- 02.03.2015, 14:42:48
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„Beinahe zu spät“ – Ein Film zur Diabetes-Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen
Wien (OTS) - Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste
Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Jedes dritte
Kind kommt "beinahe zu spät" mit einer schweren
Stoffwechselentgleisung - der diabetischen Ketoazidose - in ärztliche
Betreuung. Um junge Menschen und alle, die sich um sie sorgen, auf
die typischen Signale aufmerksam zu machen, wurde von der
Kinderdiabetologin OÄ Dr. Andrea Jäger ein Kurzfilm zur
Diabetes-Früherkennung produziert. Die Premiere findet am 19. März
2015 statt. Ab dem 20. März steht der Film kostenlos unter
www.typ1diabetes.at zur Verfügung.
Aktuell sind rund 1.550 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in
Österreich an Diabetes mellitus Typ 1 (DMT1) erkrankt, jährlich gibt
es in dieser Altersgruppe rund 250-300 Neuerkrankungen. Die Zahl der
Betroffenen unter 15 Jahren hat sich in Österreich in den letzten
zehn Jahren verdoppelt. DMT1 liegt ein absoluter Insulinmangel zu
Grunde, lebenslange Insulingaben sind daher unerlässlich.
Die diabetische Ketoazidose
Jedes dritte Kind oder Jugendliche(r) kommt bereits mit einer
schweren Stoffwechselentgleisung, der sogenannten diabetischen
Ketoazidose (DKA), und somit zu spät ins Krankenhaus. DKA ist eine
schwere Stoffwechselentgleisung. Bei unzureichender oder später
Behandlung ist die diabetische Ketoazidose lebensgefährlich!
Symptome als deutliche Warnsignale
Rechtzeitiges Erkennen der Symptome kann diese schwere
Stoffwechselentgleisung verhindern. Der DKA gehen typische Zeichen
voran: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme,
Müdigkeit und eine schlechtere Sehleistung. Betroffene Kinder zeigen
oft schon Wochen vor der Diagnose diese typischen Symptome, diese
werden entweder nicht beachtet oder falsch interpretiert.
Diese Symptome sind in der Bevölkerung wenig bekannt, ihre
Dringlichkeit wird selten richtig eingeschätzt. Ein rechtzeitiger
Besuch beim Hausarzt oder Kinderfacharzt könnte die Häufigkeit der
gefährlichen Stoffwechselentgleisung deutlich senken.
Ein Filmprojekt mit betroffenen Kindern
OÄ Dr. Andrea Jäger, Fachärztin für pädiatrische Diabetologie am
Gottfried von Preyer’schen Kinderspital in Wien und der Hobbyfilmer
Gerald Tiefling haben diese Problematik zum Anlass genommen einen
Kurzfilm über Diabetesfrüherkennung zu drehen. Der Film zeigt die
typischen Symptome und vermittelt deren Bedeutung.
Jäger erläutert die Entstehung des Films: "Filmemachen ist unser
Hobby. Als Kinderdiabetologin war es für mich naheliegend einen
Aufklärungsfilm zu drehen, der die typischen Symptome zeigt und die
Gefahr der Ketoazidose vor Augen führt. Ziel ist es, bei Kindern mit
typischen Symptomen rasch den Blutzucker zu messen und damit eine
Entgleisung zu verhindern."
Zwei Aspekte waren Jäger dabei besonders wichtig: Es sollte ein
Spielfilm sein und Kinder aus ihrer Diabetesambulanz sollten
mitspielen. Das Projekt konnte durch die unentgeltliche Mithilfe von
etwa 60 Freiwilligen aus dem Filmklub der Medizinerin verwirklicht
werden.
Unterstützung durch medizinische Fachgesellschaften
Das Filmprojekt wird von der Arbeitsgruppe für pädiatrische
Endokrinologie und Diabetologie (APEDÖ) der Österreichischen
Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) und der
Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) unterstützt. In der ÖGKJ
stößt das Filmprojekt auf breite Akzeptanz: "Uns ist wichtig, dass in
der Früherkennung von DMT1 zukünftig wesentliche Fortschritte erzielt
werden. Diabetes ist nicht ausschließlich eine Erkrankung im
fortgeschrittenen Alter, sondern betrifft zunehmend Kinder und
Jugendliche. Das Bewusstsein für die Erkrankung zu schärfen ist uns
ein wesentliches Anliegen", so Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Sperl,
Präsident der ÖGKJ und Vorstand der Univ. Klinik für Kinder- und
Jugendheilkunde Salzburg.
Ao. Univ.-Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar, MBA, Leiterin der
Diabetesambulanz an der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Wien und Vorstandsmitglied der ÖDG betont: "Die diabetische
Ketoazidose-Rate bei Diabetes mellitus Typ 1 in Österreich ist im
Vergleich zu anderen Ländern in Europa deutlich zu hoch! Innovative
Ansätze sind gefragt, um über das Web 2.0 jene Inhalte zu
transportieren, die zu einer Früherkennung des Diabetes und damit zur
Vermeidung der lebensbedrohlichen DKA führen können."
Ass. Prof. PD OÄ Dr. Sabine Hofer vom Department für Pädiatrie 1 der
Medizinischen Universität Innsbruck und Board Member der
International Society for Paediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD)
ergänzt: "Sowohl die nationale Arbeitsgruppe APEDÖ, wie auch die
ISPAD sind bestrebt, die Rate an schweren und lebensbedrohlichen
Blutzuckerentgleisungen (DKA) zu reduzieren. Bisherige Versuche
zeigten in allen Ländern der Welt nur unzureichenden Erfolg. Durch
den Einsatz neuer Medien sind wir zuversichtlich, Jugendliche besser
erreichen zu können und die genannten Ziele zu verwirklichen."
Filmpremiere unter dem Ehrenschutz der Gesundheitsministerin
Die Filmpremiere "Beinahe zu spät" unter dem Ehrenschutz von
Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser findet am 19. März 2015
um 20:30 Uhr in der Lugner Kino City, Gablenzgasse 1-3, 1150 Wien
statt. Eine Anmeldung auf der Website www.typ1diabetes.at ist für die
Teilnahme an der Premiere erforderlich. Der Film wird nach der
Premiere auf YouTube zur Verfügung gestellt und steht zusätzlich auf
der Website www.typ1diabetes.at zum kostenlosen Abspielen bereit.
Abschließend unterstreicht Projektleiterin Jäger nochmals: "Wir sind
alle sehr stolz auf unseren Film. Jetzt ist es wichtig, dass dieser
möglichst viele Menschen erreicht - Eltern, Kinder und Jugendliche
sowie alle, die Kinder und Jugendliche in Schulen und Kindergärten
betreuen."
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