• 12.12.2014, 19:30:17
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Wiener Zeitung – Leitartikel von Reinhard Göweil: „Gegen ein Klima der Angst“

Ausgabe vom 13. Dezember 2014

Utl.: Ausgabe vom 13. Dezember 2014 =

Wien (OTS) - "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des
Abendlands" nennt sich in Deutschland eine Bewegung, deren
Demonstrationen steigenden Zulauf haben. Es geht - ja worum geht es
eigentlich? Vordergründig geht es um die Verteidigung des
christlichen Abendlandes, doch dahinter stecken extreme rechte
Parteien und Gruppierungen. Es geht nicht um den Islam, sondern in
Wahrheit um "Ausländer raus".

Es ist also damit zu rechnen, dass der gesellschaftliche Ton nicht
nur in Deutschland, wo es bereits Brandanschläge gegen Asylheime
gibt, sondern in ganz Europa rauer wird. Der britische Premier David
Cameron - von der Rechtspartei Ukip bedrängt - will ja sogar Bürger
anderer EU-Länder aus dem Land schmeißen. Und in Frankreich war der
Front National bei der EU-Wahl die stärkste Partei. In Österreich
rekrutiert die FPÖ einen Gutteil ihres politischen Personals aus
schlagenden Burschenschaften.

Rückt Europa also nach rechts? Ja, denn die Flüchtlinge kommen vor
allem aus islamischen Ländern, und aus Syrien zurückkehrende
Dschihadisten machen den Menschen Angst.

Das schreckliche Wort "Überfremdung" irrlichtert wieder von
Stammtisch zu Stammtisch.

In so einer Situation ist es dringend erforderlich, dass all jene
Gruppierungen und Parteien, die ein Klima der Angst ablehnen, sich
deutlich und gemeinsam zu Wort melden. In Deutschland haben Kanzlerin
Angela Merkel und Präsident Joachim Gauck bereits klar gesagt, was
sie von den "patriotischen Europäern" halten. Respekt.

Den Russland-Verstehern muss abseits der Wirtschaftssanktionen gesagt
werden, dass es Wladimir Putin ist, der diese extreme Rechte in
Europa nach Kräften unterstützt. So wie es früher die USA mit ihrer
ekelhaften Gladio-Armee gemacht haben, in der auch
NS-Kriegsverbrecher Unterschlupf gefunden haben.

Die EU muss sich endlich zu einer eigenen Linie bekennen, um solchen
rechtsnationalen Bewegungen Einhalt zu bieten. Es ist Platz in diesem
Europa, vor allem für Menschenwürde.

Dazu gehört auch, dass sich die EU stärker engagiert, um die
Konflikte in Nordafrika und im Nahen Osten zu lösen. Nicht die
Flüchtlinge sind das Problem. Die Zustände in den jeweiligen Ländern
sind es. Europa wird dafür viel Geld und vermutlich auch Soldaten
einsetzen müssen. Andernfalls könnten die "patriotischen Europäer"
der Sargnagel Europas werden.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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