- 23.02.2015, 10:50:01
- /
- OTS0054 OTW0054
Kahlenberger Gespräche im Zeichen grüner Zukunftstrends
„Nachhaltigkeit in der Gastronomie: Überlebensfrage oder Hype?“

Utl.: „Nachhaltigkeit in der Gastronomie: Überlebensfrage oder
Hype?“ =
Wien (TP/OTS) - Die Gesprächsreihe der MODUL University Vienna hat
sich mit ihrer kritischen Auseinandersetzung aktueller
Wirtschafts-Themen längst einen Namen gemacht. Im Rahmen der
aktuellen Podiumsdiskussion am 19. Februar am Wiener Kahlenberg
gingen renommierte ExpertInnen diesmal der Frage nach, welche
Entwicklungen in der nachhaltigen Gastronomie zu erwarten sind, wie
Best-Practice Beispiele implementiert werden können und was
verantwortungsvolles Management dazu beitragen kann.
Der Megatrend "Nachhaltigkeit" im Lebensmittelbereich beschäftigt
heute nicht nur KonsumentInnen, ProduzentInnen und den Einzelhandel,
sondern zunehmend auch die Gastronomie. Denn aktuelle Zahlen zeigen,
dass hier allein im Bereich Lebensmittelverschwendung viel getan
werden kann: 200.000 Tonnen Lebensmittel werden in Österreichs
Großküchen, Gastronomie- und Beherbungsbetrieben jährlich
weggeworfen. Ebenso viel Potenzial liegt in den Bereichen Einkauf und
Logistik. Die MODUL University Vienna ist in Forschung und Lehre -
neben den Bereichen Neue Medientechnologie und Internationale
Wirtschaft - auf die Themengebiete Tourismus und Dienstleistung sowie
Nachhaltigkeit spezialisiert und bietet sowohl Bachelor als auch
Master Lehrgänge in diesen Studienrichtungen an. Die Departments
arbeiten dabei auch interdisziplinär. Gute Gründe also, warum die
MODUL University Vienna am 19. Februar zu einer hochkarätigen
ExpertInnenrunde im Rahmen der seit 2012 etablierten Kahlenberger
Gespräche eingeladen hat. Die Teilnehmerzahl, das Interesse namhafter
Gäste, darunter Stefan Resch, Küchenchef im Park Hyatt Vienna,
Gerhard Zeilinger, Regionaldirektor Österreich Motel One, Marita
Belz, platou-Vorstand und Sustainability Specialist im Le Méridien
Wien sowie das Echo waren enorm.
Diskussionsreihe thematisiert Wirtschaftstrends mit sozialer
Verantwortung
Hani El Sharkawi, Gastgeber des Abends und Leiter des
Karrierezentrums MODUL Career erklärt die Intention: "Die
Kahlenberger Gespräche thematisieren aktuelle Zukunftstrends
wirtschaftlicher und sozialer Verantwortung. Es ist uns wichtig, den
Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Wien mit solchen
Veranstaltungen, aber auch mit langfristigen Kooperationen zu
stärken." So betreut das Nachhaltigkeitsteam von Global 2000
StudentInnen im Rahmen des Service-Learning Projekts "Schenk mir dein
Problem", bei dem gemeinsam mit fünf Partnerbetrieben
praxisorientierte Nachhaltigkeits-Maßnahmen für die Gastronomie
entwickelt werden. "Wir haben außerdem die Wiener Tafelbox bei uns
implementiert. Ziel ist es, den Lebensmittelüberschuss sinnvoll vor
dem Abfall zu retten. Die Diskussionsreihe soll die Relevanz der
Thematik für Stakeholder und die breite Öffentlichkeit
unterstreichen, unser Kompetenzzentrum für Internationale Wirtschaft,
Tourismus und Dienstleistung, Nachhaltigkeit und Neue
Medientechnologie stärken und den Auftrag von MODUL Career als
Networking-Plattform für Alumni und PartnerInnen in der Wirtschaft
erfüllen".
ExpertInnen blicken über den Tellerrand
Mit Dr. Margit Leuthold, Sozialwissenschaftlerin, Evangelische
Theologin, ehemalige Geschäftsführerin von "respect - Institut für
Integrativen Tourismus und Entwicklung" und Krankenhauspfarrerin im
Evangelischen Krankenhaus Wien und im Allgemeinen Krankenhaus Wien
konnte für die Veranstaltung eine langjährige Expertin mit den
Schwerpunkten im Bereich Ökotourismus und nachhaltige Regional- und
Tourismusentwicklung gewonnen werden, die ihre Erfahrungen im Rahmen
der Moderation präsentierte: "Nachhaltigkeit in der Gastronomie
bedeutet, über den Tellerrand zu schauen, Impulse für eine
ökologisch, sozial und wirtschaftlich gerechte Entwicklung im Bereich
"Bewirtung" zu geben. Diese Impulse sind immer von
dem Status Quo ausgehend zu entwickeln und gegebenenfalls in Zukunft
bei Neugründungen auch als grundlegendes Leitbild für ein ökosoziales
Management von Gastronomie und Küche zu berücksichtigen."
Wandel des Lebensstils bedeutet Wandel der Gastronomie
Dass die Nachfrage nach "grünen", gastronomischen Angeboten in
unterschiedlichen Bereichen steigen wird, verdeutlichte auch Dr.
