• 20.02.2015, 10:59:52
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Wirtschaftliche Lage der Apotheken weiter kritisch

Trotz Umsatzplus kaum Ertrag - Kassenspanne auf Tiefststand

Utl.: Trotz Umsatzplus kaum Ertrag - Kassenspanne auf Tiefststand =

Wien (OTS) - Der Wirtschaftsmotor Apotheke kommt nicht in Gang. Die
in den Gesundheitsmarkt strömenden hochpreisigen Arzneimittel
bescherten den Apotheken 2014 nach vier Jahren endlich wieder ein
reales Umsatzplus, das sich jedoch nur marginal in den Erträgen
widerspiegelte. Apotheken, die bereits in den roten Zahlen stecken,
schlittern immer tiefer in die Verlustzone.
Das Geschäftsjahr 2014 war für die Apotheken in Österreich durch die
Einführung zahlreicher innovativer, aber hochpreisiger Arzneimittel
geprägt. Diese so genannten "Hochpreiser" ersetzen - ganz im Sinne
der Gesundheitsreform - teilweise teure Operationen, was mitunter zu
einer Kostenentlastung im Gesundheitssystem führt.

Den Apotheken brachten die Hochpreiser nach vier mageren Jahren 2014
erstmals wieder ein reales Umsatzplus. In den Jahren davor war der
Kassenumsatz - also jener Umsatz, der mit rezeptpflichtigen
Arzneimitteln erzielt wird und rund 70 Prozent des Gesamtumsatzes
einer Apotheke ausmacht - aufgrund des steigenden Generika-Anteils
kontinuierlich gesunken. 2014 erhöhte sich der Umsatz bedingt durch
die Hochpreiser real um 4,7 Prozent auf 2,481 Mrd. Euro. Der
Rohertrag, der sich bei höheren Arzneimittelpreisen systematisch
verringert, konnte mit dem Umsatz nicht Schritt halten und
verzeichnete lediglich ein leichtes Plus von real 0,5 Prozent.

"Unsere Apotheken treten seit Jahren auf der Stelle. Mit dem, was
2014 ertragsmäßig übrigbleibt, müssen anstehende Investitionen
getätigt werden", erläutert Dr. Christian Müller-Uri, Präsident des
Österreichischen Apothekerverbandes.

Kassenspanne auf Tiefststand

Die Kassenspanne, also die Ertragsspanne des Kassenumsatzes, ist seit
geraumer Zeit rückläufig und macht es immer schwieriger, die
Apothekenbetriebe zu finanzieren. Im Geschäftsjahr 2014 sank sie auf
den historischen Tiefststand von 16,36 Prozent. Das entspricht einem
Rückgang von 10 Prozent seit dem Jahr 2010.

Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Von 10 Euro, die eine Apotheke
im Kassenbereich einnimmt, blieb ihr im Jahr 2010 eine Spanne von
1,82 Euro und im Jahr 2014 ein Betrag von nur noch 1,64 Euro. Mit
dieser geringen Spanne müssen alle Kosten abgedeckt werden, die
jährlich steigen: Personal, Miete, Strom, EDV - aber auch Wochenend-
und Nachtdienste, die der Allgemeinheit zu Gute kommen und von der
Apothekerschaft alleine finanziert werden.

Jede dritte Apotheke in der Verlustzone

Aufgrund der angespannten Ertragssituation ist mittlerweile jede
dritte der rund 1.360 Apotheken in Österreich ins Minus gerutscht.
Laut einer Studie der KMU Forschung Austria weisen 29 Prozent aller
Betriebe eine negative Umsatzrentabilität auf. Eine Detailanalyse
zeigt, dass viele Verlustbetriebe immer tiefer in die roten Zahlen
abdriften. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Eigenkapitalquote
der Apotheken seit Jahren rückläufig ist und mittlerweile bei
dramatischen 2,4 Prozent steht. Das verschlechtert den
betriebswirtschaftlichen Handlungsspiellaum der Betriebe und lässt
keinen weiteren Finanzierungsbeitrag an die Krankenkassen zu.

Zur Erinnerung: Seit 1995 trugen die Apotheken mit insgesamt 1,84
Milliarden Euro zur Sanierung der Krankenkassen bei und gerieten
dabei selbst immer stärker unter Druck. Müller-Uri: "Weitere
Belastungen sind nicht mehr zu verkraften. Wir brauchen die
finanziellen Mittel nun im eigenen Berufsstand."

Neue Dienstleistungen

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen bleiben die
Apotheken der "Best Point of Service" und bauen 2015 das
Dienstleistungsangebot weiter aus. So werden heuer wieder hunderte
Apothekerinnen und Apotheker im so genannten Medikationsmanagement
geschult. Ziel der Initiative: Den Medikamenten-Mix der Patienten in
Zukunft besser abzustimmen und effizienter zu gestalten. Erwünschte
Nebenwirkung: Senkung der Medikamentenausgaben für die Krankenkassen.

Apothekerverband auf einen Blick

Der Österreichische Apothekerverband ist die wirtschaftliche und
politische Interessenvertretung der selbständigen Apothekerinnen und
Apotheker. Er unterstützt seine Mitglieder in allen unternehmerischen
Belangen und stärkt die Position der Apotheker als freie und
unabhängige Unternehmer im Gesundheitsbereich.

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