- 05.03.2015, 12:29:21
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Stöger/Kainz: Weltraumnation Österreich: TU Graz holt ESA-Satellitenprojekt in die Steiermark
ESA-Mission "OPS-SAT" startet 2017 und testet als "Labor im All" neue Weltraumtechnologien; TUGSAT-1 liefert sensationelle Ergebnisse an die TU Graz-Bodenstation
Utl.: ESA-Mission "OPS-SAT" startet 2017 und testet als "Labor im
All" neue Weltraumtechnologien; TUGSAT-1 liefert sensationelle
Ergebnisse an die TU Graz-Bodenstation =
Wien (OTS/BMVIT) - Die TU Graz hat von der europäischen
Weltraumorganisation ESA den Zuschlag für ein 2,4 Millionen schweres
Nanosatellitenprojekt bekommen und wird die Mission "OPS-SAT"
federführend leiten. Das international einmalige Projekt stärkt
gemeinsam mit dem zweiten Geburtstag der beiden überaus erfolgreichen
ersten rot-weiß-roten Satelliten im All, TUGSAT-1 und UniBRITE, die
Position Österreichs als anerkannte Weltraumnation. Missionsziel von
OPS-SAT ist der risikoarme Test von "Weltraumsoftware" direkt im
orbitalen Flug - bislang aus Gründen der Zuverlässigkeit ein Tabu im
Satellitenbetrieb. OPS-SAT ist die erste Nanosatellitenmission der
ESA und soll 2017 ins All starten.
Mit dem Zuschlag für das 2,4 Millionen Euro schwere
Nanosatellitenprojekt "OPS-SAT" an die TU Graz ist Österreichs
Position als Weltraumnation weiter gestärkt. Nach dem Start der
beiden ersten rot-weiß-roten Satelliten TUGSAT-1 und UniBRITE, die
beide ihre Mission bereits erfüllt haben und ein großer Erfolg sind,
wird 2017 OPS-SAT ins All starten, wie Weltraumminister Alois Stöger,
TU Graz-Rektor Harald Kainz und Harald Posch, Vorsitzender des Rates
der Europäischen Weltraumorganisation ESA, heute, Donnerstag,
gemeinsam bekannt gaben. Die TU Graz leitet das Projekt federführend
mit sieben internationalen Partnern, darunter die österreichischen
Unternehmen Magna Steyr Engineering und Unitel.
Österreich ist im Weltraum auf Erfolgskurs
Weltraumminister Alois Stöger ist stolz auf die Bedeutung
Österreichs als Weltraumnation: "Wir sind international anerkannt und
unsere Beiträge werden hochgeschätzt. Unsere heimischen Technologien
haben einen exzellenten Ruf und mittlerweile gibt es kaum mehr eine
Mission der NASA oder ESA, die ohne Technik und Know-How aus
österreichischen Bildungseinrichtungen, Instituten und Unternehmen
durchgeführt wird." Das BMVIT investiert jährlich rund 65 Millionen
Euro im Bereich der Weltraumtechnologien und der Weltraumforschung.
Bundesminister Alois Stöger: "Wer im Bereich des Weltraums besteht,
befindet sich im absoluten Spitzenfeld der Forschung. Auch als
Industriesektor wird die Weltraumtechnik immer stärker und ist
wichtiger Motor für Wirtschaft und Beschäftigung: Es gibt in
Österreich mittlerweile über 50 Raumfahrtunternehmen, die über 1000
Arbeitsplätze sichern und von denen viele KMU als Zulieferbetriebe
profitieren. Österreich ist im Weltraum auf Erfolgskurs."
