"Dich schickt der Himmel" und "Jesus und die verschwundenen Frauen" am 10. Februar in "kreuz und quer"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - zeigt am Dienstag, dem 10. Februar 2015, um 22.35 Uhr in ORF 2 den in HD produzierten Film "Dich schickt der Himmel" von Ronnie Kay, der Einblicke in Lebenssicht und Regeln streng orthodoxer Jüdinnen und Juden gibt und mit großem Respekt sehr persönliche Seiten der Protagonisten bei der Anbahnung von Ehegemeinschaften zeigt.

Maria von Magdala, einst wichtigste Jüngerin Jesu, wurde als Propagandafigur der Kirche missbraucht. Junia, eine berühmte Apostelin der Frühkirche, verwandelte sich unter der Feder eines Bibelkommentators in einen Mann. Phöbe, Vorsteherin einer frühen Christengemeinde, wurde als Hilfskraft des Apostels Paulus klein interpretiert. Lydia, die erste Christin Europas, geriet fast 2.000 Jahre in Vergessenheit. Es gab verschiedene Methoden, Frauen im Umkreis Jesu und des frühen Christentums verschwinden zu lassen. Maria Blumencrons HD-Dokumentation "Jesus und die verschwundenen Frauen" zeigt um 23.30 Uhr auf, wie sie von der Theologie wieder sichtbar gemacht werden.

"Dich schickt der Himmel" - Ein Film von Ronnie Kay (Bearbeitung:
Ursula Unterberger)

Den perfekten Partner zu finden ist so schwierig wie die Teilung des Roten Meers. Davon sind viele orthodoxe Jüdinnen und Juden überzeugt und nehmen nicht nur die Hilfe einer Heiratsvermittlerin in Anspruch, sondern halten sich bei der Partnersuche auch an strenge Regeln. Nicht mehr als eine Handvoll Treffen, manchmal nicht mehr als 15 Minuten, nach denen man "Ja" oder "Nein" sagen muss. 15 Minuten, die das restliche Leben entscheiden. Wobei sich die Heiratswilligen sicher sind, dass die Entscheidung schon im Himmel getroffen wurde. Wobei nicht nur "die Chemie stimmen" muss. Fast nach Checklisten muss abgeglichen werden, ob die Familien zusammenpassen, wie ernst die Thora im Leben genommen wird - und auch, ob etwa der Mann arbeiten oder sich ausschließlich dem Thora-Studium widmen will. In "Dich schickt der Himmel" durfte ein Kamerateam zum ersten Mal die Suche nach dem perfekten Partner von orthodoxen Jüdinnen und Juden in Israel begleiten.

So kommt der 23-jährige Hezki auch äußerlich erkennbar aus einer streng jüdisch-orthodoxen Familie. Er hat schon etliche Datings durchgemacht - doch bisher ohne Erfolg, zur Frustration seiner Eltern, Geschwister und Freunde. Ihm schwebt ein Frauen-Ideal vor, das er selbst kaum beschreiben kann. Wichtig ist es ihm, nach den Datings seinen Rabbi um Rat zu fragen - Emotionen könnten trügerisch sein, meint Hezki zunächst, Vernunftgründe seien wichtiger. Doch im Lauf des Films macht er eine Wandlung durch und erkennt auch die Bedeutung seiner Gefühlswelt. Er will eine kluge, gebildete und kritische Frau, mit der er über alles reden kann. Damit gerät er aber auch in einen persönlichen Konflikt mit den Vorstellungen seiner streng-religiösen Gemeinschaft.

Ganz anders sind die Voraussetzungen der hübschen Merav. Mit 25 Jahren gilt die modebewusste Frau auf dem jüdisch-orthodoxen "Heiratsmarkt" als nicht mehr ganz jung. Vor allem aber mindert ihre Chancen für eine neue Ehe, dass sie bereits geschieden ist. Ihr Mann hatte vor der Eheschließung versprochen zu arbeiten, doch danach überlegte er es sich und wollte sich nur dem Thora-Studium hingeben. Dass Merav einen ersten Abschluss als Juristin hat, wird von Männern im orthodoxen Milieu ohnehin mit Argwohn betrachtet. Unter diesem Druck müsse sie, so rät ihr die Heiratsvermittlung, auch zu Kompromissen bei der Partnerwahl bereit sein.

