- 05.02.2015, 14:18:58
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Lebenshilfe fordert Debatte über Ende der eugenischen Indikation
Spätabtreibung von Föten mit vermuteter Beeinträchtigung ist eine schwere Diskriminierung
Utl.: Utl.: Spätabtreibung von Föten mit vermuteter Beeinträchtigung
ist eine schwere Diskriminierung =
Wien (OTS) - Die Lebenshilfe unterstützt Behindertenanwalt Erwin
Buchinger bei seiner Forderung nach einer breiten Diskussion zum
Thema eugenische Indikation. Dieser nach Ansicht der Lebenshilfe
veraltete und zu streichende Passus des Strafgesetzes erlaubt eine
Spätabtreibung bis zum Geburtstermin, also bis unmittelbar vor dem
Einsetzen der Wehen, wenn die Möglichkeit besteht, dass das Kind
intellektuell oder körperlich schwer beeinträchtigt ist.
"Die Möglichkeit der Abtreibung über die 3-Monats-Frist hinaus, wenn
ein ernster Verdacht besteht, dass ein Kind nach der Geburt
intellektuell oder körperlich schwer beeinträchtigt sein werde,
stellt eine schwere Diskriminierung von Menschen mit
Beeinträchtigungen dar. ", so Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr.
Germain Weber.
In diesem Zusammenhang fordert die Lebenshilfe Österreich eine
umfassende Schwangerschaftsberatung und -begleitung durch
unabhängige, qualifizierte Fachkräfte vor und bis nach der Geburt.
Bei einem auffälligen Befund sollten mindestens 3 Tage zur Beratung
und Entscheidung zur Verfügung stehen.
Die unterschiedliche Frist für Schwangerschaftsunterbrechungen
zwischen sogenannten "gesunden" und "behinderten" Embryonen ist ein
klarer Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, wo unter
anderem die Grundsätze der Nichtdiskriminierung und der Achtung der
Vielfalt des Lebens verankert sind.
"Das UN-Komitee für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat
diesen Umstand bereits im September 2013 im Rahmen der Überprüfung
Österreichs heftig kritisiert und dringend nahe gelegt, dass jegliche
Unterscheidung des Zeitrahmens für einen Schwangerschaftsabbruch
aufgrund einer potentiellen Beeinträchtigung abzuschaffen ist.
Die Abschaffung der embryopathischen oder eugenischen Indikation ist
daher längst überfällig und ein Relikt überholter Wertvorstellungen",
so der Präsident der Lebenshilfe abschließend.
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