• 26.01.2015, 20:56:37
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Syriza verliert Schrecken, Kommentar zur Griechenland-Wahl von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Frankfurt (ots) - Auf den ersten Blick wirkt die
Reaktion der Aktienmärkte äußerst seltsam. Bei der Parlamentswahl in
Griechenland tritt mit dem die Erwartungen übertreffenden Wahlerfolg
der Syriza der "Worst Case" ein und die Kurse steigen unverdrossen
weiter, als wäre nichts geschehen. Nun, tatsächlich ist etwas
geschehen. Die überraschend guten Ifo-Daten sorgten gestern für gute
Stimmung, bestätigen sie doch die Hoffnung, dass die Konjunktur mit
Unterstützung des schwachen Euro und der stark gesunkenen Ölpreise an
Fahrt gewinnen wird.

Dennoch ist die Reaktion bemerkenswert, wenn man sie mit den
Kurseinbrüchen und Volatilitätsschüben vergleicht, die in den Jahren
2011 und 2012 mit der Staatsschuldenkrise einhergingen. Der
Volatilitätsindex der Deutschen Börse, der VDax New, ist gestern
sogar gesunken. Die Reaktion ist aber durchaus erklärbar. So traf der
durchschlagende Wahlerfolg der Syriza - anders als seinerzeit die
Schuldenkrise - keinen unvorbereiteten Markt. Dass sich die Partei
durchsetzen würde, war schon sehr lange bekannt, neu waren in
jüngerer Zeit lediglich Umfragen, die zeigten, dass sie sehr deutlich
vor der regierenden Nea Dimokratia führte.

Von noch größerer Bedeutung ist, dass Griechenland längst kein großer
Gefahrenherd mehr ist. Die Währungsunion ist durch ihre
Sicherungsmechanismen, so den Rettungsfonds ESM, gegen einen
neuerlichen Flächenbrand weitgehend immun geworden. Das Wahlergebnis
könnte eher für den Parteiführer der Syriza, Alexis Tsipras, zum
Problem werden. Denn er hat im Wahlkampf Erwartungen geweckt, die er
kaum wird erfüllen können. Die Zugeständnisse, die er aushandeln
will, darunter ein Schuldenschnitt und reduzierte Sparauflagen, wird
er nicht auf ganzer Linie durchsetzen können.

So wenig Verhandlungsmasse der neue griechische Ministerpräsident
hat, so gering sind mittlerweile die Gefahren bzw. die
Ansteckungsgefahr geworden, die von dem Land für die Finanzmärkte und
die Währungsunion ausgehen. Daher können Konjunkturdaten wie der
Ifo-Index derzeit auch eine stärkere Wirkung auf den Dax entfalten.
Nicht vergessen werden darf, dass der Dax derzeit vor allem von der
Europäischen Zentralbank mit Macht nach oben getrieben wird. Denn sie
beginnt demnächst, für monatlich 60 Mrd. Euro Anleihen, darunter auch
Euro-Staatstitel, zu kaufen. Dagegen haben Griechenland und Tsipras
derzeit erst recht keine Chance, sich als Einflussfaktor auf die
Finanzmärkte durchzusetzen.

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