- 05.01.2015, 20:56:39
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Poker, Kommentar zu Griechenland von Detlef Fechtner
Frankfurt (ots) - Gestern waren zwei Sätze immer wieder zu hören -
in
Brüssel wie in Berlin. Der erste lautete: Wir äußern uns nicht zu
Spekulationen. Der zweite: Die Entscheidung liegt bei den Griechen.
Das war nicht ungeschickt. Denn auf diese Weise haben die Sprecher
von Bundesregierung und EU-Kommission den Eindruck vermittelt, dass
sich die Euro-Partner nicht in die griechischen Wahlen einmischen
wollen - und es implizit doch getan. Niemand hat schließlich explizit
den Meldungen widersprochen, dass die Bundesregierung mittlerweile
Griechenland nicht mehr um jeden Preis in Euroland halten will. Damit
lautet die unausgesprochene Botschaft an Griechenlands Bürger: Wählt,
was Ihr wollt! Aber seid Euch bewusst, dass Eure Wahl der Anfang vom
Ende Griechenlands in der Eurozone sein könnte!
Euroland befindet sich wieder einmal mitten im Poker. Die griechische
Linke ist sich ziemlich sicher, dass sich die Euro-Partner nicht
trauen werden, Hellas fallen zu lassen - und sie verspricht den
Bürgern deshalb, dass sie Entlastung von Sparvorgaben und
Schuldenbergen auszuhandeln imstande sein wird. In einem Land, in dem
die Troika Feindbild Nummer eins und das Wort Memorandum zum
Kampfbegriff geworden ist, kommt so etwas gut an.
Es ist deshalb nachvollziehbar und richtig, dass die Bundesregierung
dagegenhält: Nein, die Euro-Partner werden nicht bereit sein, jede
Konditionalität aufzugeben. Dieses Signal ist allein aus Respekt vor
den Regierungen in Spanien oder Portugal wichtig, die sich an
vereinbarte Bedingungen gehalten haben - schließlich wird dort dieses
Jahr auch noch gewählt.
Genauso wichtig ist es aber, dass alle Beteiligten das Ziel im Auge
behalten, sich aufeinander zuzubewegen. Es wäre fatal, wenn der Poker
durch Unbedachtheit der Beteiligten zum bloßen Hasardspiel ausarten
würde - und die Verhandlungen zu einer großen Zockerei.
Gewiss, es ist richtig, dass Euroland heute widerstandsfähiger ist
als zu Beginn der Krise. Jedoch wäre es eine Illusion, die Folgen
eines Griechen-Ausstiegs für kalkulierbar zu erklären. Niemand kann
vorhersagen, wie groß letztlich die Ansteckungsgefahren für Portugal
oder Italien sind. Und niemand kennt das Drehbuch für den konkreten
Ablauf des Ausstiegs.
Die Euro-Partner sind deshalb gut beraten, Griechenland zu warnen.
Aber sie sollten alles daransetzen, sich mit der nächsten Regierung
in Athen - egal wer sie führt - auf eine Fortsetzung einer
konditionierten Unterstützung zu verständigen.
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