- 18.02.2015, 09:59:37
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Diakonie: Altersarmut in Österreich verringern! 53.000 Menschen betroffen
Eine von vier alleinstehenden Frauen im Alter ist von Armut bedroht
Utl.: Eine von vier alleinstehenden Frauen im Alter ist von Armut
bedroht =
Wien (OTS) - "Armutsbetroffene Menschen sind im Alter öfter krank und
pflegebedürftig als Ältere mit hohen Pensionen. Aber sie haben
gleichzeitig weniger Geld zur Bezahlung sozialer Dienstleistungen zur
Verfügung", macht Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich,
anlässlich der nächste Woche stattfinden Armutskonferenz auf einen
wenig diskutierten Aspekt von Armut aufmerksam.
Besonders armutsgefährdet sind alleinstehende Frauen in der Pension.
"Hier ist in Österreich jede vierte von Altersarmut bedroht. Und was
die Armut im höheren Alter besonders schwierig macht, ist der
Umstand, dass Armut die Menschen krank macht und sie im Alter
schneller pflegebedürftig werden", betont Michael Chalupka. Denn
besonders Menschen unterer Einkommensschichten sind im Durchschnitt
gesundheitlich so sehr eingeschränkt, dass sie in ihren
lebensnotwendigen Tätigkeiten auf fremde Hilfe angewiesen sind.
226.000 - das sind 12% aller Menschen über 65 Jahre - in Österreich
sind von Einkommensarmut betroffen. Davon sind 53.000 (4%) manifest
arm. Sie leiden besonders unter der schlechten Wohnsituation, dem
mangelnden finanziellen Spielraum, sozialer Isolation und einem
erhöhten Risiko zu erkranken.
Österreich liegt mit der Altersarmut unter dem OECD-Schnitt. Das
weist auf die präventive Wirkung des Sozialstaats hin. Neue
Entwicklungen dürfen aber nicht übersehen werden. Prekäre
Lebensverhältnisse nehmen zu. Und die demographischen Veränderungen
stellen uns vor neue Herausforderungen. Für alte Menschen mit
geringem Einkommen ist die Finanzierung guter, wohnortnaher und
vertrauter Pflegebetreuung die zentrale Frage. Die Kosten dafür
müssen daher auch solidarisch finanziert werden. Sonst haben wir die
gute Pflege für Reiche und die schlechte für Arme.
Pflegenetz, das trägt
Ein Pflegenetz, das über die Familie hinaus reicht, wirkt entlastend
und reduziert soziale Ungleichheiten. Wir brauchen ein Pflegenetz,
das trägt. An Modellen mangelt es dabei nicht, die Palette an
Möglichkeiten reicht von Besuchsdiensten über Kurzzeitaufenthalte und
Teilzeitbetreuung bis zur Übergangspflege, Tageszentren und betreutem
Wohnen etc. Ab 65 Jahren wächst die Bedeutung des Pflegegeldes für
die Betroffenen. "Pflegegeld kann helfen den finanziellen Mehraufwand
für Pflege abzufangen und damit ein Stück weit die Einkommensarmut
mindern", so Chalupka. "Allerdings ist in den 20 Jahren seines
Bestehens das Pflegegeld bereits um ein Viertel in seinem Wert
gesunken, weil es nicht entsprechend valorisiert wird. Hier erspart
sich der Staat Österreich jedes Jahr Hunderte Millionen Euro auf dem
Rücken von alten und behinderten Menschen," so Diakonie Direktor
Chalupka weiter.
Selbstbestimmtheit
Die Diakonie fordert deshalb eine Valorisierung des Pflegegeldes,
denn, "in der Familie mit Pflegebedürftigkeit konfrontiert zu werden,
kann jeder und jedem passieren", so Chalupka. Wichtig ist auch, dass
für alte Menschen sozialräumliche Bedingungen geschaffen werden, die
es ihnen erlauben, sich ihre Selbstbestimmung erhalten zu können.
"Besonders alleinstehende ältere Frauen profitieren von guter
Gemeinwesenarbeit in ihrer Wohnraumumgebung. Wichtig sind ambulante
medizinische und pflegerische Versorgung, sowie Angebote für
Geselligkeit und Teilhabe", betont Chalupka abschließend.
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