• 14.01.2015, 11:43:03
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Austrian Standards: Österreich unter Top-Ten in der internationalen Normung

Appell: Normung stärker als strategisches Instrument nutzen

v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Harald Plöckinger, Vize-Präsident Austrian
Standards, Mitglied des Vorstands KTM AG, DDr. Elisabeth
Stampfl-Blaha, Direktorin Austrian Standards, Univ.Prof. DDr. Walter
Barfuß, Präsident Austrian Standards

Utl.: Appell: Normung stärker als strategisches Instrument nutzen =

Wien (OTS) - Österreich gehört zu den Top-Ten in der europäischen und
internationalen Normung und bringt sich besonders aktiv in den
Gremien ein. Das belegt das aktuelle Internationale Normungsbarometer
des französischen Normungsinstitutes AFNOR. Der Präsident von
Austrian Standards, Walter Barfuß, appelliert an Wirtschaft, Politik,
Verwaltung, Interessenvertretungen, Wissenschaft und Gesellschaft,
Normung noch stärker als strategisches Instrument zu nutzen, um sich
damit wertvollen Zeit- und Wissensvorsprung zu verschaffen. "Wenn das
Wirtschaftswachstum austrocknet, braucht es Normen als Wissensflut
umso dringender", so Barfuß. Österreichs führende Unternehmen haben
den Wert von Normen bereits erkannt - 80 Prozent der Top-Unternehmen
des Landes nehmen aktiv an der Normung teil", informiert Harald
Plöckinger, Vizepräsident von Austrian Standards und
Vorstandsmitglied der KTM AG. Die Direktorin von Austrian Standards,
Elisabeth Stampfl-Blaha, nützt die Pressekonferenz am Mittwoch, um
das Thema Normung einem Faktencheck zu unterziehen und mit überholten
Klischees aufzuräumen: Von "Normenflut" könne keine Rede mehr sein,
und der "Sündenbock Baunormen" hat ausgedient.

Austrian Standards hat mit einem leistungsorientierten
Finanzierungssystem, das seit 2014 einen moderaten Teilnahmebeitrag
für alle, die an der Normung teilnehmen, vorsieht, in Zeiten der
Budgetkonsolidierung für zusätzliche Effizienz gesorgt. Der
Teilnahmebeitrag in Höhe von EUR 450,00 ist in etwa halb so hoch wie
jener in Deutschland. "Kein vergleichbares Normungsinstitut hat einen
so hohen Eigenfinanzierungsanteil wie Austrian Standards", so Barfuß,
der betonte, dass es "ein Gebot der politischen Weisheit ist, für
Balance in der Finanzierung zu sorgen."

"Was in weiten Teilen Europas und der Welt längst genützt wird - die
Kraft von Normen und der Vorsprung durch Mitgestaltung - ist in
Österreich noch nicht von allen ausreichend erkannt. Teilweise
dürften Vorurteile und Informationsdefizite den Blick auf das
Wesentliche verstellen", so die Direktorin von Austrian Standards,
Stampfl-Blaha, die darum den Jahresauftakt nützt, um mit einigen
Mythen aufzuräumen und Fakten über Normung klarzustellen.

Faktum 1: Normen bringen jährliches Mehr an
Wirtschaftsleistung von 2,5 Mrd. Euro

Das Thema Normung ist längst über die Frage von Schraubengrößen
hinausgewachsen. Normen schaffen Innovation und Sicherheit und sind
ein unübersehbarer Wirtschaftsfaktor - schließlich bringen sie
Österreich ein Mehr an Wirtschaftsleistung in der Höhe von 2,5
Milliarden Euro pro Jahr. Ein exportorientiertes Land wie Österreich
schafft ein Viertel seines Wirtschaftswachstums durch Normung. Mit
Standards werden Handelshemmnisse abgebaut und neue Märkte über
Europa hinaus erschlossen. "Wenn die Wirtschaft stagniert und die
Arbeitslosigkeit steigt, ist es ein Gebot der Stunde, dieses
internationale Exportpotenzial voll auszuschöpfen und gleichzeitig
nationale Wachstumsimpulse zu setzen", so Plöckinger. Dies gilt nicht
nur für Österreichs Großunternehmen, sondern ganz besonders auch für
KMU. Schon jetzt sind mehr als die Hälfte der Normungsteilnehmenden
aus dem Bereich Wirtschaft Klein- und Mittelbetriebe.

Faktum 2: Normenzuwachs geht zurück

Mehr als 90 Prozent aller in Österreich gültigen Normen (ÖNORMEN)
sind Europäische und Internationale Normen. Eine Europäische Norm
ersetzt im Schnitt zehn nationale Normen.
Bereits seit 2011 ist der Zuwachs an Normen rückläufig. Grund ist,
dass der Großteil des europäischen Normenwerks, das für den Aufbau
eines gemeinsamen Binnenmarkts notwendig ist, weitgehend fertig
gestellt ist. Künftig geht es vor allem darum, das Europäische
Normenwerk aktuell zu halten und Innovationen sinnvoll in Normen
einzubetten. In Zukunft werden wir den Fokus noch stärker auf die
Beteiligung an der internationalen Normung legen.

2014 wurden 1 519 ÖNORMEN veröffentlicht. Die Neuveröffentlichung von
Normen ist damit unter das Niveau von 1997 (1 602) gesunken.
Gleichzeitig wurden 1 257 ÖNORMEN zurückgezogen. Womit der Zuwachs
2014 lediglich 262 ÖNORMEN ausmachte. 1997 war im Vergleich dazu der
Zuwachs mit 1 110 Normen mehr als vier Mal so hoch. Ein Zuwachs von
262 Normen kann angesichts der Themenvielfalt sicher nicht als
Normenflut bezeichnet werden. Der nationale Anteil an den
Neuerscheinungen lag 2014 bei nur mehr 6,5 Prozent (99 Stück).

