Wiener Zeitungn - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Brandner Kasper und Hypo"

Ausgabe vom 7. Februar 2015

Wien (OTS) - Die "Süddeutsche Zeitung" beschreibt augenzwinkernd in ihren "Klischees über Bayern" deren Verschlagenheit. Als Beispiel wird das Theaterstück "Der Brandner Kaspar und das ewige Leben" angeführt, das auf einer Erzählung Franz von Kobell aus dem Jahr 1871 ruht. Darin überlistet ein bayrischer Büchsenmacher und Jagdgehilfe mittels viel Schnaps den Tod, um am Ende doch vom anderen katholischen Ende abgeholt zu werden. Aber auch den Himmel überredet er erfolgreich, nur ins Paradies zu gehen, egal wie finster sein vorangegangener Handel gewesen sein mag.
Das passt eigentlich ganz gut zu den Vorgängen rund um die Hypo Alpe Adria bei der Verstaatlichung im Dezember 2009. Noch im Frühjahr 2009 wurde in München von Sanierung und Börsegang der am Balkan tätigen Bank gesprochen. Im Sommer 2009 wurde weniger laut erklärt, man stehe zu diesem Investment. Dann näherte sich die Hölle in Riesenschritten, im Herbst 2009 explodierten die Kredit-Abschreibungen, zuerst 1,1 Milliarden, dann 1,3 Milliarden, am Ende 2 Milliarden Euro. Das alles in vier Wochen.
Gleichzeitig geriet die BayernLB durch die Ende 2008 ausgebrochene Finanzkrise selbst in die Bredouille, der Freistaat musste einspringen, um ihren autochthonen Zusammenbruch zu verhindern. Und Bayern gab bei der Hypo den Brandner Kasper: Die Bank selbst (also der Vorstand) erklärte den österreichischen Aufsichtsbehörden, dass man sich seiner Verantwortung als Eigentümer bewusst sei und natürlich an einer Rekapitalisierung teilnehmen werde. Zu diesem Zeitpunkt dachte die bayrische Regierung längst nicht mehr daran, einen Finger für die klamme Kärntner Bank-Tochter zu rühren. Österreich ließ sich hinters Licht führen (ohne Schnaps, zugegeben ein Unterschied zum bayrischen Volksstück), und verstaatlichte eine Bank, die ohnehin schon dem Freistaat Bayern gehörte.
Nun ist es freilich so, dass die Österreicher von den Bayern nicht so weit weg sind. Wir haben Johann Nestroy und Ferdinand Raimund, das ist auch nicht schlecht. Also wird munter geklagt, wegen Irreführung und anderer Lustigkeiten.
Es geht um Milliarden, der Brandner Kasper muss also aufs Paradies warten. In protestantischen Gefilden mag der Streit so absurd klingen, wie er ist, aber Bayerns und Österreichs Dichter sind halt auch katholisch geprägt . . .

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