OÖNachrichten-Leitartikel: "Der Beipacktext zur Ärzte-Verhandlung", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 24. Jänner 2015

Linz (OTS) - Abrüstung muss heute und morgen das Gebot der Stunde sein, wenn sich Landeshauptmann und Ärztekammerpräsident mit ihren Verhandlungsteams treffen, um eine Lösung im Ärztegehalts-Konflikt zu finden oder sich ihr zumindest anzunähern.
Die verbale Entgleisung Josef Pühringers während dieser Woche war der bisherige Höhepunkt der Eskalation. Mäßigung und Vernunft sind dringend notwendig. Dazu müssen beide Streitparteien ihren Beitrag leisten.
Zu akzeptieren ist auf Landeshauptmann-Seite, dass die Ärzte ein ausgeprägtes Standesbewusstsein haben und hohes Sozialprestige genießen. Drohen oder drüberfahren, das lässt sich diese Berufsgruppe nicht bieten. Unbestreitbar ist auch, dass man zu spät zu verhandeln begonnen hat. Ein Teil des Drucks ist daher hausgemacht. Unschuldsengel sind die Ärztevertreter aber natürlich auch keine. Ihr Gehaltsschema ist in weiten Teilen ungerecht und höchst intransparent, vor allem was die Aufteilung von Ambulanz- und Sondergebühren betrifft.
Es gibt eine Gruppe an Primar-Ärzten, die es sich in diesem System blendend eingerichtet hat und alle Möglichkeiten ausreizt, inklusive Weiterleitung von Klassepatienten an die eigenen Privatordinationen. Unter diesem Blickwinkel wirkt so manches Lamento der Ärzte einigermaßen abgehoben - welchen Eindruck diese Einstellung auf das Pflegepersonal macht, das ebenso eine tragende Säule in der täglichen Spitalsarbeit ist, kann sich jeder vorstellen. Wenn die Ärztevertreter keine Bereitschaft signalisieren, die Fehlkonstruktionen in ihrem System zu korrigieren, machen sie sich unglaubwürdig.
Eine Einigung im Gehaltsstreit ist aber nur die erste Aufgabe. Fast noch wichtiger ist, das Verhältnis zwischen Land und Ärzten wieder zu reparieren. Mit dem neuen Kepler-Universitätsklinikum hat in diesen Tagen das Flaggschiff der Linzer Medizin-Fakultät den Betrieb aufgenommen. Es ist wie berichtet das zweitgrößte Krankenhaus Österreichs und birgt enormes medizinisches Potenzial, das in den nächsten Jahren voll zur Entfaltung kommen und das Projekt Med-Fakultät zur Erfolgsgeschichte machen soll. Das kann nur in einem Klima des Vertrauens und der gemeinsamen Anstrengung gelingen. Dieses Klima zu ermöglichen, ist die große Verantwortung, der die Chefverhandler auf beiden Seiten gerecht werden müssen.

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