Ideenwettbewerb für einen neuen österreichischen
Nanosatelliten
Das BMVIT hat einen Ideenwettbewerb zur Entwicklung eines neuen
Nanosatelliten gestartet. Das beste Projekt wird vom BMVIT die
Entwicklung, den Bau und den Start des Satelliten finanziert
bekommen. "Damit wollen wir einerseits Kooperationen zwischen
Universitäten, Fachhochschulen und unseren Weltraumunternehmen
fördern und andererseits die Kreativität des österreichischen
Forschungsnachwuchses anregen und damit auch die Innovationskraft
stärken", so Weltraumminister Stöger, dem die Förderung junger
Forscherinnen und Forscher besonders am Herzen liegt. "Schließlich
braucht Österreich auch in Zukunft exzellente Köpfe in der Forschung
um sich in der Spitzengruppe der Forschungsnationen behaupten zu
können", betont Stöger den Ausbildungseffekt des Ideenwettbewerbs.
Für FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner ist der Launch der
BRITE-Satelliten zweifellos ein historisches Ereignis und ein Erfolg
für Österreich. "Denn nicht zuletzt deshalb ist Österreich im
Weltraumthema mittendrin statt nur dabei. Das Medium "Space"
fasziniert aber auch Alt und Jung und macht neugierig auf
Wissenschaft, Forschung, Technik und Mathematik. Und das wiederum
lässt hoffen, dass viele junge Menschen sich für ein Studium in einem
MINT-Fach entscheiden und später als Top-Fachkräfte reüssieren und
Erfolge einfahren."
Harald Posch, Vorsitzender des Rates der Europäischen
Weltraumorganisation ESA bestätigt, dass auf europäischer Ebene im
Rahmen der ESA ergänzend zu wissenschaftlichen Großprojekten
verstärkt Initiativen im Bereich von Kleinsatelliten gestartet
werden. "Dabei kann Österreich aufgrund seiner Expertise sehr gut
seiner Rolle als anerkannter Mitgliedsstaat gerecht werden. Diese
Initiativen dienen sowohl der Ausbildung, der
Technologiedemonstration aber auch wichtigen wissenschaftlichen
Missionen. Und gerade Cube-Satelliten sind vor allem für junge
Studierende eine gute Gelegenheit, Hands-On-Erfahrungen beim Bau von
Weltraumobjekten zu sammeln."
Graz: International sichtbares Zentrum der Weltraumforschung
Harald Kainz, Rektor der TU Graz, zeigt sich hocherfreut über die
Erfolge seiner Universität im All: "Das Team der TU Graz rund um
"Satellitenvater" Otto Koudelka hat mit TUGSAT-1 den ersten
österreichischen Satelliten ins All geschickt, der seit zwei Jahren
hervorragende Arbeit leistet. Die ESA nimmt diesen Erfolg zum Anlass,
mit OPS-SAT das nächste, hochkarätige Nanosatellitenprojekt in die
Hände der TU Graz zu legen." Zum Erfolg der Weltraum-Uni TU Graz
trägt auch die enge Vernetzung mit den großen nationalen Playern
sowie die lokale Infrastruktur bei. Rektor Harald Kainz: "Wir
arbeiten sehr eng mit dem Institut für Weltraumforschung der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften zusammen, haben mit dem
Observatorium Lustbühel eine international anerkannte Messstation für
Weltraumprojekte aller Art, betreiben am Campus der TU Graz die
Bodenstation für die ebenfalls internationale Satellitenmission BRITE
und haben österreichische Pioniere der Weltraumforschung wie
Willibald Riedler, Hans Sünkel und Wolfgang Baumjohann im Lande.
Österreich, insbesondere Graz, ist heute zweifelsfrei ein
international sichtbares Zentrum der Weltraumforschung".
