• 04.02.2015, 11:06:07
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Superintendent Dantine: Bildungsprogramme gegen Radikalisierung

Bischof Bünker: Bildungserfolge dürfen nicht von sozialer Herkunft abhängen - Jahr der Bildung: Salzburger Symposion und Ausstellung thematisiert Luthers Antisemitismus

Utl.: Bischof Bünker: Bildungserfolge dürfen nicht von sozialer
Herkunft abhängen - Jahr der Bildung: Salzburger Symposion und
Ausstellung thematisiert Luthers Antisemitismus =

Salzburg (OTS/epdÖ) - "Religiöse Bildung ist ein wichtiger Baustein
gegen Fundamentalismus und Intoleranz und nicht zuletzt gegen die
Ängste vor fremden Kulturen und Religionen", das erklärte der
evangelische Superintendent von Salzburg und Tirol Olivier Dantine
bei einer Pressekonferenz am 4. Februar in Salzburg (Stadt). Die
Evangelischen Kirchen in Österreich haben das Jahr 2015 zum
Schwerpunktjahr der Bildung erklärt, das unter dem biblischen Motto
"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" (Psalm 31) steht.

"Mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen ist die Stärkung der
religiösen Identität in einer zunehmend pluralen Gesellschaft sowie
das wertschätzende Kennenlernen anderer Religionen wichtig", so der
Superintendent. "Wer hier Kompetenzen erwirbt, ist auch dialogfähig.
Gerade der konfessionelle Religionsunterricht, in dem aus der eigenen
religiösen Tradition heraus interreligiöse Kompetenzen erworben
werden, spielt hier eine wichtige Rolle." Ein gebildeter Glaube wäre
auch weniger anfällig für Intoleranz und Antisemitismus. "Die Häufung
von Vandalenakten in der Stadt Salzburg gegen die Stolpersteine und
andere Gedenkstätten der Opfer des NS-Regimes sowie gegen die
Synagoge in den letzten Jahren belegt, wie aktuell das Problem
Intoleranz und Antisemitismus ist. Ich bin froh, dass sich in
Salzburg eine breite Plattform gegen Rechtsradikalismus gebildet hat.
Es wird neben diesem Schulterschluss aber auch Bildungsprogramme
gegen die Radikalisierung junger Menschen in jeglicher Richtung
brauchen", betont Dantine. Als Positivbeispiel lobt Dantine die
Zusammenarbeit der Kirchen und Religionsgemeinschaften im
Bildungsbereich. "Es ist etwas Besonderes, dass sich alle Kirchen und
Religionsgesellschaften, die in Österreich Religionsunterricht
anbieten, auf einen gemeinsamen Kompetenzraster geeinigt haben."

Auf die gesellschaftliche wie kirchliche Relevanz von Bildung wies
Bischof Michael Bünker hin. "Nach evangelischem Verständnis lässt
sich Glaube ohne Bildung nicht denken. Das will auch im Leben der
Kirche sichtbar sein und durch geeignete Maßnahmen umgesetzt werden",
so der Bischof. Aus diesem Grund habe man auch beschlossen, das Jahr
2015 zum Jahr der Bildung zu erklären. In diesem Jahr sollen jedoch
nicht nur innerkirchlich Impulse gesetzt werden, auch
bildungspolitisch-gesellschaftlichen Forderungen soll Nachdruck
verliehen werden. So wird etwa gefordert, dass Bildungserfolge nicht
von der sozialen Herkunft abhängen oder von Armut und Bildungsferne
verhindert werden dürfen. In diesem Zusammenhang dürfe auch auf
religiöse Bildung nicht vergessen werden, unterstreicht Bischof
Bünker: "Vor dem Hintergrund von Konflikten mit religiösen Aspekten
wird offensichtlich, wie wichtig es ist, die religiöse Dimension des
Menschseins als Bildungsaufgabe zu begreifen."

Einen österreichweit einzigartigen Schulversuch präsentierte Eva
Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, der seit
über 30 Jahren pädagogische Einrichtungen betreibt. Seit 2012 gibt es
den Schulversuch "Integration in der Sekundarstufe II" am
Oberstufenrealgymnasium in Grödig. "Hier werden SchülerInnen mit
sonderpädagogischem Förderbedarf - mit einem individuell erstellten
Lehrplan auf Basis der AHS - gemeinsam mit SchülerInnen ohne
Förderbedarf unterrichtet." Kothbauer fordert "ein Bekenntnis der
öffentlichen Hand zur Inklusion", das sich in "verlässlichen,
planbaren Ressourcen" im Integrations- und Pflegebereich der Schulen,
Kindergärten und Tagesbetreuungseinrichtungen bemerkbar macht.

Evangelische Bildungsarbeit verstehe sich als Gegenpol zu einer an
ökonomischen und beruflichen Zwecken orientierten Bildung, sagte
Ingrid Allesch, Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerks Salzburg.
"Für uns sind die Fähigkeiten der Menschen zu Kreativität, zur
Empathie, zur Verantwortlichkeit und zur Solidarität grundlegend und
durch Bildungserfahrungen zu fördern." Allesch stellte bei der
Pressekonferenz auch ein neues Projekt vor, das in Zusammenarbeit mit
der Volkshochschule Salzburg stattfinden wird. Es handelt sich um
einen Basislehrgang in vier Modulen für TrainerInnen unter dem Titel:
"I.S.T.T. - Inklusion, Sensibilisierung, Training, Teilhabe."

Zwischen dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie
gewidmet war, und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der
Reformation gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die
Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in
Österreich das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr der Bildung erkoren. In
den Pfarrgemeinden wird das Thema Bildung österreichweit in den
Gottesdiensten am 15. März Thema sein. Luther-Botschafterin Margot
Käßmann wird am 5. Dezember in Salzburg zur ökumenischen Dimension
der Reformation sprechen.
Mehr zum Jahr der Bildung unter www.bildungundreformation.at

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