• 24.02.2015, 08:00:02
  • /
  • OTS0004 OTW0004

Brennpunkt Bildgebung: Das Kind als Ganzes untersuchen – KinderradiologInnen als Experten

Wien (OTS) - 23\. Februar 2015. In der Kinderradiologie untersuchen
RadiologInnen ihre kleinen PatientInnen von Kopf bis Fuß und dies
benötigt eine besondere Expertise und Ausbildung. Kinder unterliegen
bei allen bildgebenden Untersuchungen einer deutlich höheren
Strahlensensibilität als Erwachsene und erfordern daher eine
differenzierte Herangehensweise, insbesondere in Bezug auf die Wahl
der Untersuchungsmethode. Aufgrund der deutlich höheren
Lebenserwartung im Vergleich zu erwachsenen PatientInnen ist bei
Verfahren mit Röntgenstrahlung besondere Vorsicht geboten.

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, dieser Satz beschreibt alle
Unterschiede. Die hohe Strahlensensibilität, und das damit verbundene
Risiko der kleinen PatientInnen, lässt die KinderradiologInnen
rastlos nach einer Reduktion der Strahlendosis forschen, sowie an
alternativen bildgebenden Verfahren arbeiten. Aufgrund der höheren
Strahlenempfindlichkeit ist das "ALARA Prinzip - as low as reasonably
achievable" - sehr wichtig. Kinder haben ihr Leben vor sich und ein
strahleninduzierter Tumor braucht 20 bis 30 Jahre um sich zu
manifestieren", so Prof. Erich Sorantin, Suppl. Leiter der Klinischen
Abteilung für Kinderradiologie an der Universitätsklinik für
Radiologie der der Medizinischen Universität Graz.

Kommunikation spielt entscheidende Rolle in der Kinderradiologie
Die PatientInnen-Kommunikation ist essentiell und findet in der
Kinderradiologie auf verschiedenen Ebenen statt, von der nonverbalen
bei Säuglingen und Kleinkindern bis hin zum ernsthaften Gespräch mit
Jugendlichen. Will man diese Kommunikation bestmöglich gestalten, so
gibt es hier verschiedene Punkte, die beachtet werden müssen. "Einmal
kindergerechtes Umfeld, denken Sie daran, dass selbst ein Ultraschall
schon beängstigend sein kann. Also kindergerechte, helle und
freundliche Umgebung im Warte- und Untersuchungsraum, Spielflächen in
der Wartezone (nicht jedes Kind ist schwerkrank, viele kommen auch
nur zur Kontrolle) und eine gegliederte Wartezone in der auch jeder
seine ruhige Ecke finden kann. Das Personal, vom Anmeldeschalter bis
zu den RadiologietechnologInnen, muss freundlich und beruhigend auf
die Kinder wirken, aber auch auf die Ängste und Fragen der Eltern
eingehen. Eine erfolgreiche Untersuchung ist Teamarbeit und betrifft
alle Berufsgruppen bis zum Arzt, der weiß wie er untersucht bzw.
befundet und die kindlichen Besonderheiten kennt", so Sorantin.

Klare Unterschiede zur Bildgebung bei Erwachsenen
Diese Fülle von Unterschieden betrifft die Psychologie, Anatomie und
Proportionen, Körperaufbau sowie die Physiologie als auch die
Strahlensensibilität.

In der Erwachsenenmedizin schwankt das Körpergewicht zwischen 40 kg
und 160 kg wodurch sich ein Massefaktor von 4 ergibt. Die
Kinderradiologie betreut PatientInnen in einer Altersspanne von
Frühgeburten (in etwa ab der 24. Gestationswoche) bis zum vollendeten
18. Lebensjahr, was einer Gewichtsspanne von 300g bei extremen
Frühgeburten bis zu 120 kg bei übergewichtigen Jugendlichen
entspricht. Dies kommt einem Massefaktor von 400 gleich. Alle
PatientInnen der Kinderradiologie haben natürlich das gleiche Anrecht
auf Bildgebung.

"Etwas pointierter könnte man es so ausdrücken: das Anrecht auf
Bildgebung steigt nicht mit dem Körpergewicht", so Prof. Sorantin.
Im Routinebetrieb ist es daher die Aufgabe der Kinderradiologie, die
für das Patientenmanagement notwendigen Fragen mit möglichst
nicht-invasiven bildgebenden Verfahren, wie Ultraschall und
Magnetresonanztomographie, zu beantworten. Bei der Anwendung von
Röntgenverfahren müssen diese exakt auf die Fragestellung als auch
dem zu untersuchenden Kind angepasst sein. Umfassende Kenntnisse der
alterstypischen Normvarianten, Erkrankungen und Verletzungsmuster
sind ein absolutes Muss.

