• 18.02.2015, 19:30:32
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Herzens-Bildung"

Ausgabe vom 19.2.15

Utl.: Ausgabe vom 19.2.15 =

Wien (OTS) - 200 Millionen Euro mehr braucht Bildungsministerin
Gabriele Heinisch-Hosek. Eigentlich müsste sie gemäß Budgetpfad Geld
einsparen. Es stellt sich also die Frage, wie relevant solche
Vereinbarungen sind. Das Argument der Ministerin, wenn 290 Millionen
für Sicherheit da sind, muss es wohl auch Geld für Bildung geben,
versteht jeder. Es stellt sich allerdings die Frage, wie relevant die
von ihrer Regierungskollegin Johanna Mikl-Leitner genannte Zahl ist,
oder ob es sich dabei eher um eine "politische Zahl" handelt.

Die 200 Millionen sollen aber tatsächlich fließen, und am Ende werden
sie es auch. Denn schon das laufende Bildungsbudget hält nur, weil
Mieten für Schulen an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) in Höhe
von 90 Millionen Euro bis 2016 gestundet worden sind. Das bedeutet
allerdings, dass das Ministerium 2016 umso mehr Miete zu bezahlen
hätte. Dass sich das nicht ausgehen wird, ist unschwer zu erkennen.

Die vielen organisatorischen Pannen rund um die Zentralmatura sind
zudem nicht dazu angetan, Vertrauen zu schaffen. Motto: Wenn mehr
Geld für Bildung ausgegeben wird, sollte es den Schülern zugute
kommen. Mit dem Geld Dividenden der BIG zu finanzieren, hört sich
eher kurios an - umso mehr, als die BIG auch der Republik gehört.

Aber es reiht sich in die Abfolge von Kuriositäten ein, die das Land
im Bereich der Bildung begleiten. Nach dem von Hannes Androsch
initiierten Bildungs-Volksbegehren gelobten Bundes- und
Landesregierungen Besserung. Es wurde also eine Kommission gegründet,
und die hat - immerhin - bereits getagt. Das Volksbegehren fand
übrigens 2011 statt.

Mehr Geld für Bildung auszugeben - die Universitäten sind
selbstverständlich inkludiert -, ist eine hervorragende Idee. Doch
vorher die Frage zu beantworten, wie dieses Bildungssystem denn genau
ausschauen soll, wäre eine noch bessere Idee.

Da ist auch die ÖVP in die Pflicht zu nehmen, die bisher allen
Veränderungen hinhaltenden Widerstand entgegenbrachte.
Staatssekretär Harald Mahrer denkt fortschrittlicher, aber er ist
halt nicht die ganze ÖVP. Wenn Heinisch-Hosek nun 200 Millionen Euro
zusätzlich fordert, dann ist das alleine aber auch zu wenig.
Gleichzeitig sollten die Vorschläge des Bildungs-Volksbegehrens
umgesetzt werden. Dann können es ruhig mehr als 200 Millionen sein.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

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