Dagmar Lund-Durlacher, Dekanin der Undergraduate School an der MODUL
University und seit 2007 Leiterin des Departments of Tourism und
Service Management, in ihrem Einstiegsvortrag an diesem Abend: "Ob
bio, fairtrade, vegetarisch oder vegan - immer mehr Menschen ändern
ihre Ernährungsgewohnheiten im täglichen Leben. Die Gastronomie
stellt sich bereits darauf ein und wird dies in Zukunft verstärkt tun
müssen". Dafür ist jedoch, so die Expertin, noch viel Aufklärung und
Bewusstseinsbildung notwendig. "Bei der Gestaltung der Speisekarte
müssen Faktoren wie der Einkauf von klimafreundlichen und
ressourcenschonenden Lebensmittel, die Reduzierung bzw. Vermeidung
von Essensabfällen, der Aufbau regionaler Lieferketten und vieles
mehr berücksichtigt werden. Bereiche, die noch nicht unbedingt in
den Köpfen der Gastronomen verankert sind und für die es noch
innovative Lösungsansätze braucht". Durch den Bezug regionaler
Lebensmittel und Ressourcen wird nach Lund-Durlacher nicht nur der
ökologische Fußabdruck reduziert werden, sondern auch die regionale
Wirtschaft, Kleinbauern und Direktvermarktung gestärkt, so die
Expertin, die unter anderem auch Mitglied im Wissenschaftsbeirat von
FUTOURIS, der Nachhaltigkeitsinitiative der Reiseindustrie im
deutschsprachigen Raum, ist.
Lösungsvorschläge für engagiertes Nachhaltigkeitsmanagement
Lösungsmodelle für eine nachhaltige Gastronomie aus Sicht eines
Umwelt- und Sozialvereins skizzierte Markus Hübl, MAS, Pressesprecher
der Wiener Tafel und Kommunikationsexperte mit Spezialisierung auf
gesellschaftlich relevante Themen, als Podiumsgast an diesem Abend.
"Die Gastronomie ist eine Branche, in der die Nutzung von
Lebensmitteln als Ressource von zentraler Bedeutung ist.
Nachhaltigkeit bedeutet dabei in erster Linie, auf die Auswahl von
nachhaltig produzierten Lebensmitteln, auf schonungsvolle und
reflektierte Verarbeitung sowie auf die Einbettung in eine ökologisch
nachhaltige Logistik im Betrieb zu achten, welche die Vermeidung von
Lebensmittelabfällen beinhaltet. Darüber hinaus zählen alle Maßnahmen
des jeweiligen Betriebs, die zu einer Reduktion der CO2-Emissionen in
der gesamten Wertschöpfungskette beitragen, zu einem engagierten
Nachhaltigkeitsmanagement". Ob globale Zusammenhänge zwischen
Lebensmittelkonsum, ökologischer Verfasstheit des Globus und Fragen
sozialer Gerechtigkeit wahrgenommen werden, sei auch eine Frage der
individuellen Verantwortung und gelebter Ethik, erklärte Hübl.
"Irgendwem die Schuld zuzuweisen, dass ein Drittel eines wunderbaren
Buffets übrig bleibt, ist sinnlos und nicht zielführend. Den
Veranstalter, die Eventagentur, das Catering-Unternehmen und die
Gäste des Events davon zu überzeugen, dass es allemal sinnvoller ist,
die übrig gebliebenen Speisen mit der TafelBox vor der Vernichtung zu
bewahren, die guten Speisen am Ende der Veranstaltung selbst
einzupacken, mitzunehmen und am nächsten Tag daheim oder am
Arbeitsplatz beim Lunch zu verzehren, ist im besten Fall ein erster
Schritt in Richtung Bewusstseinsänderung".
Green-Gastro-Bereich
Podiumsgast, Vorstandmitglied und Experte des Nachhaltigkeitsteams
Global 2000 Martin Wildenberg, PhD wiederum untermauerte die
Notwendigkeit neuer Geschäftsmodelle: "Meiner Meinung nach wird
Gastronomie als Gewerbe in fast allen Zukunftsszenarien, die ich mir
vorstellen kann, ihren Platz haben. Bleibt die Frage, ob "die
Gastronomie" als Branche oder als individueller Betrieb einen Beitrag
zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten will oder nicht.
Möglichkeiten gäbe es genug - und für den einzelnen Betrieb mag es
sehr wohl eine Überlebensfrage sein, wenn es darum geht, mit
gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten oder den Anschluss
zu verlieren". Entwicklungen nachhaltiger Geschäftsmodelle
orientieren sich laut Wildenberg etwa an der Gemeinwohlökonomie und
am "Pay as you like"-Modell. Positive Leuchtturmprojekte für
nachhaltige Gastronomie, wie das derzeit laufende Projekt "Schenk mir
dein Problem!", sollen dazu beitragen, Lösungen für die kleineren und
größeren Umwelt-Themen des Tagesgeschäfts sowie
Best-Practice-Beispiele für den Green-Gastro-Bereich zu finden.
Szene-Wirt, Gastro-Experte und Podiumsgast Mario Plachutta betonte in
seinen Ausführungen durchaus kritische Aspekte des Themas:
"Nachhaltigkeit wir oft als kapitalistischer Schachzug genützt, mit
klar definierter Zielgruppe: jung, höherer Bildungsgrad - das hat mit
der Umwelt oft wenig zu tun". Zudem erklärt Plachutta:
"Verantwortung beginnt beim Konsumenten. Solange der Konsument sich
nicht gegen ein nicht nachhaltig produzierbares Beinfleisch
entscheidet, bringen alle Statistiken nichts."
Weitere Informationen zu den Kahlenberger Gesprächen erhalten Sie
unter http://www.tourismuspresse.at/redirect/KahlenbergerGespraeche
Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6296
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | T59






