• 27.02.2015, 14:36:35
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SPÖ-Klubtagung (3) - StadträtInnen präsentieren "Ideen für Wien"

Wien (OTS) - Heute, Freitag, ist die SPÖ-Klubtagung in Rust mit Reden
der SP-Stadträtinnen und Stadträte fortgesetzt worden. Unter dem
Titel "Ideen für Wien" präsentierten sie dabei Vorhaben und Projekte,
welche in Zukunft umgesetzt werden sollen.

Wehsely: Von Zahngesundheit in Schulen über Spitäler bis
Pflegeangebote im Alter

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely stellte ein neues Service für
Kinder vor: Ab dem heurigen Schuljahr würde allen 3- bis 10-Jährigen
ein Zahngesundheits-Programm geboten. Laut Studien habe der Zustand
der Zähne oft mit sozialer Herkunft zu tun, weshalb es notwendig sei,
Zahnhygiene spielerisch und pädagogisch richtig zu lernen. Ein
zweites Projekt betreffe ebenfalls Schulkinder: Ab sofort erhielten
rund 83.000 Schülerinnen und Schüler in allen Wiener Pflichtschulen
einmal pro Woche ein Biofrühstück.

"2020 sollen MedUni und AKH noch näher zusammenrücken", kündigte
Wehsely an. Es gehe ihr dabei um moderne Strukturen und Abläufe. Die
Anzahl der Erstversorgungen in KAV-Spitälern sei um 25 Prozent
gestiegen, aber durch die Umstellung im stationären Bereich im Zuge
des Spitalskonzepts sei der Aufwand gleich geblieben. 45.000 Menschen
sei ein längerer Spitalsaufenthalt erspart geblieben.

Im Bereich Pflege und Betreuung sei das Versprechen eingehalten
worden: Heuer gebe es kein "altes" großes Pflegehaus mehr, dafür 90
einzelne Einrichtungen. Angesichts der Tatsache, dass 2030 rund
120.000 Menschen über 80 Jahre alt sein würden, sei besonders
wichtig, mobile Betreuung noch flexibler zu gestalten. In 23
Tageszentren würden derzeit 2.200 SeniorInnen täglich betreut. Ab
2016 würden die Öffnungszeiten erweitert, um etwa berufstätige
Frauen, die Angehörige pflegen, zu entlasten.

Oxonitsch: "Mini-Campus" schaffen, Sprachförderung ausweiten

Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch kündigte die Einführung von
"Mini-Campus"-Einrichtungen an. Die Erfahrung aus den "großen"
Campusbauten - Oxonitsch erwähnte die 14 Standorte, an welchen in den
kommenden zehn Jahren derlei Einrichtungen entstünden - solle bei
diesem Modell in räumlich kleinerer Variante umgesetzt werden. Der
"Mini-Campus" solle sich vor allem in Erdgeschoss-Lokalen
wiederfinden, die laut Oxonitsch als Geschäftsfläche "oft schwer
vermietbar" seien - man mache sich also Leerstände zunutze, "in
unmittelbarer Nähe; dort, wo Familien wohnen und zuziehen".

Zudem kündigte Oxonitsch eine Ausweitung der Sprachförderung an
städtischen Kindergärten an. Die Zahl der Sprachförder-AssistentInnen
werde auf 240 verdoppelt. Dafür wolle er knapp 3,7 Millionen Euro an
Finanzmitteln aufwenden. Oxonitsch zeigte sich überzeugt von der
Förderung: Sprachdefizite würden gezielt abgebaut, von der erlangten
Sprachreife der Kinder "profitieren auch die Schulen".

Brauner: "Start-Up-Package", Mobilitätskarte und
Frauenförderung

Finanzstadträtin Renate Brauner zitierte eine Studie, wonach Wien
auf Platz sechs der internationalen Rangliste von "Start-Up-Städten"
rangiere. Bis 2020 wolle Brauner Wien "auf einen Stockerplatz" hieven
- dabei helfen solle ein "Start-Up-Package", welches junge
Unternehmen bei der Gründung, Ansiedlung und Vernetzung unterstütze.
In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Start-Ups in Wien um
ein Drittel auf knapp 650 erhöht.

Mobilität sei auch eine soziale Frage: "Wer kann teilhaben an
alledem, was die Stadt zu bieten hat?". Mit der neuen
"Mobilitätskarte" bestehe die Möglichkeit, die Jahreskarte der Wiener
Linien zu "upgraden" - auch Dienste wie Citybikes, Garagen der Wipark
und Elektrotankstellen würden mit der Karte zugänglich. Begleitet
werde dieses Angebot mittelfristig von einer neuen "Mobiltäts-App" -
darin sollen Routenplaner, Buchung und Bezahlung zentral und
bargeldlos gebündelt werden.

Außerdem thematisierte Brauner die städtische Förderung
berufstätiger Frauen: Mit dem Programm "Frech neu" würden Frauen
dabei unterstützt, ihrer Qualifikation entsprechende Jobs zu finden.
Fünf Millionen Euro, zusätzlich zu den Mittel des Wiener
ArbeitenehmerInnen Förderungsfonds (waff), würden dafür aufgewendet.
Wien habe in dieser Hinsicht eine erfolgreiche Bilanz vorzuweisen: 80
Prozent betrage die Frauenerwerbsquote in Wien, verglichen mit einem
Österreich-Mittel von 73 Prozent.

