- 03.03.2015, 16:38:12
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BELVEDERE: Regina Ploner erhält das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
Wien (OTS) - Heute, Dienstag, 3. März 2015, wurde Regina Ploner mit
dem Großen Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich
ausgezeichnet. 2014 hatte die Witwe von Heinz Ploner - der eine
herausragende Werkschau zeitgenössischer österreichischer Kunst
zusammengestellt hatte - einen Großteil dieser Sammlung dem Belvedere
vermacht. Jene Kunstwerke, vornehmlich aus der Gattung der Malerei,
aber auch Fotografie und Installation, komplettieren und erweitern
den Bestand des Belvedere. Im Zusammenhang mit der großzügigen
Schenkung wird vom 8. Juli bis 27. September 2015 in der Orangerie
des Unteren Belvedere ein repräsentativer Querschnitt aus der
Sammlung gezeigt.
"Für das Belvedere ist diese Schenkung, die 109 Werke umfasst, eine
wahre Bereicherung, deren Wert wohl erst die kommenden Generationen
richtig zu erfassen im Stande sein werden. Auf einen Schlag sind
insbesondere die Vertreter der 'Neuen Wilden' wie Erwin Bohatsch,
Herbert Brandl, Gunter Damisch, Hubert Scheibl und Otto Zitko mit
repräsentativen Werkblöcken in der Sammlung des Belvedere vertreten
und decken damit ein bedeutendes Kapitel innerhalb der jüngeren
österreichischen Kunstgeschichte in den Beständen des Hauses
weitestgehend ab", so Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere
und des 21er Haus. "Hinzu kommen etwa mit Maja Vukoje und Zenita
Komad jüngere Positionen, die einen weiterführenden Diskurs mit der
nachfolgenden heimischen Künstlergeneration, der auch andere Medien
der zeitgenössischen Kunst thematisiert, gewährleistet", so Agnes
Husslein-Arco weiter.
Zwei Jahre nach dem Tod Heinz Ploners 2011 begann sich Regina Ploner,
mit der Sammlung ihres Mannes auseinanderzusetzen. "Künstler haben
ein Recht, durch ihre Werke mit den Betrachtern zu kommunizieren, und
das sollten möglichst viele sein", beschreibt Regina Ploner ihr
Grundverständnis im Umgang mit Kunst. Mit der Schenkung an das
Belvedere, an das Universalmuseum Joanneum und an die Albertina
konnten die Werke in bestmöglicher Weise untergebracht und dem
Sammler Dr. Heinz Ploner ein fortwährendes Denkmal gesetzt werden.
Regina Ploner folgt damit dem Wunsch ihres Mannes, die Kunstwerke der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen und lebendig zu erhalten und
zugleich ein Stück österreichische Sammlergeschichte zu
transportieren. "Den Sammlungsaufbau meines Mannes habe ich ganz
bewusst nicht beeinflusst. Sie war und ist seine Sammlung und trägt
seine Handschrift. Mir ist auch wichtig, klarzustellen, dass ich nie
eine Sammlerin war und auch heute keine bin", betont Regina Ploner.
"Es ist jedoch eine große Freude und eine schöne, aber auch
verantwortungsvolle Aufgabe, sich dieser Sammlungs- und
Sammlergeschichte zu widmen", so Heinz Ploners Witwe weiter.
Die Sammlung
Um das Jahr 1995 begann der gebürtige Gmundner Heinz Ploner
(1952-2011), sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Er widmete sich
zunächst ganz der Malerei in Österreich. Der Kunst seiner eigenen
Generation wollte er näherkommen, das war sein erklärtes Ziel. Sie
sollte der Erweiterung seines eigenen Erfahrungshorizontes dienen.
Als die Sammlung dann kontinuierlich wuchs, kam neben dem Interesse
an den gedanklichen Prozessen, die der Malerei der 1970er-, 1980er-
und vor allem 1990er-Jahre zugrunde liegen, auch die Lust am
Organisieren von Ausstellungen auf. Der Kunstraum, den Ploner
einrichtete, zeigte u. a. die Maler Bohatsch, Scheibl und Brandl und
war ein Ort der Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Malerei,
die Ploner am liebsten anhand großer Werkblöcke von Einzelpersonen
präsentierte. In Deutschland hatte die Malerei der Neuen Wilden, eine
Strömung neuer gegenständlicher Malerei in den späten 1980er-Jahren,
eine eigene Position gegen den etablierten Kunstbetrieb eingenommen.
Die Künstler verfolgten keine Utopie, sondern orientierten sich
radikal an der Gegenwart. In Österreich entwickelte sich eine
gegenstandslose Malerei mit einer anderen mehr experimentierfreudigen
Haltung, die von der Ernüchterung in der Folge unerfüllter
Utopievorstellungen der Kunst herrührte. Die Maler konzentrierten
sich ganz auf die Leinwand als Spielfeld neuer Seherfahrungen und
Lesarten jenseits jeglicher Bilderzählung. Die Sammlung Ploner
vereint einige wesentliche Positionen jener gegenstandslosen Malerei
und zeigt die Entwicklung bis in die Jahre um den Jahrtausendwechsel.
"Sammeln ist für mich Abenteuer und Erlebnis in einem sehr
umfassenden Sinn. Es geht weit über die beiden Begriffe 'Entdecken'
und 'Besitzen' hinaus. Ausschlaggebend sind für mich auch das
'Verstehen' (der Kunstwerke und Intentionen der Künstler), das
Mitverfolgen von Entwicklungen, die Faszination an der totalen
Individualität der Künstlerpersönlichkeiten, das Erfassen eines
übergeordneten Kontextes und natürlich auch gemeinsame Erlebnisse
bzw. der Dialog mit den Künstlern. Sammeln formiert sich dadurch für
mich zu einem Gesamterlebnis, einem 'Gesamtsound', wenn man so will.
Dazu gehört eben auch die Bereitschaft, Abenteuer oder
Abenteuerliches zu erleben", so Heinz Ploner.
Bildmaterial finden Sie unter:
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