Sterbebegleitung statt Sterbehilfe: Johanniter zur Parlamentsenquete "Sterben in Würde"

Johanniter möchten das "Verbot der Tötung auf Verlangen" nicht in den Verfassungsrang heben. Weder aktive Sterbehilfe, noch Lebensverlängerung um jeden Preis, sind sinnvoll.

Wien (OTS) - Anlässlich der Parlamentsenquete "Sterben in Würde" unterstützen die Johanniter die Forderung der Diakonie: Weder soll das "Verbot der Tötung auf Verlangen" in den Verfassungsrang gehoben werden noch ein "Recht auf aktive Sterbehilfe" gesetzlich verankert werden.

"Menschen mit chronischen und unheilbaren Erkrankungen können heute individuelle Begleitung, soziale, medizinische, pflegerische und spirituelle Unterstützung durch Palliative Care erfahren. Allerdings müssen Betroffene und Angehörige intensiver und umfassender über Unterstützungsangebote wie Palliative Care und die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert werden. Auch der flächendeckenden Ausbau und die umfassende Finanzierung der Hospiz- und Palliativangebote müssen vorangetrieben werden", erklärt DGKS Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter mit Zusatzausbildung in Palliative Care.

Die derzeitige Gesetzeslage bietet mit der Patientenverfügung ausreichend Möglichkeiten, vorab unerwünschte medizinische Behandlungen abzulehnen. Auch mit der Vorsorgevollmacht besteht die Möglichkeit, die Vertretungs- und Entscheidungsbefugnisse an eine nahestehende Person zu übergeben. "Derzeit kostet die Errichtung einer Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht mehrere hundert Euro. Wichtig wäre es daher, eine Kostenübernahme durch Patientenanwaltschaft oder Versicherungsträger oder zumindest einen kostengünstigen Zugang für Betroffene zu schaffen", so Gottwald.

Ein hilfreicher und niederschwelliger Weg zur Selbstbestimmung und somit auch ein Beitrag zur Selbstverantwortung ist der Vorsorgedialog. Dabei geht es um rechtzeitige vorsorgliche Kommunikation über die Wünsche und Vorstellungen jedes Einzelnen, wie das Lebensende gestaltet werden kann.

"Sterben und Tod gehören zum Leben. Das unveräußerliche Recht auf Leben schließt auch das Recht zu sterben ein. Lebensverlängerung um jeden Preis missachtet dieses Recht und damit die Würde des Menschen", so O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich Körtner, Bundespfarrer der Johanniter und Direktor des neu gegründeten Diakonie-Institutes für öffentliche Theologie und Ethik.

Die Diakonie Österreich und die Johanniter schlagen daher gemeinsam vor, rechtliche Lösungen für eine Entkriminalisierung der Suizidbeihilfe im Einzelfall oder Grenzfall zu suchen, ohne das bestehende Verbot gänzlich aufzuheben. Das "Verbot der Tötung auf Verlangen" in Verfassungsrang zu heben, würde die bestehende Unsicherheit bei Ärzten noch vergrößern, wann medizinische Maßnahmen zu ergreifen sind oder unterlassen werden können. "Auf diese Weise würde womöglich das seit 2006 geltende Patientenverfügungsgesetz ausgehöhlt werden", erklärt O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Körtner.

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