Erklärung der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) in Zusammenhang mit der Stellungnahme der Bioethikkommission

Wien (OTS) - Die im Verlauf der letzten Monate stattgefundenen Diskussionen der parlamentarischen Enquetekommission zum Thema "Sterben in Würde" haben erfreulicherweise große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden. Nun liegt eine Stellungnahme der Bioethikkommission vor, in der u.a. eine Reform der gesetzlichen Regelung betreffend der "Beihilfe zum Suizid" gefordert wird und in der Empfehlungen sehr unterschiedlicher Kategorien ausgesprochen werden.

Die Österreichische Palliativgesellschaft (OPG), die offizielle und wissenschaftliche Fachgesellschaft, in der Menschen aller Professionen und Berufsdisziplinen vereint sind, welche schwerkranke und sterbende Menschen betreuen, sieht keine Notwendigkeit der gesetzlichen Änderung und lehnt eine gesetzlich erlaubte Möglichkeit der Assistenz beim Suizid ab.

Hervorzuheben ist, dass in der Stellungnahme der Bioethikkommission auch ein "abweichendes Votum" von einem Drittel der Kommissionsmitglieder ausgesprochen worden ist, das eine solche Gesetzesänderung nicht empfiehlt! Betont wird dort, dass die Rechtssprechung auch jetzt schon die Möglichkeit bietet, auf die Gewissensnot des Einzelnen ausreichend einzugehen. Diesen Weg empfiehlt auch Justizminister Brandstetter aktuell - und dies entspricht auch der Sichtweise der Österreichischen Palliativgesellschaft. Damit brauchen wir nicht diese gefährliche Richtungswendung einzuschlagen, welche der ärztlich assistierte Suizid mit sich bringen würde.

Die OPG unterstützt die Empfehlungen der Bioethikkommission in der Forderung nach einem bundesweiten Rechtsanspruch auf Palliativ- und Hospizversorgung, genauso wie den im Dokument und allseits geforderten und unumstritten nötigen flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung!

Der Todeswunsch und Suizidgedanken sind oft Bestandteil der Überlegungen schwerkranker Menschen. Wir brauchen die Achtsamkeit für solche Signale und wir brauchen die Kompetenz, solche Gespräche zu führen. Die Beihilfe zum Suizid gehört aus Sicht des Vorstandes der Österreichischen Palliativgesellschaft nicht zum Grundverständnis qualitätsvoller Palliativbetreuung. Unser Ziel muss die Weiterentwicklung und gleichrangige Inklusion palliativmedizinischer Kompetenz und Strukturen ins Gesundheitssystem und die breite Ausbildung für alle Beteiligten im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen sein, damit wir den Menschen in ihrem Leiden bestmöglich gerecht werden können.

Die gesetzliche Freigabe des assistierten Suizids würde einen Richtungswechsel bedeuten, der die derzeitigen Bemühungen des Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung beeinträchtigen würde, und wird von der OPG nicht unterstützt.

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