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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 19. Februar 2015, von Peter Nindler: "Zu viel Biss benötigt eine Regulierung"
Innsbruck (OTS) - Die nicht erfüllten Abschussquoten beim Wild
zwingen die Tiroler Politik zum Handeln, die Befindlichkeiten im
Jägerverband sind zweitrangig. Denn der Wildverbiss und die dadurch
angerichteten Waldschäden kosten Millionen.
Während die zu geringen Abschuss-quoten geradezu Maßnahmen gegen den
Wildverbiss in den Wäldern herausfordern, beginnt im Tiroler
Jägerverband wieder das übliche Spiel. Das neue Jagdgesetz wird zum
Anlass genommen, gegen die Landespolitik zu schießen, die
Querschläger sollen jedoch auch Landesjägermeister Toni Larcher
treffen und ihn schwächen. Die notwendige Anpassung des Wildbestands
an den Lebensraum Wald wollen sich die Jäger nicht so einfach
diktieren lassen, damit brechen die Interessengegensätze zwischen
forstlichen Notwendigkeiten und Waidwerk wieder auf.
Der Konflikt zwischen Wald und Wild hat sich durch die intensive
Naturnutzung in den vergangenen Jahren verschärft; auch oder vor
allem wegen der zunehmenden Freizeitaktivitäten im Wald. Das Wild
sucht sich neue Nischen, die anvisierte Wildstansregulierungen
funktionierten nicht und Investitionen in den wichtigen Schutzwald
werden nicht nur angeknabbert, sondern finanziell aufgefressen.
Darüber hinaus wird die Konfliktzone Wald von einer hohen
Emotionalität bestimmt, die Jäger, Förster und Grundbesitzer im
Anlassfall weidlich ausleben. Dass trotz der mit Toni Larcher
eingetretenen internen Beruhigung der Jägerverband nach wie vor ein
fragiles Gebilde ist, erschwert das von der Politik vielfach
beschworene Miteinander im Wald.
Trotzdem ließ der Stellenwert der Jagd im Allgemeinen und seiner
mehr oder weniger mit der Politik eng verschränkten Vertreter im
Besonderen die Landesregierung oft mit angezogener Handbremse
agieren. So zog der ehemalige Landeshauptmannstellvertreter Anton
Steixner die Jagdnovelle 2012 nach heftigen Protesten und internen
Querelen im Jägerverband zurück. Angesichts der gestern bekannt
gewordenen "meilenweit entfernten Reduktion des Rotwildbestands"
(LHStv. Josef Geisler) benötigt es jedoch nicht nur dringend ein
neues Jagdgesetz, sondern eine damit verknüpfte strikte Vollziehung.
Was nützen Abschussquoten, wenn sie nicht eingehalten werden?
Sinkende Anteile wird es in den nächsten Jahren ohnehin nicht geben.
Geisler hat angekündigt, dass er für mögliche Streitereien im
Jägerverband nicht zuständig ist. Warum auch? Die
Interessenvertretung für 16.000 Mitglieder hat maßgeblich am neuen
Jagdgesetz mitgearbeitet, die Entscheidung darüber trifft aber der
Landtag. Und die Befindlichkeiten der Waidmänner und -frauen
untereinander werden die Wildschäden wohl auch nicht wirksam
bekämpfen.
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