• 06.02.2015, 20:51:41
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Hoch ist nicht zu hoch, Marktkommentar von Stefan Schaaf

Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Die Euphorie am deutschen
Aktienmarkt ist für das Erste verflogen. An die Stelle eines steilen
Kursanstieges wie seit Jahresbeginn ist in den vergangenen Tagen eine
maue Seitwärtsbewegung getreten. Dies dürfte weniger mit der neuen
Griechenland-Nervosität zu tun haben als vielmehr mit der gestiegenen
Bewertung deutscher Standardwerte. Denn der Dax hat mit seinem
rasanten Kursanstieg seit Jahresbeginn die Bewertungslücke zum weit
vorausgeeilten US-Aktienmarkt um rund die Hälfte verringert. Gemessen
am historischen Durchschnitt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) ist
der deutsche Leitindex sogar schon überbewertet.

Dennoch: Am vergangenen Dienstag reichte es für den Dax noch einmal
zu einem Rekordhoch. Doch als dieser die 10984,69 Stellen erreichte
und allgemein der Sprung über die 11000-Punkte-Marke erwartet wurde,
endete die seit Jahresbeginn anhaltende Rally zunächst einmal. Zur
Erinnerung: Seit Anfang Januar hat der Dax bereits gut 10% an Wert
gewonnen und damit alle wichtigen europäischen Aktienindizes hinter
sich gelassen, während zugleich die US-Märkte stagnierten. Für den
globalen Aktienleitindex S&P500 steht im laufenden Jahr ein mickriges
Plus von 0,5% zu Buche. Die Dax-Rally hatte Mitte Oktober vergangenen
Jahres eingesetzt, als die Marktteilnehmer erkannten, dass
Rezessionssorgen für Deutschland überzogen waren. Zudem begann die zu
erwartende quantitative Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB)
und die damit verbundene zusätzliche Liquidität die europäischen
Aktienmärkte anzuschieben. Billiges Öl und ein schwacher Euro taten
ein Übriges. Diese beiden Faktoren liefen zuletzt aus. Der Ölpreis
stieg jüngst wieder an, der Euro-Kurs pendelte sich zwischen 1,13 und
1,15 Dollar ein.

KGV legt deutlich zu

Mit dem Anstieg des Dax erhöhte sich auch dessen Bewertung.
Berechnungen der Commerzbank zufolge liegt derzeit das nach vorn
gerichtete KGV im Dax bei 13,7. Dies bedeutet, dass der Index mit dem
13,7-Fachen der erwarteten Unternehmensgewinne bewertet wird. Mitte
Oktober lag dieser Indikator nur bei 10,9. Im zuletzt ebenfalls
starken Nebenwerte-Index MDax liegt das erwartete KGV sogar bei 17,6,
im EuroStoxx50 sind es 14,6. Zum Vergleich: Der als heiß gelaufen
geltende S&P500 kommt auf einen Wert von 16,5.

Noch Luft nach oben

Europa scheint damit im Vergleich zu US-Aktienmärkten noch Luft für
die Bewertung nach oben zu haben. Allerdings nicht im historischen
Vergleich. Laut den Commerzbank-Daten sind die Aktienmärkte dies- und
jenseits des Atlantiks bereits überbewertet. Sollte das KGV auf den
Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre zurückkehren, müsste dieser
Indikator im Dax wie auch im S&P500 um 16% fallen. Kein Wunder also,
dass die Rally zum Stehen gekommen ist. Die deutlichste Überbewertung
der sechs von der Commerzbank betrachteten Indizes haben nach diesem
Kriterium die beiden europäischen Indizes EuroStoxx50 und Stoxx600,
deren KGV um 23% fallen müsste, um auf den historischen Schnitt
zurückzukehren. "Die relativ hohen KGV sind der Hauptgrund, warum wir
erwarten, dass sich die weltweiten Aktienindizes in den kommenden
Monaten seitwärts bewegen dürften", schreibt
Commerzbank-Aktienexperte Andreas Hürkamp.

Allerdings unterstellt dieses Szenario konstante Unternehmensgewinne.
Verdienen die Firmen nämlich wieder mehr, so sinkt das KGV im
Gegenzug. Gleiches gilt, solange die Kurse weniger stark als die
Gewinne steigen. Damit korrigiert sich die Bewertung, ohne dass
Anleger unter fallenden Kursen leiden.

Chance auf Normalisierung

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Jüngste Konjunkturdaten aus
Europa deuten auf eine Aufhellung hin. Insbesondere Italien scheint
nach den jüngsten Arbeitsmarktreformen Fahrt aufzunehmen. Zudem
stellt sich die Frage, zumindest aus Sicht der Optimisten, ob in
einer Zeit einer quantitativen Lockerung die historischen
Bewertungsmaßstäbe noch gelten. Wenn auch die Euphorie weg ist, so
scheinen weiter steigende Dax-Notierungen trotz hoher Bewertungen
möglich.

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