- 08.12.2014, 20:51:38
- /
- OTS0082 OTW0082
Die Geister, die sie riefen, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn
Frankfurt (ots) - Prächtiger kann man sich eine Jahresend-Rally kaum
vorstellen. Die großen US-Aktienindizes erreichen erneut
Rekordstände, der Dax schafft es erstmals, sich über der Schwelle von
10000 Zählern zu halten, Japans Nikkei klettert erstmals seit sieben
Jahren wieder über 18000 Yen, und der Shanghai Composite steigt über
die Marke von 3000 Punkten und damit auf Höhen, die er zuletzt im
April 2011 gesehen hat. Doch nicht jeder sieht nur eitel
Sonnenschein.
Es wirkt fast wie perfektes Timing, dass die Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ) in einem Umfeld, in dem sich die Aktienmärkte
in allen Zeitzonen im Höhenflug befinden, mahnend den Finger hebt.
Jüngste Entwicklungen, so die BIZ, deuteten darauf hin, dass die
Märkte zunehmend fragil werden. Als sich der Verkaufsdruck Mitte
Oktober verstärkt habe, sei die Marktliquidität vorübergehend
ausgetrocknet, was die Marktbewegungen zusätzlich verstärkt habe. Die
Schwankungen hätten ein Ausmaß angenommen, das in keinem Verhältnis
zum Anlass gestanden habe. So hätten die Renditen der zehnjährigen
amerikanischen Staatsanleihen heftigere Bewegungen erlebt als nach
dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Dass ausgerechnet die "Bank
der Zentralbanken" darauf hinweist, dass die globale Geldpolitik bei
der Entstehung des als besorgniserregend empfundenen Zustands eine
entscheidende Rolle spielt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Umfangreiche monetäre Stützungsmaßnahmen hätten in den
zurückliegenden Jahren den Risikoappetit angeregt und eine Suche nach
höher rentierlichen Anlagen angefacht.
Nun werden die Notenbanken die Geister, die sie riefen, nicht mehr
los. Der Bericht der BIZ erinnert eindringlich daran, dass von den
zur Krisenbewältigung ergriffenen besonderen geldpolitischen
Maßnahmen zunehmend Risiken ausgehen, die die nächste große Krise
auszulösen drohen. Durch die Überschwemmung der Märkte mit Liquidität
suchen immer gigantischere Summen nach Anlagen. Sie sind zudem durch
die Fixierung auf Notenbankaktivitäten zunehmend in ihrer Bewegung
gleichgerichtet, was das Risiko extremer Marktausschläge zusätzlich
erhöht. Außerdem treiben die ultraniedrigen Zinsen die Investoren
zunehmend in riskante Anlagen, die zudem tendenziell auch weniger
liquide sind.
In Schönwetterperioden, in denen die Marktteilnehmer wie derzeit auf
die Macht der Notenbanken und eine Beschleunigung des weltweiten
Wachstums vertrauen, ist all dies kein Problem. Doch wehe, wenn
schlechtes Wetter aufzieht.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUN






