• 06.02.2015, 19:37:09
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Wiener Zeitungn - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Brandner Kasper und Hypo"

Ausgabe vom 7. Februar 2015

Utl.: Ausgabe vom 7. Februar 2015 =

Wien (OTS) - Die "Süddeutsche Zeitung" beschreibt augenzwinkernd in
ihren "Klischees über Bayern" deren Verschlagenheit. Als Beispiel
wird das Theaterstück "Der Brandner Kaspar und das ewige Leben"
angeführt, das auf einer Erzählung Franz von Kobell aus dem Jahr 1871
ruht. Darin überlistet ein bayrischer Büchsenmacher und Jagdgehilfe
mittels viel Schnaps den Tod, um am Ende doch vom anderen
katholischen Ende abgeholt zu werden. Aber auch den Himmel überredet
er erfolgreich, nur ins Paradies zu gehen, egal wie finster sein
vorangegangener Handel gewesen sein mag.
Das passt eigentlich ganz gut zu den Vorgängen rund um die Hypo Alpe
Adria bei der Verstaatlichung im Dezember 2009. Noch im Frühjahr 2009
wurde in München von Sanierung und Börsegang der am Balkan tätigen
Bank gesprochen. Im Sommer 2009 wurde weniger laut erklärt, man stehe
zu diesem Investment. Dann näherte sich die Hölle in Riesenschritten,
im Herbst 2009 explodierten die Kredit-Abschreibungen, zuerst 1,1
Milliarden, dann 1,3 Milliarden, am Ende 2 Milliarden Euro. Das alles
in vier Wochen.
Gleichzeitig geriet die BayernLB durch die Ende 2008 ausgebrochene
Finanzkrise selbst in die Bredouille, der Freistaat musste
einspringen, um ihren autochthonen Zusammenbruch zu verhindern. Und
Bayern gab bei der Hypo den Brandner Kasper: Die Bank selbst (also
der Vorstand) erklärte den österreichischen Aufsichtsbehörden, dass
man sich seiner Verantwortung als Eigentümer bewusst sei und
natürlich an einer Rekapitalisierung teilnehmen werde. Zu diesem
Zeitpunkt dachte die bayrische Regierung längst nicht mehr daran,
einen Finger für die klamme Kärntner Bank-Tochter zu rühren.
Österreich ließ sich hinters Licht führen (ohne Schnaps, zugegeben
ein Unterschied zum bayrischen Volksstück), und verstaatlichte eine
Bank, die ohnehin schon dem Freistaat Bayern gehörte.
Nun ist es freilich so, dass die Österreicher von den Bayern nicht so
weit weg sind. Wir haben Johann Nestroy und Ferdinand Raimund, das
ist auch nicht schlecht. Also wird munter geklagt, wegen Irreführung
und anderer Lustigkeiten.
Es geht um Milliarden, der Brandner Kasper muss also aufs Paradies
warten. In protestantischen Gefilden mag der Streit so absurd
klingen, wie er ist, aber Bayerns und Österreichs Dichter sind halt
auch katholisch geprägt . . .

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