OPS-Sat: ESA-Testfeld für neue Weltraumtechnologien
Die ESA will neue Weltraumtechnologien entwickeln und testen. Otto
Koudelka, Leiter des Instituts für Kommunikationsnetze und
Satellitenkommunikation der TU Graz, schildert: "Derzeit herrschen im
Satellitengeschäft Kommunikationsstandards aus dem Jahr 1984. Die
IT-Infrastruktur ist nicht viel jünger: Die Prozessoren in der
Weltraumtechnik sind praktisch steinalt, der leistungsfähigste
Prozessor im All ist ein 486-Prozessor aus den 1990er Jahren. Es wird
höchste Zeit für etwas Neues." Die in die Jahre gekommenen
Technologien haben aber auch ihre Daseinsberechtigung: Aus Gründen
der Zuverlässigkeit setzt die ESA ebenso wie andere
Weltraumorganisationen auf Bewährtes, geht sozusagen auf Nummer
sicher. In-Orbit Tests von Weltraumsoftware waren bislang absolut
Tabu. Der Kleinsatellit OPS-Sat wird unter der Federführung von Otto
Koudelka und seinem Team der TU Graz als "Labor im All" neue
operationelle Konzepte der ESA im Flug validieren. "Das Ziel der
Mission ist es, neue leistungsfähige Prozessoren, Funkempfänger und
Weltraum-Software unter realen Weltraumbedingungen risikoarm zu
testen. Eine zur Erde gerichtete Kamera ist ebenfalls mit an Bord,
außerdem steht die erste Datenübertragung eines Nanosatelliten via
Licht am Plan, und zwar zwischen OPS-Sat und dem Observatorium
Lustbühel in Graz", erklärt Otto Koudelka.
TUGSAT-1 übertrifft alle Erwartungen
Während OPS-Sat gerade an der TU Graz gebaut wird, hat Österreichs
erster Satellit im All, der TUGSAT-1, die Erde bislang bereits mehr
als 10.000 Mal umrundet und dabei über 450 Millionen Kilometer
zurückgelegt. Er hat damit die spezifischen wissenschaftlichen
Anforderungen an die Mission nach zwei Jahren im Orbit bereits
erfüllt. TUGSAT-1 ist Teil der BRITE-Mission, die fünf Nanosatelliten
aus Österreich, Polen und Kanada umfasst und sich als weltweit erste
Nanosatellitenkonstellation einer wissenschaftlichen Fragestellung
widmet. Am 25. Februar 2013 war TUGSAT-1 gemeinsam mit seinem Wiener
Schwestersatelliten UniBRITE mit einer indischen Rakete gestartet, um
Daten über Helligkeitssschwankungen bestimmter Sternbilder zu
sammeln. Der Grazer Satellit wurde als erstes von der Trägerrakete
losgelöst und ist damit der erste rot-weiß-rote Satellit im All. "Die
wissenschaftlichen Anforderungen an die Mission sind bereits erfüllt.
Das Ziel war, TUGSAT-1 zwei Jahre als Datensammler und -lieferanten
im Orbit zu betreiben. Nach derzeitigem Stand werden es vier Jahre.
Danach wird uns die Auswertung der wertvollen Daten auf Trab halten",
ist Otto Koudelka zufrieden.
Von Orion bis Centaurus
Im Fokus der BRITE-Mission, BRITE steht für "Bright Target
Explorer", stehen massereiche Sterne. Diese etwa 300 sehr hellen
Sterne sind von der Erde aus mit freiem Auge sichtbar, bislang aber
ein noch zu weiten Teilen ungelöstes Rätsel. "Das feine Pulsieren der
Sterne erlaubt Rückschlüsse auf ihren Aufbau, ihre chemische
Zusammensetzung und ihr Alter. Nach vollständiger Auswertung der
Messergebnisse erwarten wir uns neue Erkenntnisse über die Rotation
und die inneren chemischen Vorgänge der leuchtenden Himmelskörper, um
die Theorien über die Entstehung dieser Sterne und letztlich unseres
Universums zu verbessern", erläutert Otto Koudelka. Plangemäß hat
TUGSAT-1 bisher die Helligkeitsschwankungen der Sternfelder Orion,
Centaurus und Perseus aufgezeichnet; aktuell ist Vela Pupis im
Visier.
