- 23.01.2015, 19:03:44
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Der Beipacktext zur Ärzte-Verhandlung", von Wolfgang Braun
Ausgabe vom 24. Jänner 2015
Utl.: Ausgabe vom 24. Jänner 2015 =
Linz (OTS) - Abrüstung muss heute und morgen das Gebot der Stunde
sein, wenn sich Landeshauptmann und Ärztekammerpräsident mit ihren
Verhandlungsteams treffen, um eine Lösung im Ärztegehalts-Konflikt zu
finden oder sich ihr zumindest anzunähern.
Die verbale Entgleisung Josef Pühringers während dieser Woche war der
bisherige Höhepunkt der Eskalation. Mäßigung und Vernunft sind
dringend notwendig. Dazu müssen beide Streitparteien ihren Beitrag
leisten.
Zu akzeptieren ist auf Landeshauptmann-Seite, dass die Ärzte ein
ausgeprägtes Standesbewusstsein haben und hohes Sozialprestige
genießen. Drohen oder drüberfahren, das lässt sich diese Berufsgruppe
nicht bieten. Unbestreitbar ist auch, dass man zu spät zu verhandeln
begonnen hat. Ein Teil des Drucks ist daher hausgemacht.
Unschuldsengel sind die Ärztevertreter aber natürlich auch keine. Ihr
Gehaltsschema ist in weiten Teilen ungerecht und höchst
intransparent, vor allem was die Aufteilung von Ambulanz- und
Sondergebühren betrifft.
Es gibt eine Gruppe an Primar-Ärzten, die es sich in diesem System
blendend eingerichtet hat und alle Möglichkeiten ausreizt, inklusive
Weiterleitung von Klassepatienten an die eigenen Privatordinationen.
Unter diesem Blickwinkel wirkt so manches Lamento der Ärzte
einigermaßen abgehoben - welchen Eindruck diese Einstellung auf das
Pflegepersonal macht, das ebenso eine tragende Säule in der täglichen
Spitalsarbeit ist, kann sich jeder vorstellen. Wenn die
Ärztevertreter keine Bereitschaft signalisieren, die
Fehlkonstruktionen in ihrem System zu korrigieren, machen sie sich
unglaubwürdig.
Eine Einigung im Gehaltsstreit ist aber nur die erste Aufgabe. Fast
noch wichtiger ist, das Verhältnis zwischen Land und Ärzten wieder zu
reparieren. Mit dem neuen Kepler-Universitätsklinikum hat in diesen
Tagen das Flaggschiff der Linzer Medizin-Fakultät den Betrieb
aufgenommen. Es ist wie berichtet das zweitgrößte Krankenhaus
Österreichs und birgt enormes medizinisches Potenzial, das in den
nächsten Jahren voll zur Entfaltung kommen und das Projekt
Med-Fakultät zur Erfolgsgeschichte machen soll. Das kann nur in einem
Klima des Vertrauens und der gemeinsamen Anstrengung gelingen.
Dieses Klima zu ermöglichen, ist die große Verantwortung, der die
Chefverhandler auf beiden Seiten gerecht werden müssen.
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