• 29.12.2014, 20:51:37
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Déjà-vu, Kommentar zu Griechenland von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Kurz vor Jahresende haben die Athener
Parlamentarier den Anlegern einen gehörigen Schrecken eingejagt. Mit
der gescheiterten Wahl des ehemaligen EU-Kommissars Stavros Dimas zum
griechischen Staatspräsidenten stehen nun am 25. Januar
Parlamentswahlen an, aus denen die Linkspartei Syriza als Sieger
hervorgehen dürfte. Syriza lehnt die Übereinkunft mit der Troika ab,
die der Bevölkerung einen harten Sparkurs zugemutet hat. Damit steht
in Athen ein grundlegender Politikwechsel an.

Dies hat bei einigen Beobachtern alte Erinnerungen sowie die
Befürchtung geweckt, dass die Euro-Krise wieder in voller Stärke
ausbrechen und möglicherweise einem neuen Höhepunkt zustreben könnte.
Wird also die Vergangenheit neu belebt und steht der Eurozone der
zweite, vielleicht schwerwiegendere Teil der Krise bevor?

Bei einer nüchternen Betrachtung der Lage wird klar, dass kein
Rückfall in die schlimmsten Krisenzeiten droht. Dies wird auch an den
Märkten so gesehen, denn extreme Ausschläge gab es am Montag
eigentlich nur bei griechischen Staatsanleihen, deren Renditen in der
Spitze um mehr als 1 Prozentpunkt nach oben schossen, sowie am
Athener Aktienmarkt, der zunächst um fast 11% abstürzte. Bei Euro und
Dax hielten sich die Reaktionen in engen Grenzen. Die Investoren
vermuten also, dass die neue Krise ein weitgehend auf das Land
beschränktes Phänomen bleibt.

Dafür spricht, dass die Banken der Eurozone - im Gegensatz zur Lage
von vor drei Jahren - selbst durch einen Staatsbankrott Athens kaum
mehr in Mitleidenschaft gezogen würden. Sie haben ihre Bestände an
griechischen Staatsanleihen längst abgestoßen. Es ist auch nicht zu
erwarten, dass die Märkte einen Rauswurf oder Austritt Griechenlands
aus der Eurozone als Anfang vom Ende der Gemeinschaftswährung
ansähen. Es dürfte sich dann wohl eher die Meinung bilden, dass die
EU ein Problem loswird.

Letztlich ist auch nicht damit zu rechnen, dass eine Syriza-Regierung
- trotz der aktuellen Rhetorik - auf harten Konfrontationskurs geht
und das Land ins Unglück stürzt. Dafür spricht, dass sich Syriza
gemäß den Meinungsumfragen wohl einen Koalitionspartner suchen muss,
der möglicherweise gemäßigter ist. Syriza-Chef Alexis Tsipras wird
letztlich daran interessiert sein, in einem neuen Kompromiss die
schwierige Lage der griechischen Bevölkerung zu verbessern. Ein
Zerwürfnis mit Brüssel würde hingegen ganz Griechenland ins Unglück
stürzen. Das dürfte auch ihm klar sein.

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