Der erst 19-jährige Ariel, der das Schächten erlernt und koscherer Fleischhauer werden soll, trifft sich mehrmals zu kurzen Dates mit Esti, der 18-jährigen Tochter des Leiters einer Thora-Schule. Sie verstehen sich gut, doch mit dem Heiraten haben sie es nicht eilig -sehr zum Entsetzen der Eltern. Ariels Eltern reagieren eher verhalten, als sie beim arrangierten Besuch ihrer zukünftigen Schwiegertochter erfahren, dass Esti das Kochen erst erlernen muss. Estis Mutter wiederum macht ihrer Tochter tränenreich und nachdrücklich klar, dass nach ein paar Dates die Entscheidung zur Hochzeit nun endlich fallen müsse.

"Jesus und die verschwundenen Frauen" - Ein Film von Maria Blumencron

Vor 2.000 Jahren kündigte Jesus von Nazareth das Reich Gottes an, in dem alle Menschen gleich wären. In einer streng patriarchal geprägten Zeit war das revolutionär. Und so folgten dem charismatischen Wanderprediger nicht nur Männer, sondern vielfach auch Frauen nach. Doch auf Grund einer männerzentrierten Sprache blieben sie in den Evangelien nahezu unerwähnt. Erst unter dem Kreuz kommen Frauen der Jesus-Bewegung in den Blick. In seinen letzten Stunden werden sie sogar mit Namen genannt. Warum? Weil die Männer aus Angst um ihr eigenes Schicksal davongelaufen waren.

Frauen waren Zeuginnen des Todes Jesu, der Grablegung und schließlich seiner Auferstehung, die zum Grundstein des Christentums wird. Es ist Maria aus Magdala, die von Jesus den Auftrag erhält, die Frohe Botschaft zu verkünden. Sie wird damit zur ersten Apostelin. Doch gleich nach Erfüllung des Auftrags verschwindet die Schlüsselfigur des Ostergeschehens aus den kanonischen Evangelien. Der leere Raum, den sie hinterlässt, wird zum Nährboden abenteuerlicher Legenden. Aus der "Apostelin Apostolorum" wird in der von Männern besetzten institutionalisierten Kirche die reuige Sünderin. Aus der Sünderin die asketische Büßerin. Aus der Büßerin ein laszives Pin-up-Girl der Kunst. Heute wird über Maria Magdalena vielfach gemutmaßt, die Ehefrau Jesu gewesen zu sein. Aber auch das ist nicht mehr als eine weitere Übermalung der wirklichen Maria von Magdala.

Eine folgenschwere Fehlinterpretation erfuhr auch Junia, die als wichtiges Bindeglied zwischen der Jesus-Bewegung und dem frühen Christentum gilt. Von den ersten Kirchenvätern noch als "berühmte Apostelin" gepriesen, erfährt sie im Mittelalter eine folgenschwere Geschlechtsumwandlung. Unter der Feder des Bibelkommentators Ägidius von Rom wird aus Junia ein Apostel namens Junias. Das Versehen eines unausgeschlafenen Augustiners? Oder das Ergebnis eines männerorientierten Weltbildes? Und warum fristet Apostelin Junia in allen gängigen Bibelausgaben bis heute ein Dasein als Mann?

Fragen, die die Filmemacherin Maria Blumencron direkt zur Frage nach der Stellung der Frau in der heutigen Kirche führen. Eine ihrer Vertreterinnen ist die junge Theologiestudentin Jacqueline Straub. Ihr Wunsch es ist, Priesterin der römisch-katholischen Kirche zu werden. Ein hoffnungsloses Unterfangen? Oder gibt es in der Bibel weitere Vorbilder, auf die sich die junge Frau berufen kann? Jacquelines Recherche führt nach Kenchreä bei Korinth, wo sie auf die Spuren einer Mitarbeiterin des Apostels Paulus stößt: Phöbe. Und nach Philippi, wo die erste Taufe auf europäischem Boden stattfand. Es war eine Frau, die diesen mutigen Schritt tat. Ihr Name war Lydia.

Welche Frauen hat Jesus von Nazareth um sich gesammelt? Welche Frauen waren in seiner Nachfolge bedeutsam? Wer hat sie warum zum Verschwinden gebracht und wie werden sie von der heutigen Theologie wiederentdeckt? Auf diese Fragen versucht der Film Antworten zu finden.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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