Studierende mit Schlüsselrolle
Der wissenschaftliche Nachwuchs spielt im Team rund um Otto Koudelka
eine entscheidende Rolle. Aus der TUGSAT-1 Mission sind an der TU
Graz schon bisher drei Dissertationen, acht Masterarbeiten und
zahlreiche detaillierte wissenschaftliche Publikationen
hervorgegangen. Auch beim Folgeprojekt OPS-SAT sind Studierende in
alle Phasen - von der Konzeption und dem Bau über den Test bis zum
Betrieb der Satelliten - intensiv eingebunden und spielen im
Management der komplexen Weltraumprojekte eine unverzichtbare Rolle.
Manuela Unterberger, Doktorandin am Institut für Kommunikationsnetze
und Satellitenkommunikation der TU Graz, war bereits bei der im
Jänner 2014 abgeschlossenen Designstudie zu OPS-Sat mit an Bord.
Gemeinsam mit weiteren Nachwuchs-Forscherinnen und -Forschern der TU
Graz ist sie Teil des OPS-SAT-Kernteams, das für das Gesamtdesign der
Mission, die Projektkoordination und den Prozessor an Bord von
OPS-SAT verantwortlich ist. Schon im Vorgängerprojekt TUGSAT-1 war
Manuela Unterberger mittendrin statt nur dabei, anfangs als
Diplomandin, später auch im Zuge ihrer Dissertation. "Ich habe
TUGSAT-1 von den ersten Tests bei uns am Institut bis zum Start vor
Ort in Indien betreut. Besonders in der wochenlangen, sehr heiklen
Kommissionierungsphase nach dem Start habe ich die ein oder andere
Nachtschicht im Kontrollzentrum unserer Bodenstation verbracht",
schmunzelt die Wissenschafterin. "Dieses "Baby" haben wir erfolgreich
großgezogen, und ich freue mich sehr, dass es mit OPS-Sat nun eine
Nummer größer und internationaler weiter geht. Es ist schon sehr
besonders, bereits als Doktorandin derart intensiv in internationale
Satellitenprojekte eingebunden zu sein und seine Arbeit tatsächlich
im Weltraum zu wissen".
Nanosatelliten boomen international
Die Kosten des BRITE Austria-Beitrags belaufen sich seit 2006 auf
2,2 Millionen Euro, geteilt zwischen der TU Graz und der Uni Wien,
die mit UniBRITE ebenfalls einen Nanosatelliten im All hat. Otto
Koudelka veranschaulicht: "Eine klassische Satellitenmission schlägt
mit mehreren 100 Millionen Euro zu Buche, eine Nanosatellitenmission
wie BRITE ist deutlich kostengünstiger und auch rascher umsetzbar".
Das ist mit ein Grund, warum der internationale Nanosatellitenmarkt
derzeit boomt: Die Industrie und Weltraumagenturen wie die NASA, die
ESA oder die japanische JAXA, sind ebenso wie Forschungsinstitutionen
hoch aktiv am Kleinsatellitensektor. Mehr als 200 Nanosatelliten sind
bereits gestartet, bis 2020 werden rund 2000 weitere folgen. "Bisher
fanden Nanosatelliten "nur" in der Ausbildung von Studierenden
Anwendung. In den vergangenen Jahren gab es einen deutlichen
Paradigmenwechsel in der Weltraumbranche: Sie hat nicht zuletzt dank
der BRITE-Mission erkannt, dass Kleinsatelliten eine interessante
Möglichkeit sind, rasch und kostengünstig neue Technologien und
Verfahren im All zu testen", folgert Koudelka.
Gleich zwei der fünf "Fields of Expertise" genannten
Forschungsschwerpunkte der TU Graz finden sich in den Projekten
OPS-Sat und TUGSAT-1- Projekt vereint: Information, Communication &
Computing und Mobility & Production.
Weitere Informationen zu OPS-SAT auf der ESA-Website:
http://www.esa.int/Our_Activities/Operations/OPS-SAT
Weitere Informationen zu TUGSAT-1: http://www.tugsat.tugraz.at/
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