- 22.01.2015, 11:24:49
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Evangelische Kirche fordert mehr Mittel für den Bildungsbereich
Bischof Bünker: "Bildung ist wichtigste Zukunftsinvestition" Auftakt zum Evangelischen Jahr der Bildung - Bildung als Mittel gegen Armut - Erhöhter Förderbedarf im Bereich der Inklusion
Utl.: Bischof Bünker: "Bildung ist wichtigste Zukunftsinvestition"
Auftakt zum Evangelischen Jahr der Bildung - Bildung als
Mittel gegen Armut - Erhöhter Förderbedarf im Bereich der
Inklusion =
Wien (OTS/epdÖ) - "Das Einzige, das mehr kostet als die Bildung,
ist, wenn es keine oder schlechte Bildungschancen gibt", erklärte der
evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der
Auftaktpressekonferenz zum Jahr der Bildung der Evangelischen Kirchen
in Österreich. Bünker betonte am 22. Jänner in Wien den hohen
Stellenwert, den Bildung für die Kirchen der Reformation bis heute
hat. "Bezüglich der Finanzierung von Bildungseinrichtungen sind wir
überzeugt, dass es hier nicht genug Mittel geben kann. Bei
Investitionen in Bildung handelt es sich um Investitionen in die
Zukunft. Bildung ist ein wirksames Mittel gegen Armut und es fördert
unter anderem die gesellschaftliche Zusammengehörigkeit." Darüber
hinaus spricht sich Bünker auch für eine bessere Förderung im Bereich
der Elementarpädagogik aus. "Es stellt sich heraus, dass dieser
Bereich immer wichtiger wird."
Bei Bildung gehe es aber nicht nur um das Ansammeln von Fertigkeiten
und Fähigkeiten, also von "skills" und "employabilities", die für die
Wirtschaft von Nutzen sind, sagt der Bischof. "Bildung meint mehr als
das", sagt Bünker. "Bildung erschöpft sich nicht im Äußeren. Sie
betrifft ebenso den inneren Menschen, sein Herz, sein Gewissen,
seinen Glauben - mit einem Wort: seine Persönlichkeit."
Vom evangelischen Schwerpunktjahr zum Thema Bildung sollen auch
Impulse für Politik und Gesellschaft ausgehen, erklärt der für
Bildung zuständige Oberkirchenrat Karl Schiefermair. "Es ist
bedauerlich, dass die Regierung in Bildungsfragen die Stakeholder, zu
denen auch die Kirchen gehören, nicht hören will." Die Erfahrung mit
ReligionslehrerInnen, die in zwei Bundesländern unterrichten, zeige
etwa, dass es von Vorteil sei, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer vom
Bund verwaltet werden würden. Darüber hinaus sieht Schiefermair einen
erhöhten Förderbedarf im Bereich der Inklusion. "Auch hier wäre die
Einbeziehung der Kirchen und anderer Stakeholder wichtig. Wir sind
zum Beispiel nicht für die Auflösung der Sonderschulklassen, es wird
weiterhin spezielle Klassen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen
brauchen. Allerdings muss das Sonderschulsystem aufgebrochen werden."
Besondere Bedeutung für das österreichische Schulsystem habe auch der
konfessionelle Schulunterricht, zeigt sich Oberkirchenrat
Schiefermair überzeugt. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie
wichtig religiöse Bildung sei."Es braucht sie nach wie vor." Gerade
auch der islamische Religionsunterricht in deutscher Sprache sei
wichtig. Er stelle eine große Integrationsleistung dar. "Alle, die
einen Ethikunterricht für alle oder einen Religionenunterricht
fordern, müssen bedenken, was sie mit dieser Forderung mitkaufen:
Nämlich Religionsunterricht in Hinterhöfen, bei denen keiner weiß,
was dort genau passiert."
"Evangelische Bildungseinrichtungen haben den Anspruch, ein
gemeinsames Miteinander von Kindern unterschiedlicher Begabungen,
kultureller, religiöser und sozialer Hintergründe zu gestalten", sagt
Veronika Weisskircher, Geschäftsführerin der Diakonie Bildung.
"Unsere Bildungseinrichtungen, also Kindergärten und Schulen, ist
Nachhaltigkeit ein großes Anliegen." Besonders auch der
Musikpädagogik werde an evangelischen Schulen ein hoher Stellenwert
eingeräumt, so Weisskircher. Insgesamt gibt in Österreich 44
evangelische Kindertagesstätten und 32 evangelische Schulen mit 4300
Schülerinnen und Schülern. Die evangelische Erwachsenenbildung wird
von sieben Bildungswerken und zwei Akademien wahrgenommen.
Weisskircher sieht ebenfalls einen höheren Förderbedarf im Bereich
der Inklusion. Hier bräuchte es eine bessere Finanzierung, etwa auch
im Bereich der Nachmittagsbetreuung von Kindern mit speziellen
Bedürfnissen. "Alle Kinder sollten die Möglichkeit haben, ein gutes
und inklusives Angebot in Anspruch nehmen zu können."
Bischof Bünker erinnerte bei der Pressekonferenz daran, dass die
Reformation auch zu grundlegenden Reformen der gesamten Bildung
geführt hat. "Das Ziel war der mündige Mensch, zu eigener Meinung und
zu eigenen Urteil fähig, auch in Fragen der eigenen Religion." Nach
wie vor lasse sich aus evangelischer Sicht Glaube ohne Bildung nicht
denken. Dies soll durch die Aktivitäten im Jahr der Bildung, das
unter dem biblischen Motto "Du stellst meine Füße auf weiten Raum"
(Psalm 31), besonders in den Vordergrund gerückt werden. Die Kirche
nehme ihre Bildungsverantwortung sehr sorgfältig war, unterstreicht
Bünker. Das betreffe neben den innerkirchlichen Programmen wie etwa
dem Konfirmandenkurs oder der Katechese auch die Bereiche Schule und
Universität. Darüber hinaus bemühe sich die Evangelische Kirche, sich
an gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozessen zu beteiligen.
Nach dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet
war und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation
gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische
Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich
das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr Bildung erkoren. Zahlreiche
thematische Veranstaltungen werden die kommenden Monate prägen,
darunter etwa eine Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die
Vorstellung und Diskussion des "Evangelischen Bildungsberichts", eine
Bildungsreise nach Ghana sowie eine Veranstaltung unter anderem mit
der Luther-Botschafterin Margot Käßmann. In den Pfarrgemeinden wird
das Thema Bildung österreichweit in den Gottesdiensten am 15. März
2015 Thema sein.
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