Faktum 3: "Sündenbock Baunormen" hat ausgedient

Normen wurden in der Vergangenheit als Kostentreiber beim Bauen und
Wohnen dargestellt. Kritiker haben nach mehrfacher Einladung eine
Handvoll konkreter Beispiele geliefert. Diese werden geprüft und die
Ergebnisse gegebenenfalls umgesetzt.

Ein Beispiel sind Mehrkosten für Barrierefreiheit, die sich aber
durch längeres selbstbestimmtes Leben im gewohnten Lebensbereich
langfristig rechnen können. Hier geht es um politische Willensbildung
und um das stark steigende Bedürfnis nach selbstbestimmten Leben im
Alter. Vorgerechnet wurden von den Kritikern auch die 1 Prozent
Mehrkosten durch die ÖNORM B 8115-2 beim Bau von Wohnungen entlang
extrem lauter Straßen. Die Norm empfiehlt seit 2006 eine bessere
Fenster-Schalldämmung bei Außenlärmpegeln ab 61 dB, damit es innen
nicht lauter wird als 30 dB. Lärm ist gemäß WHO der zweitgrößte
krankmachende Umweltfaktor. Es wird nun diskutiert, ob sich diese
Mehrkosten rechnen. Der Sündenbock Baunormen hat auf jeden Fall
ausgedient.

Faktum 4: Normen kosten Geld - sind aber für alle leistbar

Sowohl Bauinnung als auch die Kammern der Architekten und
Ingenieurkonsulenten geben an, dass ihre Mitglieder jeweils maximal
200 Normen benötigen. Die etwa von der Vorarlberger Wirtschaftskammer
veröffentlichte Zahl, dass alle Baunormen 250.000 Euro kosten, ist
ein Mythos. Mitglieder der Bauinnungen sowie der Kammern der
Architekten und Ingenieurkonsulenten können seit Jahren im Rahmen
eines Normenpakets die 200 benötigten Normen zum Pauschalpreis von
230 Euro (inklusive Updates) beziehen. Für die jeweiligen
Berufsschulen gibt es den Zugang zu Normen dann gratis.
In Normen und Standards stecken wertvolles Wissen, Know-how aus der
Praxis und Service. Für KMU und Kommunen bietet Austrian Standards
günstige Paketlösungen.

Faktum 5: Normen sind keine Gesetze - Mitgestaltung erwünscht

ÖNORMEN sind keine Gesetze, sondern Empfehlungen und sollen den
Gesetzgeber entlasten. Sie werden bei Austrian Standards in einem
öffentlichen und völlig transparenten Verfahren erarbeitet. Normen
werden nicht von den Mitgliedern oder Mitarbeitern von Austrian
Standards gemacht, sondern von den tausenden Expertinnen und Experten
in Österreich. Für jeden ist einsehbar, wer sich in der Normung
engagiert. Die Normungskomitees der einzelnen Fachbereiche sind für
alle Interessierten offen, und jeder kann rund um die Uhr auf der
Website von Austrian Standards (www.austrian-standards.at)
Norm-Entwürfe lesen und online Kommentare abgeben, die in die
Entwicklung der Norm einfließen.

Faktum 6: Mehrheit für unabhängiges Normungsinstitut

In der Diskussion rund um Normung wurden sowohl Rufe nach einer
"Privatisierung" als auch nach einer Verstaatlichung von Austrian
Standards laut. Tatsache ist, dass Austrian Standards seit 1920 als
unabhängige Institution einen transparenten Normungsprozess in
Österreich sicherstellt, was den internationalen Standards für
Normungsorganisationen entspricht. Staatliche Normung gibt es nur
mehr in einzelnen Nachfolgestaaten der UdSSR und in Venezuela. Bei
einer INTEGRAL-Umfrage im Herbst 2014 haben sich 58 Prozent der
österreichischen Bevölkerung dafür ausgesprochen, dass die
Entwicklung von Normen von einem unabhängigen Institut koordiniert
werden soll.

Faktum 7: Normung ist offen und macht Sinn

Dass die Sinnhaftigkeit der Teilnahme an der Normung unumstritten
ist, bestätigt die INTEGRAL-Umfrage ebenso. 90 Prozent der Befragten
sind der Meinung, dass es Sinn macht, an der Normung teilzunehmen.
Mehr als die Hälfte der Anwender von Normen bekundete hohes Interesse
daran, selbst an einer Normen-Entwicklung teilnehmen zu wollen, doch
nur 38 Prozent der Befragten wussten darüber Bescheid, dass sich
jeder in den Prozess der Normung einbringen kann. Für die Direktorin
von Austrian Standards Anlass, "die Informationsarbeit über die
Möglichkeiten zur Mitgestaltung noch weiter zu forcieren und den
Dialog auszubauen".

Über Austrian Standards:

Standards sind Normen und Regelwerke. Sie dienen dem Wohl und der
Sicherheit aller, machen das Leben einfacher und sorgen dafür, dass
eins verlässlich zum anderen passt. Standards stehen für Qualität und
damit für Vertrauen in Produkte und Leistungen. Austrian Standards
stellt seit 1920 als unabhängige und neutrale Plattform einen
transparenten Normungsprozess in Österreich sicher. Das Institut
ermöglicht allen, Normen mitzugestalten und macht Standards als
sinnvolles, international anerkanntes Fachwissen leicht zugänglich
und anwendbar.

Austrian Standards beschäftigt derzeit 121 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Standards sorgen in Österreich für ein Mehr an
innovativer Wirtschaftsleistung in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro pro
Jahr.

www.austrian-standards.at

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