- 19.12.2014, 20:01:38
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Vorweihnachtliche Vola, Marktkommentar von Stefan Schaaf
Frankfurt (ots) - Typischerweise beruhigt sich das Geschehen an den
Finanzmärkten in den Tagen vor dem Weihnachtsfest. Es ist dann oft zu
lesen, Investoren begännen ihre Bücher für das Jahr zu schließen. In
diesem Jahr kann man nur hoffen, dass Investoren ihre Bücher an den
vergangenen Tagen noch offen hatten. Denn die letzte komplette
Handelswoche vor der Weihnachtspause und dem bei vielen in der
Finanzbranche folgenden obligatorischen Ski-Urlaub hatte es in sich.
Statt vorweihnachtlicher Ruhe herrschte erhöhte Volatilität. Gemessen
am Volatilitätsindex VDax-New war die abgelaufene Handelswoche die
zweitnervöseste in diesem Jahr. Nur im Oktober, als es eine
Verschiebung in den US-Zinserwartungen gab, erreichte die Volatilität
am deutschen Aktienmarkt höhere Stände. Zwischen Wochenhöchst- und
-tiefststand beim Dax lagen knapp 700 Zähler. Auch am Devisenmarkt
steigt die Unruhe seit Monaten an: Der Volatilitätsindex CVIX liegt
inzwischen fast doppelt so hoch wie im Sommer.
Auch an anderen Märkten herrschte zuletzt große Nervosität,
insbesondere in den Schwellenländern, die ohnehin meist als Erste bei
steigender Risikoaversion abverkauft werden. Der von J.P. Morgan
berechnete Index für Schwellenländerwährungen rutschte im Dezember
bislang um 3,4% ab. Zugleich verschärfte sich der Ausverkauf bei
Schwellenländer-Anleihen. Er erreichte nach Berechnungen von Barclays
Research zuletzt ein Ausmaß, das dem des Tapering-Schocks aus dem
Frühsommer 2013 und dem Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012
gleichkam.
Geduldige US-Notenbank
Es war auch dieser Tage wieder die US-Notenbank Federal Reserve, die
ihren Beitrag zur höheren Volatilität leistete. Nachdem
Fed-Präsidentin Janet Yellen den Zinspfad im kommenden Jahr mit dem
Wort "geduldig" charakterisiert hatte, wird keine schnelle und vor
allem keine starke Zinserhöhung in den USA erwartet. Die Märkte
interpretierten Yellens Aussagen jedoch konträr: Während an den
Industrieländer-Aktienmärkten die Aussicht einer langsamen
Zinserhöhung die Kurse steigen ließ, lastete auf den
Schwellenländern, dass die US-Zinsen überhaupt steigen werden. Dies
wird Währungen und Anleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften
relativ an Attraktivität einbüßen lassen.
Allerdings gab es für das Schwellenländer-Sentiment auch einen
gewichtigen Belastungsfaktor: den Rubel-Absturz, für den das Wort
Rubocalypse durch die sozialen Netzwerke unterwegs ist. Die seit dem
Frühjahr andauernde Abwertung hatte sich zuletzt beschleunigt, bis
der Rubel trotz Zinserhöhung in den freien Fall überging. Wie sehr
die Nerven in der russischen Wirtschaft bloßliegen, zeigte eine
Meldung der Zeitung "Novaja Gazetta". Ihr zufolge trug ausgerechnet
der Ölmulti Rosneft zum Absturz auf knapp 80 Rubel je Dollar bei,
indem er eine Anleihe über 625 Mrd. Rubel platzierte. Diese sei von
Banken gezeichnet und als Sicherheit bei der Notenbank hinterlegt
worden. Das aufgenommene Geld sei in Hartwährung getauscht worden.
Rosneft dementierte via Bloomberg aufs Heftigste, eine Rolle beim
Rubel-Absturz gespielt zu haben.
Risikofaktor Russland
Wie auch immer, die Entwicklung in Russland bleibt zum Jahresschluss
ein Risikofaktor für die Finanzmärkte. Das durch jahrelange
Rechtsunsicherheit und Willkür der Politik in Moskau ohnehin schon
beschädigte Vertrauen in das osteuropäische Land hat dadurch weiter
gelitten, dass es Politik und Notenbank nicht vollbrachten, den
Absturz ihrer Währung wenigstens zu bremsen. Für russische Banken und
Unternehmen verschärfte der Rubel-Absturz die Probleme bei der
Rückzahlung ihrer Auslandsschulden. Damit wachsen allerdings auch die
Schwierigkeiten westlicher Banken, die Schuldner von Institutionen in
Russland sind.
Wieder einmal Griechenland
Die Schwierigkeiten Russlands überdeckten zuletzt noch ein anderes,
ebenfalls zum Jahresschluss heraufziehendes Problem - ein
altbekanntes Problem der Europäer, nämlich Griechenland. Dort steht
die Neuwahl eines Präsidenten an, die Mehrheitsfindung ist schwierig.
Noch vor dem Jahreswechsel könnte die Wahl scheitern, womit im
kommenden Jahr das Parlament von den Wählern neu bestimmt werden
müsste. Ein Sieg der Reformgegner gilt als wahrscheinlich, so dass
die Euro-Krise wieder aufflackern könnte - wenngleich die
Schutzmechanismen der EZB und des Rettungsfonds ESM installiert sind
und funktionieren dürften. Dennoch: Nach dem volatilen Advent droht
ein volatiler Jahreswechsel.
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