Ludwig: "Sanierungsoffensive";140 geförderte Wohnungen pro
Woche übergeben; Unterstützung für Ältere

140 geförderte Wohnungen würden künftig pro Woche übergeben, sagte
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Wichtig sei ihm die soziale
Durchmischung - es gelte, hohe Qualität im Wohnbau mit leistbaren
Mieten zu verknüpfen, um solchen Wohnraum auch "für den Mittelstand
attraktiv" zu halten. Hierzu dienten Wohnungen in der
"Smart"-Bauweise, wovon derzeit 2.800 in Bau oder Vorbereitung seien.

Betreffend die Sanierung des Gebäudebestandes rechnete Ludwig vor,
dass 200 Millionen Euro jährlich in die "sanfte Stadterneuerung"
flössen. Diese betreffe nicht nur isolierte Wohnhäuser, sondern
gleich "ganze Bezirksteile". Die Gentrifzierung werde dabei
hintangehalten - soll heißen, Mieten blieben auch nach Sanierung und
Aufwertung der Wohnanlage gleich, BewohnerInnen würden nicht gegen
Besserverdienende "ausgetauscht".

Für Menschen über 65 Jahre kündigte Ludwig finanzielle
Unterstützung beim Umbau ihrer Wohnungen an, wenn sie diese
barrierefrei gestalten möchten - zum Beispiel beim Umbau des
Badezimmers. Mit bis zu 4.500 Euro werde eine solche Adaptierung
gefördert.

Frauenberger setzt auf gendergerechte Stadt

Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger bezog sich auf die
städtische Frauenpolitik: In Wien sei die Einkommensschere
österreichweit am geringsten, es gebe ein dichtes Netz an
Kinderbetreuungsplätzen und "maßgeschneiderten Angeboten für alle
Lebensbereiche". "Damit Frauen erfahren, wohin sie sich wenden
sollen, schaffen wir ein eigenes Beratungszentrum, in dem alle
Angebote für Frauen gebündelt werden, um ihnen punktgenau zu helfen."

Auch bei Stadtentwicklung und Wohnformen müssten die Bedürfnisse
von Frauen weiterhin berücksichtigt werden. Das Projekt "DIE Stadt"
bedeute kurze Wege, konsumfreien öffentlichen Raum, und
gendergerechte Mobilität genauso wie entsprechendes
Quartiermanagement. Geplant sei ein Kriterienkatalog zu
gendergerechter Stadtentwicklung und gendergerechter Planung.

Partizipativ, innovativ und demokratisch seien die Stichworte der
digitalen Agenda. Wien benötige weiteren Ausbau der WLAN-Hotspots und
hohe Internetgeschwindigkeit. Frauenbergers Ziel sei die umfassende
Breitbandversorgung bis 2020. Zudem solle das E-Government-Service
ausgebaut werden. Frauenberger kündigte eine "Wien-App" an, die
Menschen nutzerfreundlich mit relevanten Daten versorgen solle. Der
hohen Verantwortung der Datensicherheit, um "den gläsernen Menschen
zu schützen", sei sich Frauenberger dabei gewahr.

Sima: Ökologisches "High-Tech"; "Wohnzimmer im Freien"

Bis 2020 werde die ebs Hauptkläranlage in Simmering ihren
Eigenbedarf an Energie selbst decken können und darüber hinaus 30.000
Haushalte mit Strom versorgen, sagte Umweltstadträtin Ulli Sima. Aus
einem von Wiens derzeit größten Stromverbrauchern werde ein
Energielieferant, zumal sich die Errichtungskosten im Laufe der
nächsten zwei Jahrzehnte amortisieren würden. Dieses "Eos"-Projekt
werde zudem jährlich 40.000 Tonnen an Kohlendioxid-Emissionen
einsparen.

"Wohnzimmer im Freien" nannte Sima die "größte Grünraumoffensive
der letzten 30 Jahre". Grünflächen wie etwa der Norbert-Scheed-Wald
in der Donaustadt würden den Grüngürtel um Wien schließen, mit dem
Helmut-Zilk-Park im Sonnwendviertel entstehe die größte neue
innerstädtische Parkanlage seit 1974.

Mailath-Pokorny: Bedeutung der "Wissenschaftsstadt Wien"

Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wies darauf hin,
dass Wien mit den Pro-Kopf-Ausgaben für Forschung "eindeutig
voranliegt". Mit dem Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds
(WWTF) werde in die Zukunft investiert: "Wesentliche Innovationen bis
in den Hightechbereich sind auf Finanzierung aus öffentlicher Hand
zurückzuführen. Vom ersten Eisenbahnbau bis in heutige digitale Zeit
- ohne Anschubfinanzierung öffentlicher Stellen wäre das alles nicht
denkbar gewesen." Der WWTF gewährleiste, dass innovative Ideen
gefördert würden.

Bezogen auf den Forschungsstandort AKH und in Anlehnung an das
kalifornische Silicon Valley sprach Mailath vom "Medical Hill", das
ein "bedeutendes Kompetenzzentrum für Wissenschaft und Forschung" mit
insgesamt rund 35.000 Arbeitsplätzen" darstelle.

Betreffend Kultur erinnerte Mailath, dass "Abend für Abend 100.000
Sitzplätze in Kultureinrichtungen zur Verfügung stehen". Mit dem
neuen Förderprogramm "SHIFT" sollen mehr Menschen für Kultur
begeistert werden und Projekte berücksichtigt werden, für die sonst
kein Platz wäre. In den kommenden drei Jahren würden dafür 4,5
Millionen Euro investiert, sagte Mailath. Für den Herbst kündigte er
an, das Siegerprojekt rund um die Ausschreibung des neuen Wien
Museums zu präsentieren.

(Schluss) esl/heb

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