Wiener Zeitung – Leitartikel von Reinhard Göweil: „Jetzt geht auch der Wein aus“

Ausgabe vom 4. März 2015

Wien (OTS) - Bei der Hypo wird vorerst einmal nichts bezahlt. Bei den Volksbanken befinden sich manche Funktionäre so tief in der Vergangenheit, dass sie nicht kapieren, einer Lösung zugestimmt zu haben, die sie vor der Pleite bewahrt. Österreichs Schuldscheine haben erstmals Negativzinsen, man muss bezahlen, um Schulden zu kaufen.

Bei der Wirtschaftskammer-Wahl gibt es ein Endergebnis, das bei jeder Fraktion anders ausschaut, ohne dass sich bei den Mandaten etwas ändert. Bei der OMV könnte der Nachfolger des von der alten ÖIAG abmontierten Generaldirektors Gerhard Roiss Gerhard Roiss heißen.

Das männliche Glied (erigierter Zustand) ist durchschnittlich 13,12 Zentimeter lang. Bill Gates tut ununterbrochen Gutes und wird trotzdem immer reicher dabei (aktuell 79,2 Milliarden Dollar). Die Lehrer werden den Bundesländern übergeben, Michael Spindelegger entfesselt die Ukraine.

Der im Paradoxon geübte Österreicher versucht erst gar nicht, Dinge zu verstehen, die ohnehin kein normaler Mensch verstehen kann. Er greift routiniert zum Glaserl Wein, ganz im Leitl'schen Sinne. Der Wirt ersetzt den Therapeuten.

Und nun das: Die Weinernte 2014 liegt bei zwei Millionen Hektoliter und damit spürbare 25 Prozent unter dem Inlandsverbrauch.

Nun wird wegen der Witterung im Herbst 2014 ein schöner Teil des 2014er-Weines keine Ablenkung von den mannigfaltigen Unverständlichkeiten der Welt bieten. Es empfiehlt sich, die deutlich gehaltvolleren Jahrgänge 2011 und 2012 zu plündern,

Aber wird das reichen? Auch die hinter uns liegenden Jahre haben einige Kuriositäten geboten. Allein dafür ist in Gast-, Wohn- und Kellerstuben etliches dieser Jahrgänge bereits weggesoffen - nein, wegtherapiert worden.

Der einzige Ausweg, der sich angesichts der Fülle an Fährnissen bietet, lautet: ausländischen Wein trinken. Pinot Grigio statt Grüner Veltliner, französischer Landwein statt Blaufränkisch. Die Griechen wären dankbar, wenn sich angesichts der aktuellen Nachrichtenlage der Retsina-Absatz erhöhen würde, aber der schmeckt halt nördlich der Alpen schon irgendwie anders.

Angesichts der niedrigen Weinernte und der unverändert kuriosen Welt bleibt uns daher nichts anderes übrig, als Wirtschaftskammer-Präsident Leitl zu bitten, seinen "Wirt-ersetzt-Psychiater"-Sager noch einmal zu überdenken.

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