- 05.02.2015, 19:30:02
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Reinhard Göweil: "Athen? Nein, Moskau."
Ausgabe vom 6.2.2015
Utl.: Ausgabe vom 6.2.2015 =
Wien (OTS) - Griechenland ist - trotz der Dissonanzen zwischen Athen
und Berlin - beherrschbar. Natürlich sind die Milliardensummen, um
die es geht, furchteinflößend, doch die Europa zur Verfügung
stehenden Mittel übertreffen diese bei weitem. Trotzdem fürchten
viele Bürger eine neue Euro-Krise. Denn es fehlt die ordnende Hand,
alle reden durcheinander, das stiftet Verwirrung.
Wirklich gefährlich, sprich: im Ernstfall nicht beherrschbar, ist die
Situation in der Ukraine. Der neue Friedensplan, den Angela Merkel
und François Hollande auf die Reise nach Moskau mitnehmen, sieht ein
größeres Autonomiegebiet für die Separatisten im Osten der Ukraine
vor. Ein Zugeständnis, zweifellos. Wenn Putin noch irgendein
Interesse daran hat, konstruktiv am Welt-Geschehen teilzunehmen,
nimmt er es an.
Das Kämpfen und Sterben in der Ostukraine uferte immer stärker aus,
allein aus humanitären Überlegungen muss endlich Schluss sein.
Daneben gibt es den ökonomischen Druck. Sein Land ist durch
Sanktionen und Ölpreis-Absturz schwer getroffen. Der russische
Notenbank-Chef schließt eine Bankenkrise nicht mehr aus, das würde
russische Bürger ihrer Ersparnisse berauben - und Putin
innenpolitisch schwächen.
Andererseits steht auch die Ukraine am Rande des Bankrotts. Geld- und
Gas-Speicher sind leer, ohne Hilfe des Internationalen Währungsfonds
kommt das Land nicht mehr über die Runden. Beides hat natürlich auch
in der EU deutliche Auswirkungen. Der Konflikt mit Russland kostet
europäischen Unternehmen, auch vielen in Österreich, Geld. Die
Ukraine zu retten, wird ebenfalls viel Geld verschlingen - auch wenn
sich diese Ängste auf Griechenland konzentrieren. Merkel und Hollande
sind auf ihrer riskanten Reise zum Erfolg verdammt. Wenn dieses
Treffen schiefgeht, wird es zwischen der Ukraine und Russland
vermutlich Krieg geben.
Und dann steht die EU, die aus 28 Demokratien besteht, und niemals so
schnell reagieren kann wie der autokratisch herrschende Putin, vor
einer neuen Zerreißprobe: Italien, auch Österreich, fahren eine
konzilianteren Kurs gegen Moskau. Polen und die drei baltischen
Länder (allesamt Nato-Mitglieder) sind unnachgiebig. Wenn also Merkel
und Hollande mit leeren Händen heimkehren, dann ist Griechenland die
geringere Sorge. Genau darin liegt aber auch eine Chance: Im
Russland-Konflikt haben alle sehr viel zu verlieren.
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