen leiden, in Zukunft
verbessert werden? Unterschiede zwischen Mann und Frau spielen dabei
in der Kardiologie eine immer wichtigere Rolle. Der 17.
Kardiologie-Kongress Innsbruck unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr.
Wolfgang-Michael Franz, der vom 5. bis 7. März führende Kardiologen
in den Congress der Tiroler Landeshauptstadt bringt, widmet diesem
Thema einen kompetenten Schwerpunkt. Im Rahmen eines Pressegespräches
am Donnerstag, 5. März, informierten Univ.-Prof. Dr. Wolfgang-Michael
Franz, Dir. der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und
Angiologie, Innsbruck, Prof. Dr. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek,
Institut für Geschlechterforschung in der Medizin (GIM), Charité
Universitätsmedizin Berlin, Univ. Doz. Dr. Andrea
Podczeck-Schweighofer, 5. Medizinische Abteilung mit Kardiologie,
Sozialmedizinisches Zentrum Süd - Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien,
Univ. Prof. Dr. Margarethe Hochleitner, Innsbruck und Univ. Prof. Dr.
Guy Friedrich, Kardiologie, Univ. Klinik für Innere Medizin III,
Innsbruck über dieses hochinteressante Thema in der Medizin.
Frauenherzen schlagen anders. Das bedeutet auch, dass Frauen im
Vergleich zur gängigen Volksmeinung im Vergleich zu Männern deutlich
häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen leiden. So bestätigte die
Statistik Austria, dass im Jahr 2013 mit einem Anteil von 47,7 %
Frauen sogar deutlich mehr an einer Herz-Kreislauferkrankung sprich
Herzversagen verstarben als Männer. Insgesamt gingen 2013 in
Österreich 34.101 Todesfälle auf das Konto von Herzerkrankungen, das
sind 42,9 % aller Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen.
Der Eindruck, Frauen sterben häufiger an Tumoren entspricht also
nicht der Wirklichkeit. Frauen sterben vorwiegend an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auch Prof. Dr. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek bestätigt mit ihrer
neuesten Forschung diese Erkenntnisse. Der Herzinfarkt ist keineswegs
eine reine "Männerkrankheit". Frauen erliegen derzeit etwa gleich oft
einem Herzinfarkt wie Männer. Häufig bleiben Herzinfarkte bei Frauen
vorerst unentdeckt, weil weder Frauen noch die behandelnden Ärzte
nach der Symptombeschreibung mit einem Infarkt rechnen. Das ist auch
der Grund, warum Frauen oft die adäquate Behandlung in einer
Notfallsituation nicht schnell genug erhalten. Dadurch kommen Frauen
oft später ins Krankenhaus als Männer oder im schlimmsten Fall gar
nicht. Wichtig ist, dass Frauen oft gar nicht auf die Idee kommen,
dass ihnen ein Infarkt drohen könnte. Das Risiko wird meistens
unterschätzt. Frauen erleiden einen Infarkt meist erst nach der
Menopause, zuvor sind sie durch die weiblichen Sexualhormone
geschützt.
Diesen natürlichen Schutzmechanismus aus der Genderforschung macht
man sich jetzt erstmals zunutze, um neue Medikamente gegen
Herzrhythmusstörungen zu entwickeln. Unter dem Einfluss von Östrogen
entwickeln beispielsweise weibliche Mäuse normalerweise einen
Schutzfaktor, der die Weibchen vor Arhythmien schützt. Verabreicht
man die isolierte Substanz auch Männchen, sind auch diese im
Tierversuch geschützt. Prof. Dr. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek
erwartet, dass es in rund fünf Jahren bereits die ersten Medikamente
im Einsatz gegen Herzrhythmusstörungen gibt.
Einen weiteren Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt es in der
Verwendung von Arzneimitteln. Neueste Forschungsergebnisse
bestätigen, dass nicht nur biologische Faktoren einen Einfluss auf
die Gesundheit haben. Darüber hinaus spielt Gender als
soziokulturelle Dimension von Geschlechterunterschieden, in der
Arzneimittelwirkung eine Rolle. Frauen und Männer nehmen Arzneimittel
anders ein. Ihre Compliance ist unterschiedlich, denn sie nehmen
unterschiedlich viele, möglicherweise interagierende,
freiverkäufliche Medikamente zu den verschriebenen Arzneimitteln ein.
Univ. Prof. Dr. Podczeck-Schweighofer ortet gewisse
Geschlechterunterschiede in der Therapie von Herz-Rhythmusstörungen
und dem Hauptproblem der Rhythmusstörungen, dem Vorhofflimmern. "Mir
erscheint wichtig, dass Frauen, besonders ältere Frauen, bei
Vorhofflimmern oft untertherapiert und zu wenig den Guidelines
entsprechend behandelt werden. Dahinter steht vermutlich die Angst
vor möglichen Komplikationen," sagt Podczeck-Schweighofer. Richtig
wäre, hier mehr blutverdünnende Medikamente einzusetzen, da gerade
bei älteren Frauen mit Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko
besonders hoch ist.
Univ. Prof. Dr. Guy Friedrich berichtete über die neuesten
Erkenntnisse auf dem Gebiet der minimalinvasiven
Herzklappen-Operation. Erstmals in der Geschichte der Kardiologie ist
eine neue Operationsmethode gleichermaßen gut an Frauen und Männern
untersucht. Vor wenigen Jahren gelang der Durchbruch bei
minimalinvasiven Herzklappenoperationen mit kleineren Klappen, die
auch durch die deutlich kleineren Gefäße von Frauen durch die Leiste
eingeführt werden können. Erste Langzeitergebnisse zeigen jetzt, dass
Frauen von dieser neuen Operationsmethode sogar mehr profitieren als
Männer.
Resümierend stellt die Vorreiterin der Gendermedizin in Österreich,
Univ. Prof. Dr. Margarethe Hochleitner, fest: "Man kann sagen, die
Geschlechtsunterschiede in der Kardiologie waren die Grundlagen für
die Gendermedizin. Inzwischen gibt es wesentlich mehr evidenzbasierte
Untersuchungen zugunsten der Frauen. Allerdings versterben noch immer
mehr Frauen an Herzinfarkt. Frauen fürchten, an Krebs zu sterben und
vergessen auf die Herz-Vorsorge. Stattdessen sterben sie an
Herzversagen - dieses Risikos sollten sie sich bewusst sein und vor
allem in der Vorsorge berücksichtigen." Ein einfaches CT zeigt, ob
Herzkranzgefäße verkalkt sind. Außerdem sollte man die Halsschlagader
"anschauen lassen" auf Arteriosklerose. Unbedingt Herz-Vorsorge
betreiben soll, wer folgende Risikofaktoren hat: erbliche Belastung,
hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und hohes Cholesterin.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF






