Evangelische Kirche fordert mehr Mittel für den Bildungsbereich

Bischof Bünker: "Bildung ist wichtigste Zukunftsinvestition" Auftakt zum Evangelischen Jahr der Bildung - Bildung als Mittel gegen Armut - Erhöhter Förderbedarf im Bereich der Inklusion

Wien (OTS/epdÖ) - "Das Einzige, das mehr kostet als die Bildung, ist, wenn es keine oder schlechte Bildungschancen gibt", erklärte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der Auftaktpressekonferenz zum Jahr der Bildung der Evangelischen Kirchen in Österreich. Bünker betonte am 22. Jänner in Wien den hohen Stellenwert, den Bildung für die Kirchen der Reformation bis heute hat. "Bezüglich der Finanzierung von Bildungseinrichtungen sind wir überzeugt, dass es hier nicht genug Mittel geben kann. Bei Investitionen in Bildung handelt es sich um Investitionen in die Zukunft. Bildung ist ein wirksames Mittel gegen Armut und es fördert unter anderem die gesellschaftliche Zusammengehörigkeit." Darüber hinaus spricht sich Bünker auch für eine bessere Förderung im Bereich der Elementarpädagogik aus. "Es stellt sich heraus, dass dieser Bereich immer wichtiger wird."

Bei Bildung gehe es aber nicht nur um das Ansammeln von Fertigkeiten und Fähigkeiten, also von "skills" und "employabilities", die für die Wirtschaft von Nutzen sind, sagt der Bischof. "Bildung meint mehr als das", sagt Bünker. "Bildung erschöpft sich nicht im Äußeren. Sie betrifft ebenso den inneren Menschen, sein Herz, sein Gewissen, seinen Glauben - mit einem Wort: seine Persönlichkeit."

Vom evangelischen Schwerpunktjahr zum Thema Bildung sollen auch Impulse für Politik und Gesellschaft ausgehen, erklärt der für Bildung zuständige Oberkirchenrat Karl Schiefermair. "Es ist bedauerlich, dass die Regierung in Bildungsfragen die Stakeholder, zu denen auch die Kirchen gehören, nicht hören will." Die Erfahrung mit ReligionslehrerInnen, die in zwei Bundesländern unterrichten, zeige etwa, dass es von Vorteil sei, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer vom Bund verwaltet werden würden. Darüber hinaus sieht Schiefermair einen erhöhten Förderbedarf im Bereich der Inklusion. "Auch hier wäre die Einbeziehung der Kirchen und anderer Stakeholder wichtig. Wir sind zum Beispiel nicht für die Auflösung der Sonderschulklassen, es wird weiterhin spezielle Klassen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen. Allerdings muss das Sonderschulsystem aufgebrochen werden."

Besondere Bedeutung für das österreichische Schulsystem habe auch der konfessionelle Schulunterricht, zeigt sich Oberkirchenrat Schiefermair überzeugt. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie wichtig religiöse Bildung sei."Es braucht sie nach wie vor." Gerade auch der islamische Religionsunterricht in deutscher Sprache sei wichtig. Er stelle eine große Integrationsleistung dar. "Alle, die einen Ethikunterricht für alle oder einen Religionenunterricht fordern, müssen bedenken, was sie mit dieser Forderung mitkaufen:
Nämlich Religionsunterricht in Hinterhöfen, bei denen keiner weiß, was dort genau passiert."

"Evangelische Bildungseinrichtungen haben den Anspruch, ein gemeinsames Miteinander von Kindern unterschiedlicher Begabungen, kultureller, religiöser und sozialer Hintergründe zu gestalten", sagt Veronika Weisskircher, Geschäftsführerin der Diakonie Bildung. "Unsere Bildungseinrichtungen, also Kindergärten und Schulen, ist Nachhaltigkeit ein großes Anliegen." Besonders auch der Musikpädagogik werde an evangelischen Schulen ein hoher Stellenwert eingeräumt, so Weisskircher. Insgesamt gibt in Österreich 44 evangelische Kindertagesstätten und 32 evangelische Schulen mit 4300 Schülerinnen und Schülern. Die evangelische Erwachsenenbildung wird von sieben Bildungswerken und zwei Akademien wahrgenommen. Weisskircher sieht ebenfalls einen höheren Förderbedarf im Bereich der Inklusion. Hier bräuchte es eine bessere Finanzierung, etwa auch im Bereich der Nachmittagsbetreuung von Kindern mit speziellen Bedürfnissen. "Alle Kinder sollten die Möglichkeit haben, ein gutes und inklusives Angebot in Anspruch nehmen zu können."

Bischof Bünker erinnerte bei der Pressekonferenz daran, dass die Reformation auch zu grundlegenden Reformen der gesamten Bildung geführt hat. "Das Ziel war der mündige Mensch, zu eigener Meinung und zu eigenen Urteil fähig, auch in Fragen der eigenen Religion." Nach wie vor lasse sich aus evangelischer Sicht Glaube ohne Bildung nicht denken. Dies soll durch die Aktivitäten im Jahr der Bildung, das unter dem biblischen Motto "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" (Psalm 31), besonders in den Vordergrund gerückt werden. Die Kirche nehme ihre Bildungsverantwortung sehr sorgfältig war, unterstreicht Bünker. Das betreffe neben den innerkirchlichen Programmen wie etwa dem Konfirmandenkurs oder der Katechese auch die Bereiche Schule und Universität. Darüber hinaus bemühe sich die Evangelische Kirche, sich an gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozessen zu beteiligen.

Nach dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet war und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr Bildung erkoren. Zahlreiche thematische Veranstaltungen werden die kommenden Monate prägen, darunter etwa eine Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die Vorstellung und Diskussion des "Evangelischen Bildungsberichts", eine Bildungsreise nach Ghana sowie eine Veranstaltung unter anderem mit der Luther-Botschafterin Margot Käßmann. In den Pfarrgemeinden wird das Thema Bildung österreichweit in den Gottesdiensten am 15. März 2015 Thema sein.

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