• 23.11.2014, 22:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Fatales Signal an alle Sparer", von Max Strozzi

Ausgabe vom 24. November 2014

Utl.: Ausgabe vom 24. November 2014 =

Innsbruck (OTS) - Auch wenn die Bankenbranche Strafzinsen für
Privatkunden ausschließt: Dass deutsche Großbanken die Negativzinsen
der EZB an ihre Großkunden weitergeben, ist ein gefährlicher Schritt.
Und wirft zudem Schatten auf den Kurs der EZB.

Banken sollen ihr Geld nicht bei der Europäischen Zentralbank
bunkern, sondern Kredite vergeben und damit Investitionen und
Wirtschaft ankurbeln. Dieses Ziel hatte die EZB ausgegeben, als sie
im vergangenen Juni ein Tabu brach und seither Strafgelder von Banken
verlangt, die Geld bei ihr parken. Zunächst waren es 0,1 Prozent, im
September erhöhten die Währungshüter den Strafzins auf 0,2 Prozent.
Relativ rasch werden nun die Folgen dieses Masterplans sichtbar.
Als erstes Geldhaus reichte die kleine deutsche Skatbank die
Strafzinsen der EZB weiter und verlangt nun ihrerseits Strafzinsen
von reichen Sparern. Nachdem mit der Commerzbank jüngst ein
europäisches Schwergewicht dem Beispiel gefolgt ist und ebenfalls die
Strafgebühr der EZB an große Firmenkunden weiterreicht, bekommt die
Debatte aber eine ganz andere Dimension. Zumal auch weitere deutsche
Geldhäuser wie die genossenschaftliche WGZ-Bank Strafzinsen für
Großsparer angekündigt haben und auch die Deutsche Bank Selbiges
nicht ausschließt.
Derzeit treffen die Strafzahlungen zwar "nur" Großkunden, dennoch
sendet die Branche mit ihrem Negativzins auch an die ohnehin durch
Minizinsen bereits gebeutelten Kleinsparer ein fatales Signal: Wer
sein Geld zur Bank trägt, wird künftig womöglich sogar mit Gebühren
rechnen müssen, statt Zinsen zu kassieren. Solche Denkmuster können
für sich alleine bereits gefährlich sein.
Das Vertrauen in das Bankensystem und das Image der Bankenbranche
sind ohnehin bereits am Tiefpunkt. Steuermilliarden wurden auf jede
erdenkliche Art und Weise in Bankkonzerne gepumpt, um Geldhäuser und
ganze Staaten vor dem Kollaps zu retten. Im Gegenzug wird das Geld am
Sparbuch immer weniger wert, nachdem Minizinsen mit dem Argument
durchgedrückt wurden, Kredite und Investitionen und damit die
Wirtschaft anzukurbeln. Was im Lehrbuch gelten mag, besteht aber
nicht immer den Praxistest. Der Erfolg des EZB-Plans hält sich in
Europa jedenfalls stark in Grenzen, wenn man sich vor Augen führt,
dass mittlerweile selbst die Wachstumslok Deutschland an der
Rezession kratzt. Und nun stellt man mit Strafzinsen die Logik des
gesamten Bankensystems auf den Kopf. Für Privatkunden gelten solche
Negativzinsen bisher zwar als Tabu. Dennoch dürften sich viele
fragen, ob und wie lange das wirklich so bleiben wird - alleine als
Gedankenspiel birgt das großen Sprengstoff.

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