• 24.11.2014, 19:30:32
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Wiener Zeitung - Leitartikel von Thomas Seifert: "Weiterreden mit dem Iran"

Ausgabe vom 25. November 2014

Utl.: Ausgabe vom 25. November 2014 =

Wien (OTS) - Nun verhandeln die fünf UN-Sicherheitsratsmitglieder
(China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) plus Deutschland
also bis Mitte 2015 mit dem Iran weiter über sein Atomprogramm. Das
ist gut so, denn die Gespräche sind derzeit auch vertrauensbildende
Maßnahmen zwischen den Erzfeinden USA und Iran, deren Interessen sich
seit ein paar Jahren immer mehr annähern. Am Ende der Verhandlungen
wird wohl ein Kompromiss stehen, mit dem beide Seiten leben können
und den beide Seiten auch ihrem Publikum zuhause verkaufen können.

Der Streit darüber, in welchem Umfang Teheran die Kernenergie für
friedliche Zwecke nutzen darf, schwelt seit dem Jahr 2002. Damals
wurde bekannt, dass der Iran geheime Atomanlagen unterhält, mit denen
Elemente, die zum Bau einer Atombombe gebraucht werden, hergestellt
werden könnten. Der Iran wiederum beharrte auf sein Recht auf die
friedliche Nutzung der Kernenergie, der Westen reagierte mit
Wirtschaftssanktionen. Jahrelang herrschte Eiszeit, zuerst hatte
US-Präsident George W. Bush kein Interesse an einer Lösung des
Streits, danach war der Hardliner Mahmoud Ahmadinejad nicht
gesprächsbereit. Erst mit der Wahl von Präsident Barack Obama wendete
sich das Blatt, Obama fand nach der Wahl von Hassan Rohani zum
iranischen Präsidenten nun auch in Teheran ein kompromissbereites
Gegenüber. Doch bei der Suche nach einer Lösung steckt der Teufel im
Detail, etwa in der Frage, nach welchem Zeitplan die westlichen
Sanktionen aufgehoben werden.

Eines haben die Verhandlungen aber schon jetzt erreicht: Der Iran
spielt nicht mehr länger die Rolle eines von den USA verachteten
Paria-Staats. Washington braucht schließlich - mehr denn je - Teheran
bei der Lösung der vielfältigen Probleme im Nahen Osten und in
Afghanistan. Europa wiederum braucht den Iran als
Gasliefer-Alternative zu einem immer feindseligeren Russland. Und
Rohani, der im Wahlkampf eine Verbesserung der Wirtschaftssituation
versprochen hatte, braucht langsam vorzeigbare Resultate. Beim
Zustandekommen eines Deals könnte Russland Atomreaktoren liefern -
alle wären zufrieden. Bis auf einen: Israels Premier Benjamin
Netanjahu, dem ein Ende der Isolation des Iran äußerst zuwider wäre.
Israel braucht Sicherheitsgarantien von Seiten Teherans und die
Einsicht, dass der Iran eine geringere strategische Herausforderung
für Israel darstellt als die arabischen Nachbarn.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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