• 21.02.2015, 09:29:00
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„profil“-Interview: NATO-Vizegeneralsekretär Jamie Shea: „Russland ist unberechenbar geworden“

Putin gehe es „in Wahrheit nicht um die NATO-Erweiterung. Sie ist nur ein angenehmer Vorwand, zum Nationalismus zurückzukehren“

Utl.: Putin gehe es „in Wahrheit nicht um die NATO-Erweiterung. Sie
ist nur ein angenehmer Vorwand, zum Nationalismus
zurückzukehren“ =

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe
des Nachrichtenmagazins "profil" erklärt Jamie Shea,
Stellvertretender NATO-Generalsekretär für sicherheitspolitische
Herausforderungen, im Hinblick auf die Ukraine-Krise, Russland sei zu
einer "revisionistischen, unberechenbaren Macht geworden, mit einer
Führung, deren Wort nicht für voll genommen werden kann".

Die Behauptung der Kreml-Führung, sich durch die Osterweiterung
des transatlantischen Verteidigungsbündnisses in den vergangenen
Jahren bedroht zu fühlen, sei nur taktisch, so Shea: "Es geht
Wladimir Putin in Wahrheit nicht um die NATO-Erweiterung. Sie ist nur
ein angenehmer Vorwand, zum Nationalismus zurückzukehren, immer
autoritärer zu regieren und eine antidemokratische Kampagne zu
führen - nicht nur im eigenen Land, sondern auch in anderen."

Die NATO habe bei der Erweiterung "sehr bewusst beschlossen, keine
Atomwaffen, keine Kampfverbände und keine großen Militärstützpunkte
in die neuen Mitgliedsstaaten zu verlagern. "Wir wollten damit
zeigen: Es geht darum, dass der Osten an den Westen heranrückt und
nicht der Westen militärisch an Russland. Wir haben es so angelegt,
dass die NATO absolut keine militärische Bedrohung für Russland
darstellen konnte", erläutert Shea gegenüber "profil".

Gleichzeitig bekennt sich der NATO-Vize-Generalsekretär zum
Prinzip der Abschreckung: "Abschreckung hat sich schon in der
Vergangenheit bewährt. Es ist wichtig, keine Zweifel darüber
aufkommen zu lassen, was wir im Fall einer Aggression tun würden."

Einen NATO-Mitgliedschaft der Ukraine will Shea nicht
ausschließen: "Es ist das Recht jedes Landes, einer Allianz
beizutreten. Russland selbst hat diesem Prinzip mit der
Unterzeichnung der Abschlusserklärung von Helsinki und anderer
OSZE-Dokumente zugestimmt."

Russland habe zudem kein Recht, die Ukraine von ihrer Ausrichtung
nach dem Westen abzuhalten: "Wenn sich Russland nicht integrieren
will, ist das seine Sache. Wenn es andere mit Zwang daran hindert,
ist das allerdings nicht akzeptabel", betont Shea im
"profil"-Interview.

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