- 04.12.2014, 14:23:04
- /
- OTS0228 OTW0228
Export bleibt wichtiges Standbein der heimischen Milchwirtschaft
Petschar zu HCB: Heimische Milch ist nach wie vor sicher
Utl.: Petschar zu HCB: Heimische Milch ist nach wie vor sicher =
Wien (OTS/aiz) - Anlässlich des AMA-Milchforums in Baden
veröffentlichte die Agrarmarkt Austria Marketing heute aktuelle
Zahlen zum heimischen Milchmarkt und gab einen Einblick in ihre
Strategien für die Zeit nach Abschaffung des EU-Quotensystems im Jahr
2015. Generell müsse man künftig noch stärker auf geprüfte Qualität
bei Molkereiprodukten setzen, wurde betont. "EU-geschützte
Ursprungsangaben und geschützte geografische Angaben spielen dabei
eine zentrale Rolle", so Geschäftsführer Michael Blass. Die aktuelle
Russlandkrise bereite der Molkereibranche derzeit große Probleme,
langfristig wolle sie aber von der weltweit steigenden Nachfrage nach
Milchprodukten profitieren und ihre Exportaktivitäten verstärken,
kündigte der Präsident der Vereinigung Österreichischer
Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, an. Zur aktuellen
HCB-Problematik in Kärnten stellte er klar, "dass heimische Milch
nach wie vor sicher ist".
Wachstumstreiber Export
Auch die AMA Marketing sehe im Außenhandel noch große
Wachstumschancen, unterstrich Blass. "Der Export leistet einen
wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung der heimischen
Milchwirtschaft, immerhin hat er sich wertmäßig seit Österreichs
EU-Beitritt vervielfacht. Im ersten Halbjahr 2014 hat der
'Exportmotor' zu stottern begonnen, trotz schwieriger
wirtschaftlicher Bedingungen konnten aber Steigerungen bei den
Ausfuhren verzeichnet werden. Die Lieferungen von Milchprodukten in
unseren Hauptmarkt Deutschland konnten um 12,5% erhöht werden, bei
Käse wurde sogar ein Plus von 16% verzeichnet", berichtete Blass.
"Österreichische Molkereiprodukte stehen weltweit für hohe
Qualität, Natürlichkeit, Authentizität und feinen Geschmack, diese
Einzigartigkeit müssen wir nach dem Auslaufen der Milchquote noch
stärker betonen. EU-geschützte Ursprungsangaben und geschützte
geografische Angaben spielen dabei eine zentrale Rolle", unterstrich
der Geschäftsführer. Österreich habe bei der Eintragung dieser
Herkunftszeichen noch einen großen Aufholbedarf.
Auch am Heimmarkt rüstet sich die AMA Marketing mit verstärkter
Information für die Zeit nach dem Quotenende. Auf der einen Seite
wird der Qualitätsvorsprung von Milchprodukten mit dem AMA-Gütesiegel
und dem AMA-Biosiegel in den Fokus gerückt. Andererseits wird mit
Kampagnen auf den Wert von Milcherzeugnissen in einer ausgewogenen
Ernährung aufmerksam gemacht. Ein Antrag auf Kofinanzierung künftiger
Maßnahmen der AMA wurde bei der EU-Kommission eingebracht.
Hoher Bioanteil bei Milch und Butter
Blass verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Zahlen zum
heimischen Milchmarkt: Ein österreichischer Haushalt gibt pro Monat
im Schnitt 40 Euro für Molkereiprodukte aus. Der Löwenanteil entfällt
dabei auf Käse (38%) und Trinkmilch (19 %). "Österreich hat sich
mittlerweile als Käsenation etabliert. Der jährliche
Pro-Kopf-Verbrauch beträgt 20 kg und ist damit ähnlich hoch wie in
Frankreich oder Italien", so der Geschäftsführer.
Der Bio-Anteil ist bei Milchprodukten relativ hoch: Rund 16% der
Trinkmilch und 8% der Butter werden im Lebensmitteleinzelhandel
bereits in Bio-Qualität gekauft. Bei Käse sind es immerhin 6%. Der
Heumilch-Anteil ist bei Frischmilch mittlerweile auf 13% gestiegen.