"Das "Geheimnis" liegt in der richtigen Gruppierung der Kinder",
bemerkt Prof. Sorantin. "Sehen Sie sich eine Schulklasse an, alle im
selben Alter, aber völlig unterschiedlich schwer, groß und mit
verschiedenen Proportionen. Wir machen in Graz Körperstammaufnahmen
nach Gewicht (=Masse) und Extremitäten-Aufnahmen nach Alter, und es
scheint so zu sein, dass der Körperdurchmesser wahrscheinlich der
beste Paramater ist. Wir bauen gerade einen Prototyp, der das
automatisch erfasst. Geplant ist in etwa, dass die PatientInnen durch
einen "Schranken" gehen und der Körperdurchmesser erfasst wird".

Innovation und Forschung in Graz
Die erwähnte, im Vergleich zu Erwachsenen, höhere
Strahlenempfindlichkeit der Kinder ist die Triebfeder für neue
Entwicklungen. An der Kinderradiologie Graz werden aus dieser
Motivation heraus neue bildgebende Verfahren entwickelt und
erforscht.

Eine dieser Eigenentwicklungen ist ein auf Infrarot basierendes
Verfahren, ähnlich harmlos wie eine Fernbedienung, welches in
Kombination mit schlauer Datenverarbeitung die Erfassung der
Atembewegungen des Brustkorbs und Abdomens und sogar Rückschlüsse auf
die Zwerchfellbeweglichkeit erlaubt, ohne die Kinder zu berühren.

Neu entwickelte ultraschnelle Sequenzen in der
Magnetresonanztomographie erlauben die Darstellung der
Zwerchfellbeweglichkeit, sowie die Erfassung und Quantifizierung in
Echtzeit. Damit ist es nun möglich, den Erfolg therapeutischer und
chirurgischer Eingriffe bei PatientInnen mit eingeschränkter
Zwerchfellbeweglichkeit nicht-invasiv zu quantifizieren.
In Kooperation mit der Medizintechnikindustrie können mittels der
Magnetresonanztomographie, strahlungsfrei und ohne Injektion von
Kontrastmitteln, die Lungenbelüftung und Durchblutung ähnlich der
Szintigraphie dargestellt werden. Ein ideales Verfahren insbesondere
für chronisch lungenkranke Kinder.

Eine andere, neue Modalität ist die elektrische Impedanz Tomographie
(EIT), ein strahlenfreies Verfahren, welches es KinderradiologInnen
erlaubt die regionale Lungenluftverteilung in Echtzeit zu beobachten
und Abweichungen zu diagnostizieren. Bereits vor 10 Jahren haben
MitarbeiterInnen der Abteilung mit KollegInnen der Universitätsklinik
für Kinder und Jugendheilkunde Graz begonnen, einen Prototyp zu
bauen. EIT Geräte sind mittlerweile kommerziell erhältlich und in
Graz wurde das erste EIT Gerät Österreichs gemeinsam von der
Pädiatrie und der Kinderradiologie Graz aus dem Forschungsbudget der
Medizinischen Universität Graz angeschafft.

Da bei Kindern, insbesondere bei Neu- und Frühgeborenen, das
Thoraxskelett noch mehr Knorpel enthält und bei vielen Erkrankungen
dieser vulnerablen Patientengruppe der Luftgehalt der Lunge reduziert
ist, können Pathologien mittels der Sonographie hervorragend
dargestellt werden. Internationale Kooperationen wie im Rahmen des
CEEPUS (Central European Exchange Programm for University Studies -
www.ceepus.com) Netzwerks "Image Processing, Information Engineering
& Interdisciplinary Knowledge Exchange" ermöglichen die umfassende
Evaluierung der Anwendbarkeit und Aussagefähigkeit der Verfahren
sowie einen Wissensaustausch auf professionellem Niveau. Diesem
Netzwerk gehören derzeit 36 akademische Institutionen aus 14
verschiedenen Ländern an.
Die Klinische Abteilung für Kinderradiologie ist derzeit die einzige
universitäre Einheit, die sich mit allen Aspekten der Bildgebung bei
Kindern beschäftigt.
"Leider hat der Tag nur 24 Stunden", bedauert Prof. Sorantin, der mit
seinen KollegInnen an der Abteilung für Kinderradiologie im
Dauereinsatz für PatientInnen, Lehre und Forschung ist.

Ab 4. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 27. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2015 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
62.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen
die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ECR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel