WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Andere Länder, andere Krisen" - von Marijana Miljkovic

Wien (OTS) - Während das hoch verschuldete Griechenland mit europäischen Verhandlungspartnern um Lösungen ringt, um ohne strenge Sparpolitik weiter Hilfsgelder zu erhalten, sind andere Krisenstaaten in den Hintergrund gerückt.

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise im Frühjahr 2013 gab es einige: Neben Griechenland gerieten Zypern, Spanien, Portugal und Slowenien in Turbulenzen. Nachbar Slowenien konnte sich jedoch aus der Affäre ziehen - die berüchtigte Troika, bestehend aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission, konnte ferngehalten werden.

Sloweniens Vorteil war, dass der Staat und seine Finanzen, bei aller berechtigter Kritik, weitestgehend gesund genug waren, um die Schuldenlast zu stemmen. Die Schulden entstanden, weil die staatlichen Banken plötzlich auf faulen Krediten des realen Sektors sitzen geblieben waren. Zyperns Banken beispielsweise, die ebenfalls gerettet werden mussten, haben eine andere Kundenstruktur, das Geschäftsmodell basierte auf dem Finanzsektor - Stichwort Steueroase. Slowenien ist jedoch noch nicht aus dem Schneider.

Die Milliardenhilfen für die Banken müssen die Steuerzahler stemmen, und dafür werden neue Sparmaßnahmen nötig. Zu Reformen kam es bisher aber nicht, weil die Politik durch Grabenkämpfe geschwächt war. Zweimal wurde seit 2012 neu gewählt, einer konservativen Regierung folgten zwei Mitte-links-Kabinette. Diese zaudern jetzt, die Versprechen, die in Richtung EU abgegeben wurden, zu erfüllen. Dazu gehören etwa Privatisierungen von Staatsbetrieben. Die Bevölkerung steht nicht dahinter. Der Verkauf des lukrativsten Assets, der Slowenischen Telekom, steckt fest.

Die Misere hätte verhindert werden können, bevor die Eurokrise überhaupt ihren Namen erhielt. "Wir hätten Zeit gehabt, unser Bankenproblem allein zu lösen. Wir konnten es nicht und wollten es nicht", sagt Ökonom Igor Masten.

Dennoch bleibt mit der slowenischen Lösung Ärger mit anderen Beteiligten erspart. Zypern etwa klagt die Troika vor dem Europäischen Gerichtshof auf Schadenersatz, weil zyprische Banken ihre Töchter wegen des Bankenhilfspakets angeblich unter Wert verkaufen mussten. Die Lehre für Slowenien und andere Länder kann nur lauten: Nicht erst handeln, wenn Feuer am Dach ist.

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