Petschar: Der Milchmarkt wächst
"Milch hat ein großes Potenzial in der menschlichen Ernährung,
dies zeigt auch der steigende Konsum. Die FAO erwartet zwischen 2010
und 2020 einen Anstieg der Weltmilchproduktion von 600 auf 740 Mio.
t, besonders Länder mit hohen Einkommenssteigerungen im
südost-asiatischen Raum setzen immer mehr auf dieses hochwertige
Lebensmittel und sorgen damit für hohe Nachfragezuwächse, die durch
die örtliche Produktion nicht befriedigt werden können. Dieses
Potenzial möchte auch die heimische Milchwirtschaft nutzen",
erläuterte VÖM-Präsident Petschar.
"Der Export der heimischen Milchwirtschaft hat sich seit dem
EU-Beitritt sehr positiv entwickelt, die Ausfuhren sind von 123 Mio.
auf 1.123 Mio. Euro im Jahr 2013 gewachsen, der positive
Außenhandelssaldo stieg von 17 Mio. auf 465 Mio. Euro. Mit dem
Auslaufen des Quotensystems wird auch in Österreich mehr Milch zu
erwarten sein, die vornehmlich im Export abgesetzt werden muss. Die
heimischen Molkereien bereiten sich durch Investitionen in der Be-
und Verarbeitung auf den verschärften Wettbewerb vor und versuchen
derzeit auch, neue Märkte zu erschließen", erläuterte Petschar.
Aktuelle Situation am Milchmarkt schwierig
Die aktuelle Situation am Milchmarkt sei nach wie vor
gekennzeichnet durch die Auswirkungen des russischen Import-Embargos.
Seit August sei der gesamte russische Markt für Milchprodukte aus der
EU gesperrt. "Damit fallen rund 260.000 t Käseexporte sowie zirka
30.000 t Butterexporte Richtung Moskau mit einem Schlag weg. Diese
Mengen müssen nun anderwärtig vermarktet werden, das drückt auf die
Preise. Leider wurde dies auch in Österreich von manchen
Handelsketten zum Anlass genommen, die Einkaufspreise für heimische
Milchprodukte abzusenken", bedauerte Petschar.
Milch sei aufgrund seiner hervorragenden ernährungsphysiologischen
Eigenschaften ein besonders hochwertiges Lebensmittel. Milch aus
Österreich punkte nicht nur mit seiner hohen Qualität, sie sei zu
100% gentechnikfrei und stamme überwiegend aus Berg- und
benachteiligten Gebieten. Sie werde unter strengsten Umwelt- und
Tierschutzbestimmungen in klein- und mittelbäuerlichen Betrieben
hergestellt und unterliege strengsten Qualitätskontrollen. Daher
eigne sie sich nicht als Lockartikel für Schleuderpreis-Aktionen,
appellierte Petschar an die Vertreter des Handels und forderte von
ihnen partnerschaftliches Verhalten.
Erzeugerpreise 2014 im Durchschnitt über 2013
Der durchschnittlich ausbezahlte Milchpreis (mit natürlichen
Inhaltsstoffen) lag in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres in
Österreich bei 39,90 Cent/kg netto und 44,69 Cent brutto, dies stellt
gegenüber dem Vergleichszeitraum 2013 ein Plus von 8,9% dar. Seit
Oktober wird jedoch das Vorjahresniveau unterschritten, aufgrund der
europaweit rückläufigen Preise geht Petschar davon aus, dass die
Talsohle erst in einigen Monaten erreicht sein wird.
Österreichische Milch ist sicher
Petschar, der auch Geschäftsführer der Kärntnermilch ist, ging
heute ebenso auf die aktuelle Diskussion über die
Hexachlorbenzol-Belastung im Görtschitztal ein: "Der jüngste Vorfall,
der offensichtlich auf unsachgemäße Entsorgung einer Altlast durch
ein Zementwerk zurückzuführen ist, muss lückenlos aufgeklärt werden.
Mangelnde behördliche Kontrolltätigkeit haben die Milchwirtschaft in
dieser Region in Misskredit gezogen. Die Molkereien unternehmen
jedenfalls alles, um die hohe österreichische Qualität und
Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Fest steht, dass
österreichische Milch weiterhin sicher ist, darüber darf es keinerlei
Zweifel geben", stellte Petschar fest. Derzeit seien noch 13
bäuerliche Betriebe gesperrt, deren Milch werde solange entsorgt, bis
auch hier eine entsprechende Auswertung der Proben vorliege.
(Schluss) kam
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