- 04.12.2014, 15:50:57
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Die Zeit der Kutschen in der City ist vorbei
Der schreckliche Unfall rund um ein junges Fiakerpferd am Mittwoch zeigt einmal mehr: Fiaker haben heutzutage in der Wiener Innenstadt nichts mehr verloren.
Utl.: Der schreckliche Unfall rund um ein junges Fiakerpferd am
Mittwoch zeigt einmal mehr: Fiaker haben heutzutage in der
Wiener Innenstadt nichts mehr verloren. =
Vösendorf (OTS) - Der tragische Vorfall von Mittwochnachmittag
beweist - Pferde sollten nicht in Ballungszentren leben müssen. Gegen
16 Uhr entkam ein junges Fiakerpferd aus einem Übungsgelände in Wien
Leopoldstadt, irrte auf dem Handelskai umher und kollidierte dabei
mit mehreren Fahrzeugen. Neun Polizeifahrzeuge waren notwendig, um
das schwer verletzte und verstörte Tier einzufangen. Zum aktuellen
Zeitpunkt ist noch immer unklar, ob das Tier überleben wird oder von
seinen Qualen erlöst werden muss.
Pferde auf die Koppel und nicht auf den Stephansplatz
Durch diesen traurigen Unfall sieht sich der Wiener Tierschutzverein
(WTV), der sich seit Jahren für ein Verbot von Fiakern in der Wiener
Innenstadt stark macht, erneut bestätigt. "Dieses dramatische
Ereignis zeigt ganz klar, dass die Zeit der Kutschen in der Wiener
City vorbei ist. Sie sind ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten",
sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Abgesehen davon, dass
Pferdekutschen das romantische Flair des 18. Jahrhunderts längst
verloren haben, sind die Bedingungen in modernen Großstädten wie Wien
für Pferde längst nicht mehr zumutbar. Denn ein Fiakerpferd im
"Dienst" zu sein ist wahrlich kein Vergnügen: Starkes
Verkehrsaufkommen, Abgase, Smog oder Lärm sind nur einige
tierschutzrelevante Probleme, die Stress, Panik, Verletzungen und
nicht arttypisches Verhalten bei Reittieren auslösen können.
Hinzu kommen Bewegungseinschränkungen durch das ständige Tragen von
Geschirr während der Stehzeiten, Gelenksverletzungen vom Laufen auf
Straßenasphalt, psychische Belastungen durch das Tragen von
Maulkörben oder stundenlanges Warten auf den nächsten Fahrgast in der
brütenden Hitze im Sommer. Damit die Tiere all diese Belastungen und
Sinnesreize überhaupt aushalten, wird auch zu Beruhigungsmitteln
gegriffen, welche die Tiere gefügig machen sollen. In der "Freizeit"
ist die Umgebung meist nicht angenehmer: Pferde sind Steppen- und
Fluchttiere und benötigen ausreichend Auslauf. Dieser ist in vielen
Fiakerbetrieben in der Stadt ebenso nicht gegeben, wie die
Unterbringung in geeigneten Stallungen. Häufig handelt es sich dabei
um Kellerstallungen mit zu wenig Licht - besonders in den
Wintermonaten ein Problem. "Die Missstände rund um den Einsatz von
Fiakern werden trotz minimaler Verbesserungen bei den Stellplätzen
immer schlimmer. Außerdem findet durch die Aufgabe der
Konzessionslimitierungen ein extremer Verdrängungswettbewerb statt,
der letztlich auf dem Rücken der Pferde ausgetragen wird", erklärt
Petrovic. Bis zum EU-Beitritt waren Fiaker-Konzessionen in
Österreich zahlenmäßig limitiert. Seit damals gilt EU-Recht und somit
die Dienstleistungsfreiheit. Das bedeutet: Jeder, der die rechtlichen
Voraussetzungen erfüllt, darf einen Fiaker fahren.
Nach einer Saison in die Salami
Zudem muss die Herkunft der Pferde, die sich auf den Straßen Wiens
als Fiaker verdingen müssen, kritisch hinterfragt werden. "Viele
dieser Tiere werden billigst in Rumänien gekauft, wo sie vorher mit
Brachialmethoden trainiert und gefügig gemacht wurden. Nach einer
stressigen Saison als Fiakerpferd ist die letzte Station dieser
gepeinigten Tiere dann oft eine Salamifabrik in Italien", so
Petrovic. Daher appelliert die WTV-Präsidentin nicht nur an alle
Wiener, sondern auch an die Touristen: "Wenn bei einem Wien-Besuch
ein imperiales Erlebnis gewünscht wird, wäre ein Besuch im Lainzer
Tiergarten oder der Prater Hauptalle geeigneter als eine
Fiaker-Fahrt".
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