Friederike-Mayröcker-Tag am 20. Dezember in Ö1

Mayröcker-Porträt im "Kulturmontag" am 15.12. in ORF 2

Wien (OTS) - Friederike Mayröcker, die Doyenne der österreichischen Literatur wird am 20. Dezember 90 Jahre alt. Ö1 gratuliert der Schriftstellerin an diesem Tag von der Morgensendung bis in die Nacht zum Geburtstag. Zu hören sind über den Tag verteilte Einsprengsel mit Lyrik von Friederike Mayröcker, gelesen von ihr, ein Porträt in den "Hörbildern" (9.05 Uhr), ein Mayröcker-Hörspiel (14.05 Uhr), eine Nachmittagsendung über die Musik der Friederike M. (15.30 Uhr), ein Mitschnitt aus dem RadioKulturhaus (21.18 Uhr) und abschließend ein Gespräch mit der Jubilarin zur Frage "Was glauben Sie?" (22.30 Uhr). In ORF 2 ist schon am 15. Dezember (22.30 Uhr) "Wilder, nicht milder - Friederike Mayröcker im Portrait" zu sehen.

"Meinen Schatten wirft ein Fliederbaum" ist der Titel des von Norbert Hummelt gestalteten Features um 9.05 Uhr in Ö1 (SWR 2014). In den Gedichten wie in den Prosawerken Friederike Mayröckers sind die Wege, die vom Leben ins Schreiben führen, kurz. Jeder Eindruck kann sofort Eingang finden in den entstehenden Text. Ihren völlig eigenen Stil kann man am ehesten im Bild der Alchemie begreifen: Erinnerungen aus der Kindheit finden sich in surreale Metaphern übersetzt, Wahrnehmungssplitter ihrer nächsten Umgebung und Meditationen über die Sehnsüchte und Nöte der menschlichen Existenz verschmelzen mit Einsprengseln aller Art, sprachlichen Zufallsfunden und Zitaten aus Briefen und Lektüren zu einer unverwechselbaren Legierung.

Von 14.00 bis 17.00 Uhr präsentiert Irene Suchy "Apropos Friederike Mayröcker" - der Nachmittag inkludiert Mayröckers Hörspiel "Das zu Sehende, das zu Hörende" (14.05 Uhr) und "Himmelfahrts-Mozart - Zum 90er der Friederike Mayröcker" (ca. 15.30 Uhr). In "Das zu Sehende, das zu Hörende" wirken Elfriede Irrall, Rudolf Wessely, Ulrich Wildgruber, Otto Sander, Andrea Vincze, Gernot Kranner und Otto Probst mit, Regie: Götz Fritsch, Komposition: Ernst Kölz (ORF/BR/WDR/DLR 1997). Angeregt von zwei Bildern, also von rein optischen Eindrücken, setzt Friederike Mayröcker diese Impulse in ein poetisch-akustisches Hörspiel um, das selbst ununterbrochen Bilder erzeugt. Ein strukturelles Element dieses Hörspiels ist der griechische Mythos der Echo, die von Narkissus verachtet wird. Sie ist Opfer eines Geschlechterkampfs, freilich keines Strindberg'schen, sondern von eher Beckett'scher Provenienz, einer Auseinandersetzung, die auch im hohen Alter noch anhält. Neben Echo, die von der Stimme eines Mezzosoprans "gefärbt" wird, und Narkissus, dem ein Countertenor zugeordnet ist, instrumentieren ein "Narrator" und die Figur Henry das vielschichtige Erinnerungs- und Beziehungsgewebe. Ein Echo der Vergangenheit wird zur "Redeverflossenheit" einer Liebesbeziehung, und das schöne Spiegelbild des Narkissus wird "in brackigem Wasser ertränkt". Um ca. 15.30 Uhr heißt es "Himmelfahrts-Mozart - Zum 90er der Friederike Mayröcker". Sie ist Inspirationsquelle, Librettistin, Ansporn und Liebhaberin der Musik ihrer Zeit - für die Feste der Dichterin spielten Peter Ponger und Beat Furrer, Rudolf Jungwirth und Kurt Schwertsik auf. In ihren Hörspielen haben Mauricio Kagel und Wolfgang von Schweinitz komponiert. Elisabeth Harnik und Gloria Coates, Eva Maria Hoben und Gottfried von Einem, Balduin Sulzer und Thomas Pernes sind dem Klang ihrer Worte in Kantaten, Opern und Liedern gefolgt, Martin Haselböck hat den ihrem Lebenspartner Ernst Jandl nachgerufenen Requiems-Text vertont. Zu hören ist Musik, die Mayröcker liebt, zu der sie dichtet und Vertonungen ihrer Texte.

Philip Scheiner präsentiert ab 21.18 Uhr "FM90 - Ein Abend mit Friederike Mayröcker" mit dem Mitschnitt der RadioKulturhaus-Veranstaltung "Die Liebe als rebellischer Vogel" und der Sendung "Was glauben Sie?". "Die Liebe als rebellischer Vogel" war der Titel eines Abends mit Friederike Mayröcker (Text und Sprache) und Peter Ponger (Kompositionen, Improvisationen, Solopiano) im ORF-RadioKulturhaus im Herbst 2013. Im Großen Sendesaal las Mayröcker aus ihren drei Werken "vom Umhalsen der Sperlingswand, oder 1 Schumannwahnsinn", "ich sitze nur GRAUSAM da" und "Von den Umarmungen". Peter Pongers Klaviermusik entstand im Moment des Hörens der Texte, anderseits kamen komponierte Miniaturen zur Aufführung. Die Musik schaffte dabei dem Zauber, der von Mayröckers Texten und ihrem Vortrag ausgeht, im Klang des Klaviers einen Raum. "Ich folge den Farben des Unsagbaren, diesem Schimmer, dieser Zartheit", so der Pianist. Um 22.30 Uhr beginnt die Sendung "Was glauben Sie?" Johannes Kaup hat mit Friederike Mayröcker unter anderem über das spirituelle Selbstverständnis der Schriftstellerin gesprochen. Mayröcker erzählt in diesem Gespräch von der Bedeutung des Glaubens für ihr literarisches Schaffen, ihrer Einstellung gegenüber Leben und Tod, warum sie ohne den "Heiligen Geist" keine profunde Zeile hätte schreiben können und was sie über sich sagen würde, wenn sie die Gelegenheit hätte, ihren eigenen Nachruf zu verfassen. Das Programm im Detail ist abrufbar unter http://oe1.orf.at.

Mayröcker-Porträt im "Kulturmontag" am 15.12. in ORF 2

Anlässlich ihres 90. Geburtstages widmet der ORF der "sanften Wilden" (Elfriede Gerstl) ein Porträt: Die Dokumentation "Wilder, nicht milder - Friederike Mayröcker im Portrait" wird im Rahmen des "Kulturmontags" am 15. Dezember ab 22.30 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt. Sie ist stets ihrem Anspruch, Welt in Sprache und Chaos in Kosmos zu verwandeln, treu geblieben. Vielen gilt Mayröcker als die wichtigste Poetin der Gegenwart. Ungewöhnlich offen zeigt sich die scheue Dichterin im Film von ORF-Literatur-Expertin Katja Gasser. Wie in ihrer Lyrik, so verschmelzen auch in ihrem gesprochenen Wort das Sehen, Fühlen und Denken zu intensiven Assoziationen und Gefühlscollagen. Das Klischee von "Stirnfransen plus Zettelwirtschaft" wirft diese rund 30-minütige Dokumentation bald über Bord und zeigt eine immer schärfer denkende und formulierende 90-Jährige.

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